Zur Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie: Strategie oder operativer Ansatz?

Ich treffe jede Woche verschiedene Vertreter von Unternehmen: CEO´s, Marketingleiter und Social-Media Manager. In der Regel stelle ich zwei Ansätze vor: Einen Strategischen und einen Operativen. Ich würde mir wünschen, dass die meisten Unternehmen den strategischen Ansatz bereits implementiert haben. Dem ist leider nicht so. Oft ist zu erkennen, dass die operativen „Quick-Wins“ bei Kunden besser ankommen. Bedeutet: Der Kunde setzt lieber ein Tippspiel zur Fußball EM auf seiner Webseite ein, bevor er sich mit der Etablierung eines strategischen Ansatzes auseinander zu setzen! Ist das so falsch?

Worum geht es überhaupt bei „der Digitalisierung“?

Digitalisierung oder digitale Transformation ist ein komplexes Thema. Wo fängt Digitalisierung an und wo hört Sie auf? Was hat Social Media hiermit zu tun? Top-Down oder Bottom-Up? Meine persönliche Meinung ist, dass die Technologie Unternehmen bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, Geschäft zu treiben, eröffnet. Das kann ganz unterschiedlicher Art sein: grenzübergreifend, branchenübergreifend und zielgruppenübergreifend.

Top-Down oder Bottom-Up?

Ein zentraler Erfolgsfaktor für mich ist allerdings ein funktionierendes analoges Geschäftsmodell. Steht dieses, geht es vorrangig um drei wesentliche Faktoren: Strategie, Organisation und Prozesse! Alter Wein in neuen Schläuchen. Wie gehe ich nun vor? Muss ich erst eine Strategie erstellen und monatelang Beratung in Anspruch nehmen um mein Geschäftsmodell auch auf die digitale Welt zu übertragen? Jein! Ich sehe 3 zentrale Erfolgsfaktoren einer „Digitalisierungskultur“.

3 zentrale Erfolgsfaktoren einer Digitalisierungskultur!

  1. Meines Erachtens ist es wichtig, dass eine Digitalisierungsstrategie „von der Spitze“ getrieben wird. Das bedeutet, dass es ohne einen „Treiber“ aus der Geschäftsführung keine Umsetzung gibt (Beispiel ist der ehemalige CEO von Procter und Gamble, der sich seine Krawatte auszog und damit eine neue non-Krawattenära einleitete…).
  2. Lean-Startup auch für etablierte Player: Trial and Error. Testen Sie Ihr Produkt/Ihre Marke/Ihre Strategie auf dem Markt/am Kunden. Lernen Sie vom Feedback! Passen Sie entsprechend an. Bedeutet: Manchmal muss man nicht die Strategie für die nächsten 10 Jahre im Detail durchgeplant haben, manchmal macht ein Gewinnspiel auf der Facebookseite insofern Sinn, als dass es Stakeholder des Unternehmens für Kommendes sensibilisiert.
  3. Mittelfristige Strategieimplementierung: Neben möglichen operativen, punktuellen Maßnahmen ist die Etablierung und Umsetzung einer Gesamtstrategie der wesentlichste Erfolgsfaktor bei der Etablierung einer Digitalisierungskultur.

Alle drei Erfolgsfaktoren sind relevant. Fehlt einer, greifen die anderen nicht und die Etablierung einer Digitalisierungskultur wird zum Fiasko.

Warum manchmal Aktionismus vor Strategie kommen kann

Erkenntnis der eingangs gestellten Frage ist allerdings auch, dass es manchmal schon Sinn machen kann, operative Maßnahmen zu ergreifen um einen Digitalisierungsprozess anzustossen. Aus folgenden Gründen:

  • Sensibilisierung der Mitarbeiter für digitale Themen: Signalwirkung des Unternehmens Top-Down: „Ja, für uns ist das wichtig! Wir setzen Ressourcen auf das Thema! Jetzt und in Zukunft immer mehr. Jeder hier im Unternehmen muss sich gegenüber Neuerungen positiv aufstellen und Veränderungsprozesse mit tragen.“
  • Signalwirkung für Kunden: „Hallo! Wir, xy AG, sind auch im 21. Jahrhundert angekommen. Wir gehen auf eure veränderte Wünsche und Bedürfnisse ein! Wir wollen Dein Feedback, lieber Kunde! Wir wollen vielleicht auch deine Kritik! Dein Lob!“ Und ja, es kann durchaus einmal einen „Shitstorm“ geben. Und nein: Die Chancen überwiegen das Risiko!
  • Schulungswirkung für Mitarbeiter: Digitalisierung bewirkt beschleunigte Innovationszyklen. Neue Kommunikationsformen, neue Technologien und neue soziale Netzwerke entstehen im Sekundentakt. Generelle Bereitschaft sich auf diese Veränderungen einzulassen ist wichtiger als Fachwissen. Ohne trial-and-error geht jede Wettbewerbsfähigkeit verloren.

Am Ende steht demnach die Erkenntnis, dass Unternehmen nicht zwangsläufig eine komplett ausgearbeitete Strategie benötigen um eine digitale Kultur zu etablieren, sondern kurzfristig auch operativ- in dem Falle mit einem EM-Tippspiel oder einem Adventskalender zu Weihnachten starten können.

Weitere Leseempfehlung: See-Think-Do-Care Modell von Google

Von | 2018-05-31T18:06:26+02:00 28. Februar 2016|Alle Beiträge, Digitale Transformation|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

4 Kommentare

  1. […] Digitalisierung wird den Bildungssektor verändern. Nicht nur in den sogenannten „Dritte Welt-Ländern“, sondern […]

  2. […] Digitaler Wandel bedeutet hingegen den gesamten gesellschaftlichen Prozeß, der mit der Digitalisierung einhergeht. Die neuen Möglichkeiten werden genutzt. Organisationsstrukturen verändern sich, neue Formen von Organisationen entstehen. Das erfordert neben den ökonomischen v.a. soziologische Erklärungsmodelle. Der amerikanische Soziologe Rainie spricht von einem “Neuen Sozialen Betriebssystem“, das auf einem „vernetzten Individualismus“ beruht. (Zur Definition des Begriffes der Digitalisierungsstrategie) […]

  3. […] bin ich, weil er für das steht, was ich in Deutschland in Bezug auf die Digitalisierung an allen Ecken und Enden bei Unternehmen, bei Politikern und auch in der Gesellschaft erlebe: […]

  4. […] Klassischerweise wurden in der See-Phase Display-Marketing Maßnahmen zur Erhöhung der Markenbekanntheit eingesetzt bei den Personen, die bisher noch kein Kaufinteresse haben. Ebenso SEO und Social Media Maßnahmen. […]

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