Warum Selbstmarketing so wichtig ist

Wir leben schon längst im digitalen Zeitalter. Industrie war gestern. Heute ist Digitalisierung. Das ist sehr groß. Sehr breit. Ein weites Feld. Während Unternehmen erste Antworten auf die Digitalisierung finden, irrt die Politik weitestgehend im Dunkeln. Aber nicht nur die Politiker haben es noch nicht verstanden, die Möglichkeiten der Digitalisierung auch für uns selbst zu nutzen: Im Privaten.

Von der Konsumtion zur Produktion

Ein Kennzeichen von Menschen, die sich selbst vermarkten, ist dass Sie zur Produktion gezwungen sind. Eines meiner Lieblingsthemen ist, dass die Quote zwischen Konsum und Produktion entscheidend für unser Lebensglück und unseren Erfolg ist.

JA! Konsum macht Spaß. Netflix. Ein spannender Roman. Kino. Alles gut. Muss auch mal sein.

Produktion hingegen ist anstrengend. Wir müssen nachdenken. Wir müssen uns aus der Konfortzone bewegen. Raus da. Nicht ganz einfach.

Wenn wir uns selbst vermarkten (und das ist einer der Hauptgründe, warum ich das mache), müssen wir nachdenken. Uns mit uns selbst beschäftigen. Bierchen weg. Fernseher aus. Arbeiten. An uns selbst. Weiter entwickeln. Uns selbst finden. (Siehe auch: Zu wissen, dass man nichts weiss)

Unsere Arbeitswelt ändert sich massiv

In der digital vernetzten Wirtschaft werden die Wertschöpfungsprozesse in immer kleinere Arbeitsschritte unterteilt und im Anschluss flexibler ausgelagert. Dies reicht von wissenschaftlichen Tätigkeiten, die an einen Verbund spezialisierter Forscher vergeben werden, über Grafiken an freiberufliche Designer bis hin zu einfachen Routine-Tätigkeiten an „Click-Worker“.

Dies gilt aber auch für Dienstleistungen am Menschen, wie Wellness, Pflege und Kinderbetreuung. Es werden also immer mehr Menschen – aus allen Hierarchiestufen und Berufsfeldern – an immer häufiger wechselnden Projektaufträgen arbeiten, um die sie sich immer wieder neu bewerben müssen. Die Folgen hieraus sind beachtlich. Neben der Selbstorganisation wird die Selbstvermarktung immer relevanter. Wer sich nicht vermarkten kann, verliert im globalen Wettbewerb.

Die Spaltung ist schon jetzt erkennbar: Menschen mit digitalen und  Menschen ohne digitale Fähigkeiten. Selbstvermarktung ist eine digitale Kompetenz. Das gilt nicht nur für die Profile auf Uber, AirBNB sondern auch unser Xing, LinkedIn und Facebookprofil- egal ob wir Arbeitgeber oder Arbeitnehmer sind.

Selbstvermarktung ist gleichermassen relevant für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nicht nur der Arbeitnehmer muss sich adäquat im Web präsentieren, sondern auch und vor allem der Arbeitgeber.

Deutsche Unternehmer haben hier einen massiven Nachholbedarf. Auch die Manager. Auf einem Arbeitnehmermarkt müssen sie sich attraktiv positionieren und verdeutlichen, warum Sie attraktiv sind.

Schauen Sie sich die Aktivitäten von Richard Branson, von Elon Musk an. Schauen Sie sich den Twitter Account von Donald Trump an. Diese Menschen verlassen sich nicht darauf, dass die Medien über Sie berichten. Sie schreiben selbst die Agenda. Sie sind im driver seat. Sie setzen Themen. Aktivität statt Passivität.

Wir bestimmen, was jemand über uns denkt und findet

Das heisst nicht, dass wir alles von uns preisgeben. Selbstvermarktung heisst, dass wir ein authentisches Bild von uns schaffen (Siehe hierzu auch: Authentizität im Social-Web). Wir platzieren Botschaften, von denen wir möchten, dass andere sie mitbekommen sollen. Die Grenzen zwischen beruflich und privat sind verschwimmend. Sie werden es auch zunehmend sein.

Denken wir einmal anders: Um uns nicht der „Willkürlichkeit“ bzw. dem Algorythmus von Google, Facebook etc. auszuliefern, gehört es eigentlich zu unserem Risikomanagement unser Profil so zu platzieren, dass wir bei entsprechenden Suchen auch gefunden werden.

Schauen Sie einmal nach, was Sie finden, wenn Sie ihren eigenen Namen googeln. Folgende Möglichkeiten gibt es:

  • Sie sind positiv überrascht. Dann sollten Sie schauen, wie Sie den Status quo halten
    • Ran an die Arbeit
  • Sie finden Berichte über sich/ihr Unternehmen/ihre Familie, die ein negatives Licht auf Sie werden
    • Ran an die Arbeit
  • Sie finden gar nichts über sich: Ist das gut, oder schlecht? Wenn Sie jemand im Web sucht und nichts findet, ist das m.E. höchst unseriös
    • Ran an die Arbeit

So oder so: Es liegt an uns eine Social-Media Strategie für uns selber zu entwickeln, wenn wir das noch nicht getan haben. Je eher desto besser. Fangen wir an, bevor wir unsere Marke jemandem anders überlassen.

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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