Analog und Digital verknüpft: Was ist die Sharing Economy?

Update 2017: Plattformökonomie und Sharing Economy immer relevanter

Untenstehenden Artikel habe ich 2014 geschrieben. Seitdem hat sich eine Menge geändert. Einige meiner Aussagen sind richtig, einige sind falsch. Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Der Wert der Unternehmen, die sich in der Sharing-Economy (Plattformindex nach Dr. Holger Schmidt) aufhalten steigt enorm. Darüber hinaus ergeben sich aber auch viele Fragestellungen, auf die unser heutiger (gesetzlicher) Ordnungsrahmen nur unzureichende Antworten liefert. So sind es bspw. in den seltensten Fällen die unten beschrieben kleinen Unternehmen, die Innovationen in der Sharing Economy vorantreiben sondern häufig globale Player wie Amazon, die eine Tendenz zur Monopolbildung verstärken. Auch in Bezug auf die oft zitierten Crowdworker müssen dringend Konzepte und Lösungen entwickelt werden, so das die Sharing Economy nicht nur zum Vorteil und zur Cash-cow für eine kleine Elite wird.

Nichts ist mehr das, was es einmal war! Die Entwicklung zur Sharing Economy

Das stimmt so nicht. Besser sollte man sagen: „Alles fliesst“ (Lao tse). Alles ändert sich! Nicht komplett- aber stetig und unaufhaltsam. Bestimmte Trends können nicht aufgehalten werden. Hiermit meine ich nicht, dass ich morgens früh nicht mehr die Zeitung kaufe (mache in manchmal doch- Sonntags!) sondern ich meine meinen kompletten Alltag (Ich bin jetzt 32 Jahre alt) und meine Lebensgewohnheiten: Arbeit, Sport, Hobbies, Reisen- mein komplettes Leben ist anders als vor 10 Jahren. Und es ist eine gewaltige Änderung. „Digitalisierung der Welt“ nennen es die einen, „Social- Media“ die anderen, manchmal lese ich von einer „Sharing Economy“. Der folgende Artikel beschäftigt sich mit dem Prinizip der Sharing Economy und zeigt Ausprägungen auf. In weiteren Artikeln werden Handlungsfelder für Menschen, Unternehmen und den Staat aufgezeigt und Vor- und Nachteile im Detail beleuchtet.

Prinzip der Sharing Ecomomy

Was bedeutet eigentlich die Sharing Economy? Im Internet bauen junge, kleine Unternehmen Plattformen auf, die zwischen Anbieter und Nachfrager vermitteln. Das Geschäftsmodell ist zumeist transaktionsbasiert, so dass nur bei „Buchung“ verdient wird. Dabei wird jeder Bereich unseres alltäglichen Lebens tangiert. Der sicherlich öffentlichkeitswirksamste Fall zur Zeit: Uber.

Old vs. New Economy: „Ein Arschloch Namens Taxi“

Obenstehendes Zitat stammt von Uber-Chef Kalanick und sagt viel über das Vorgehen des 2009 gegründeten Start-Ups?! Uber  (Uber wird auf dem Kapitalmarkt mit über 10 Mrd. Dollar bewertet! (Stand: 31.8.2014)) aus, aber auch über den Umgang von Politik und Justiz mit Innovationen. Über Uber können Nutzer Taxi Angebote durchsuchen, Fahrten buchen und selbst anbieten- zumeist spürbar günstiger als bei traditionellen Taxiunternehmen. Kritiker verweisen darauf, dass die Kosten der gewerblichen Personenbeförderung (Fahrpreisanzeiger, Alarmknopf etc.) nicht anfallen und damit ein Wettbewerbsvorteil besteht. Es bleibt fraglich, ob der Fahrer ausreichend geschützt ist. Das Landgericht Frankfurt etwa hat gerade (2.9.2014) in einer Verfügung festgestellt, dass der Fahrdienst Uber nicht den deutschen Rechtsverhältnissen entspreche.

„Wachstum ist ein Prozeß schöpferischer Zerstörung“ (Schumpeter)

Die Reaktion Ubers auf das Verbot lautet: „Die Wahlmöglichkeiten der Bevölkerung einzuschränken, war noch nie eine gute Idee“, „Uber wird seine Tätigkeit in ganz Deutschland fortführen.“ Hinter diesen Aussagen steckt Kalkül und ein völlig neues Selbstbewusstsein eines 5 Jahre jungen Unternehmens.

  • Einerseits verdeutlicht der Dienst hiermit, dass er u.U. bereit ist, sich auch den gerichtlichen Regelungen zu widersetzen. Selbst Strafen von 250.000 € pro Verstoss schrecken nicht ab.
  • Anderseits steckt hinter diesen Aufgaben auch wirtschaftliches Kalkül. Die Provokation und auch der Gerichtsstreit bringt vor allem eins: Bekanntheit! Bevor Uber wirklich aktiv ist in Deutschland dürfte es kaum jemanden geben der noch nicht davon gehört hat.

Das Unternehmen macht deutlich, dass hier ein Prozess der gesellschaftlichen Veränderung in Gang ist, der sich auch von der Justiz nicht aufhalten lässt. Dieser Prozess lässt aus Altem Neues entstehen.

Die Sharing Economy verändert alle Lebensbereiche

Im Folgenden werden dem Leser einige Beispiele aufgezeigt, die sich unter dem Begriff „Sharing Economy“ subsummieren lassen

  • Fahren: Uber- Fahrdienst, BlaBlaCar. Nicht nur das oben illustrierte Beispiel von Uber zeigt, wie Communities den Lebensbereich der Personenbeförderung ändern sondern auch das Beispiel BlaBla Car, welches nichts weiter als ein moderne Ausprägung der „Mitfahrzentrale“ aus der Old-Economy darstellt. Der Mehrwert für den Anbietenden und Nachfragenden liegt jedoch in den stärkeren Auswahlmöglichkeiten der Begleitpersonen. So können Nutzer bspw. detaillierte Profilseiten erstellen
  • Wohnen: AirBNB, 9 Flats und Wimdu: Auch der gesamte Wohn- und Hotelbereich wird von einer ganzen Generation grundsätzlich hinterfragt. Warum mehrere hundert Euro für ein Hotel mit schlechtem Service und schlechter Lage bezahlen, wenn ich für einen Bruchteil des Geldes auch in einem authentischen Haus oder einer Wohnung übernachten kann? Warum in den Ferien die eigene Wohnung nicht vermieten? Schaut man in den sozialen Netzwerken bzw. vergleicht man dort ein Unternehmen wie HRS (Old Economy) mit einem Unternehmen wie Airbnb so stellt man schnell fest, wer den Takt vorgibt. Airbnb mit 1,5 Mio. Google+ Followern und knapp 1Mio. Facebookfans (Update 2017: 9,4 Mio)! Zum Vergleich: HRS: 33.000 Google+ Follower und 450 tsd Facebookfans (Update 2017: Rückgang der Fans).

Sport: Runtastic, Freeletics / Music: Spotify, Google Play / Movies: Whatchever, Netflix / Putzen: Helpling, Cleanatiger / Essen: Lieferando, Foodora… Alle diese Beispiele zeigen auf, dass die Ideen der Sharing Economy auf bisher Dagewesenem beruhen und an sich nicht wirklich neu sind. Gemeinsam ist Ihnen, dass der Konsument davon profitiert- allerdings wird auch deutlich, dass es entsprechender Regelungen bzw. eines rechtlichen Rahmens bedarf innerhalb dessen sich diese Ideen frei verbreiten dürfen. In unseren nächsten Beiträgen werden wir die Vor- und Nachteile der Sharing Economy genauer unter die Lupe nehmen.

Quellen:

http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/kreise-us-taxi-app-uber-springt-bei-bewertung-ueber-10-milliarden-marke_id_3848814.html
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kommentar-zu-uber-airbnb-co-alte-welt-gegen-neue-welt-13148553.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Uber_(Unternehmen)
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/uber-taxi-konkurrent-ignoriert-urteil-des-landgerichts-frankfurt-a-989459.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/uber-gericht-stoppt-taxidienst-in-ganz-deutschland-a-989332.html
Von | 2018-05-31T18:14:38+02:00 17. September 2014|Alle Beiträge, Digitale Transformation|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

3 Kommentare

  1. […] nicht die produzierenden Industrien die, die hohen Kapitaleinsatz bedingen? Ist es nicht die „Sharing Economy“, die eine nicht-kapitalintensive Innovation ermöglicht? Wer sind die Unternehmer unserer Zeit: […]

  2. […] Über das Internet sprach man immer wieder unter anderen Vorzeichen: Der abenteuerliche Cyberspace, die spekulative New Economy, das partizipative Web 2.0. Social Media revolutionierte die öffentliche Kommunikation und brachte Plattformen in den Vordergrund, die die Infrastruktur für Publikation, Interaktion und Koordination bieten. Jetzt hatte jeder ohne grösseren Aufwand die Möglichkeit an öffentlicher Kommunikation teilzunehmen – im Idealfall auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten. Marketing und Unternehmenskommunikation nutzen die Strukturen, finanziert werden sie durch Werbung und letztendlich mit den Daten der Nutzer (Hier geht es zu einem Beitrag zur Sharing Economy). […]

  3. […] keine wirklich neuen Geschäftsmodelle. Während in den USA hunderte und tausende von erfolgreichen Sharingplattformen aus dem Markt spriessen, passiert in Deutschland wenig (Movinga ist hier bspw. eine […]

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