Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Die CDU hat die Digitalisierung nicht verstanden

Deutschland und Digitalisierung – das ist ein schwieriges Thema. Politik und Digitalisierung ein noch viel Schwierigeres. CDU und Digitalisierung – das ist ganz weit voneinander entfernt.

Der Einsatz von dem CDU-Europaabgeordneten Axel Voss rund um Artikel 13 und die geplanten Uploadfilter, hat zu einem Sturm der Entrüstung unter Internetnutzern und Digital Natives geführt. Umso witziger, dass nun (am 23.05.2019) herauskam, dass der YouTube-Kanal der CDU Deutschlands massiv Inhalte der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender nutzt und veröffentlicht hat. Das neueste Video des YouTubers ‚Rezo‘ bringt die Krise der Partei (im Bereich der Digitalisierung) eindeutig auf den Punkt.

Übrigens: Auch lokal passiert wenig. Die Digitalisierung in Städten geht wenig bis gar nicht voran. Hier zum Artikel zur digitalen Stadt!

Das Buch zur Digitalisierung

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Das Rezo Video: Das ist passiert

Halten wir zunächst einmal fest: Ein junger Mensch beschäftigt sich mit Politik und arbeitet sich an einer speziellen Partei ab. Er legt Quellen dar, begründet, wenngleich sehr eingleisig und populistisch. Immerhin nicht mit 280 Zeichen sondern eine knappe Stunde lang in Full-HD. Man möge zusammenfassend sagen: Das ist Stammtisch-Niveau mit einem wahren Kern (möge man auf den ersten Blick sagen). Man kann auch sagen: Endlich beschäftigt sich die junge Generation mit Politik. Und das sogar reflektiert. Ein jahrzehntelanges Fehlverhalten, eine Ignoranz ggü. z.B. den Themen Klimawandel, Generationengerechtigkeit und soziale Ungleichheit wird schonungslos und direkt von Rezo angesprochen. Über die einzelnen Quellen und Belege kann man sich trefflich streiten. Er bringt das zum Ausdruck, was viele andere Altersgenossen auch denken.

Business as usual

Übrigens: Das passiert täglich in den sozialen Netzwerken: Menschen geben ihre Meinung zu Themen ab, von denen sie nicht wirklich viel Ahnung haben. Das passiert auch jeden Abend an Stammtischen, auf Sportplätzen und im Büro. Das passiert täglich in jedem Haushalt. Es wäre schlimm, wenn nur diejenigen über Politik diskutieren, die „Ahnung“ davon haben. Wer hat überhaupt „Ahnung“ und was bedeutet „Ahnung“?

Es offenbart sich in den Statement der völlig überforderten AKK („Und die Frage stellt sich schon mit Blick auf das Thema Meinungsmache, was sind eigentlich Regeln aus dem analogen Bereich und welche Regeln gelten eigentlich für den digitalen Bereich, ja oder nein“) und des Generals Ziemiak („Wir haben zu langsam auf dieses Video reagiert, aber die Ressourcen, die wir in der Online-Kommunikation haben, sind viel zu gering, um mit jungen Menschen in Kontakt zu treten.“) einmal mehr die maßlose Arroganz und fachliche Inkompetenz der politischen Eliten (hiermit sind Politiker gemeint, die überhaupt keinen Bezug zur Realität haben können, da Sie kein Arbeitsleben ausserhalb der politischen Blase verbracht haben). Siehe hier auch: Kühnert-Artikel.

Zurück zum Video bzw. zum Unterschied:

Das Video wird von mehreren Millionen Menschen gesehen, diskutiert und geteilt. Soweit, so gut.

Und nun beginnt das eigentliche Drama.

Der Adressat (u.a. die CDU) weiß mit der Botschaft nicht umzugehen und scheint maßlos überfordert. Drei Belege hierfür:

Die Macht von Social-Media wird (immer noch) massiv unterschätzt

Social-Media heißt nicht, dass man etwas kontrollieren kann. Es geht um Verständnis. Seit Jahren äußern sich Blogger, YouTuber und Influencer aller Art in ähnlicher Weise. Bisher blieben diese Äußerungen vollkommen ignoriert. Botschaften so aufzubereiten, dass eine junge Zielgruppe sie versteht und konsumiert – darüber hat sich bei der CDU bisher anscheinend niemand gekümmert, geschweige denn sich dafür interessiert. Nun muss die CDU kurz vor der Europawahl vollkommen überrascht feststellen, dass ein Jugendlicher die Partei der Lächerlichkeit preisgibt. Dies geschieht darüber hinaus noch mit einer Reichweite, von der die CDU in der digitalen Welt nur träumen kann (Anne Will und Maybrit Illner übrigens auch).

Es wird deutlich, dass die CDU die Kommunikation mit der jungen Generation verschlafen hat und sich somit nicht an junge mögliche Wählerinnen und Wähler richten kann und auch sich wohl nicht an diese Zielgruppe richten möchte. Die CDU sollte sich bewusst darüber sein, dass die junge Generation voller Digital Natives es verstanden hat, (politische) Botschaften so zu verbreiten, dass diese eine Gewichtung bekommen und auch in der realen Welt entscheidend werden können.

Panische Reaktionen und PDF-Statement

Die Reaktion der CDU: Panik und die Veröffentlichung eines langweiligen und unpersönlichen PDF-Dokuments auf der Website. Das sagt alles im Zeitalter der Digitalisierung, im Jahr 2019. Die Antwort ist faktenbasiert könnte man positiv formuliert sagen.

Ich sage: Viel geredet nichts gesagt!

Sie wirkt mehr als hilflos und ungewollt, fast schon peinlich. Die Veröffentlichung einer Videoantwort wäre auch peinlich gewesen. Denn: Durch wen und in welchem Format hätte dies passieren sollen?

Die CDU spricht die Sprache Social-Media mit dem Dialekt Youtube nicht.

Erst wartete man zu lange auf eine Reaktion, dann wurde ein Video angekündigt und dieses danach vom Parteivorstand nicht zur Verbreitung genehmigt. Die Kompetenzen in diesem Bereich sind kaum vorhanden. Zudem kann die Partei vielen inhaltlichen Vorwürfen schlichtweg nichts entgegen halten. Rezo hatte eben in vielen Dingen recht.

Es gibt keinen klaren Ansprechpartner

In der CDU herrscht ein völliges Chaos. Die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer möchte, dass der jüngste CDU-Bundestagsabgeordnete, das Video mit einem Video beantwortet. Übrigens soll dies Philipp Amthor MdB sein. Ein Konservativer, der auch gerne im Dreiteiler und mit Einstecktuch rumläuft. Nichts gegen Dreiteiler und Einstecktuch, aber zielgruppengerecht sieht komplett anders aus. Philip Amthor MdB als Antwort auf Rezo – lächerlich. Kurz danach wird das Video zurückgezogen, um das Ansehen „des Generals“ nicht zu beschädigen. Es wird ein offener Brief auf der Webseite veröffentlicht. Mit einem Vorwort wo Dinge drin stehen wie: „Die Währung von YouTubern sind Klickraten – die Währung einer Volkspartei wie der CDU ist Vertrauen.“ Arrogant und peinlich. Jeder Christdemokrat hat eine Meinung. So richtig angesprochen fühlt sich dann doch keiner von ihnen.

 Fazit aus dem Rezo Video

In jedem Fall ist das Video und die Reaktionen der meisten Christdemokraten symptomatisch für den Zustand des Landes im Umgang mit der Digitalisierung. Jemand, der ungemütlich wird, wird als Populist dargestellt. Denn eines muss man Rezo lassen: Er bringt die großen Themen dieser Zeit auf den Tisch: Digitalisierung, Renten, Generationengerechtigkeit, Klima und globale Ungerechtigkeit. Viel wichtiger: Er stößt einen Diskurs an. Etwas Besseres kann der CDU in ihrer aktuellen Lage gar nicht passieren. Sie hat die

Mein Tipp an die CDU: Binden sie Menschen wie Rezo (und alle anderen Menschen auch) in ihre politische Arbeit ein. So werden sie auch bei der jungen Generation bei der nächsten Wahl positiver wahrgenommen und sind wählbar für junge Leute. Ändert die Formate der politischen Kommunikation: Erklärvideos, animierte Präsentationen, Diskurs und Interaktion auf Augenhöhe. ZUHÖREN statt REDEN! EMPFANGEN statt SENDEN. Neue Formate der Bürgerinteraktion. Ändert die Inhalte und entwickelt eine Vision.

Workshop zur Digitalisierung

Workshop zur Digitalisierung

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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