Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Was Politiker von Unternehmern lernen können

Ist es nicht etwas populistisch, zu behaupten, dass wir dringend mehr Unternehmer in der Politik brauchen? Ich meine ja. Schließlich gibt es auch schlechte Unternehmer. Schließlich sollten Unternehmer allein auch nicht die Geschicke eines Landes lenken.

Nichtsdestotrotz erscheint mir das Verhalten mancher Politiker unerklärlich. Einer der Gründe, die ich häufig im (aus meiner Sicht) nicht nachvollziehbaren Verhalten von Politikern sehe, ist die mangelnde Arbeitserfahrung ausserhalb der politischen Blase. Ich halte nichts davon, dass Politiker, nie etwas Anderes ausser Politik gemacht haben. Das lässt Sie „an der Realität vorbei“ handeln.

Wenn ich also schreibe, was Politiker von Unternehmern lernen können, meine ich eigentlich, was Sie generell lernen können:

Neugierde

„Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Albert Einstein

Politikern fehlen Ideen. Ich habe häufig den Eindruck, dass Sie mehr mit sich selbst beschäftigt sind als mit der Lösung einer Herausforderung. Woran liegt das? Ich meine, Politikern fehlt die Neugier.

Neugierde ist die Triebfeder für Innovation. Wer neugierig ist, hat Ideen. Neugierige Menschen reagieren anders auf Marktveränderungen und Wandel. Sie sind schlichtweg anpassungsfähiger im positiven Sinne.

Neugier heisst für mich unter anderem, dem Anderen zuzuhören. Die Forschung zeigt, dass es uns leichter fällt, selber zu reden, als zuzuhören. Bei Politikern scheint die Fähigkeit des Sendens ebenfalls ausgeprägter als die des Empfangens. Das ist nicht gut.

Und darum sollte es bei Politikern gehen: Dem Wähler zuzuhören. Zu wissen, dass man nichts weiss. Offen sein für andere Meinungen.

In Zeiten der Digitalisierung sollte das eigentlich einfacher als bisher sein. Menschen äußern Ihre Meinung in sozialen Medien wie Youtube oder Facebook. Das ist eine sehr große Chance (siehe auch: CDU und Digitalisierung) für die Politik.

Zuhören wünsche ich mir übrigens nicht nur in Bezug auf den Wähler sondern auch hinsichtlich Expertenmeinungen. Experten werden aus meiner Sicht viel zu wenig in politische Entscheidungsprozesse eingebunden.

Unternehmer müssen neugierig sein. Sonst gehen Sie (zumindest mittelfristig) unter.

2 Ideen, wie wir Neugierde entwickeln können.

  • Ständig dazulernen. Lerne so, als wenn du unendlich leben würdest, hat Ghandi gesagt. Wer nicht ständig dazulernt, wird sich nicht weiterentwickeln.
  • Sich mit Menschen umgeben, die nicht im normalen Dunstkreis sind. Frische Impulse kommen auch von neuen Kontakten. Neue Kontakte bringen neue Sichtweisen mit sich, die unseren Horizont erweitern.

Mehr dazu, warum Neugierde so wichtig ist.

Agieren, statt Reagieren

Mitte 2019 steht die politische Landschaft Deutschlands endgültig vor einer Wachablösung. Die Grünen sind erstmals nach Umfragen zur stärksten Partei aufgerückt. Die ehemaligen Volksparteien CDU und SPD haben historische Wahlschlappen bei den Europawahlen eingesteckt. Und bei beiden rumort es: Die Sozialdemokraten wechseln ständig ihr Führungspersonal – auch bei der Union kehrt keine Ruhe ein: Die Vorsitzende AKK wirkt getrieben, unkonzentriert, provinziell. Fehler reiht sich an Fehler.

Beiden ist eines gemein, was die Grünen Ihnen im Moment voraus haben: Sie haben keine erkennbare Agenda. Damit meine ich nicht unbedingt ein Parteiprogramm. Es geht um ein Profil, eine Vision, die an den Wähler kommunizierbar ist. Mag Sie auch noch so schwach sein.

„Make America great again“ ist ein Beispiel für eine ganz klare politische Agenda, die der Wähler versteht. Die Grünen in Deutschland haben sich erkennbar für die Zukunft positioniert und stressen seit Monaten das Thema Klimawandel, welches die Jugend grade umtreibt. Sowohl Trump als auch die Grünen bieten wenig konkrete Lösungsansätze an- aber sie haben eine Agenda.

Eine Agenda ist die Basis, um aus der Reaktion in die Aktion zu kommen. Und es ist gleichzeitig, dass was häufig „gute Unternehmer“ auszeichnet. Sie haben einen Plan, den Sie auch in Ihre Kunden und Mitarbeiter kommunizieren.

Politikern fehlt aus meiner Sicht, diese Erkenntnis. Politiker machen in erster Linie Politik für Ihre Parteikollegen. Ich wünsche mir mehr politische Agenda, mehr Politik für den Wähler, besser noch für alle Menschen.

Agieren, „den driver seat inne haben“, dass zeichnet Führung aus.

Wissen Sie, wofür die Vorsitzenden der ehemaligen Volksparteien CDU und SPD stehen? Ich weiss es jedenfalls nicht.

Begeisterung entfachen

Begeisterung bei Menschen entfachen. Zu zeigen, wie schön, der Horizont ist, damit wir wieder Schiffe bauen und gen Sonne segeln. Zu sagen, was wir gemeinsam erreichen können, WARUM wir etwas machen. Das sind Dinge, die ich in der deutschen Politik vermisse.

Wer als Unternehmer seine Mitarbeiter und seine Kunden nicht begeistert, hat es schwer. Es ist zentrale Führungsaufgabe, Begeisterung zu entfachen. Für Politiker sollte es ebenso sein.

Doch wie schaffen wir es, Begeisterung und Motivation zu entfachen? Hier drei Ideen:

  1. Ziele setzen, nicht Aufgaben. Studien belegen, die Relevanz des Setzens von Zielen. Die Ziele müssen messbar, konkret, zukunftsorientiert und auf eine intrinsischer Motivation basieren. Es geht um den Output (siehe auch: Keine Ausreden finden), weniger darum, was wir machen oder wie wir es machen. Meines Erachtens ist die deutsche Politik und vor allem das Verhalten von Politikern sehr stark inputgetrieben.
  2. Belohnungen: Menschen arbeiten härter an der Erreichung von Zielen, wenn Sie Anreize haben, das Ziel zu erreichen. Belohnungen funktionieren übrigens auch im Umgekehrten Sinne. Wenn ich etwas erreichen möchte, kann ich auch das Nicht-Erreichen sanktionieren. (Hier meine 1000 € Spenden Aktion)
  3. Fortschritte bewusst machen: Von Zeit zu Zeit benötigen wir eine Motivationsspritze. Ich würde mir auch von Politikern wünschen, dass Sie in einem strukturierten, faktenbasierten Prozess, einen Fortschrittsbericht veröffentlichten (und bitte nicht nur als 100-seitiges PDF, sondern auch zielgruppengerecht.)

Fazit: Was Politiker von Unternehmern lernen können

Das sind nur drei Beispiele von vielen Möglichkeiten, was Politiker von Unternehmern lernen können. Ich möchte damit deutlich machen, dass gerade heute, auch ein verändertes Rollenbild bzw. Profil des Politikers dringend notwendig ist, um in Zeiten heftiger Veränderungen, sachgerechte und seriöse Politik zu ermöglichen.

Übrigens: Die digitale Stadt sollte dringend längst zur Agenda jedes lokalen Politikers gehören.

 

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

Ein Kommentar

  1. Adrienne Stark 3. Juni 2019 um 11:42 Uhr - Antworten

    Sehr gut!!! Wie recht Du hast!

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