Gestern bekomme ich einen Anruf. Simon B. ruft mich an und fragt mich, ob ich auf eine After-Work Party komme. Ich sage „ja, warum nicht“. Donnerstag habe ich nichts vor. Er ist verwundert- ich sei doch soviel unterwegs und immer nur in tollen Gesprächen und Vorträgen usw.. Er ist auf Facebook und sieht das von mir, was ich zeigen will. Ein ähnliches Gespräch habe ich schon öfters gehabt. Jemand sagte mir sogar mal, dass er auch Unternehmer werden will, weil das alles so erfolgreich aussieht: Nur Hochglanz. (Lach! Lach!)

Alles auf Hochglanz gepimpt

Soziale Netzwerke spiegeln nicht die Lebenswirklichkeit wieder. Sie sind sowas von künstlich. Teilweise folgen wir Menschen, um deren Persönlichkeit zu antizipieren. Was im Newsfeed steht, ist gesetzt. Beeinflusst uns. Manipuliert uns. Nicht nur die Werbung. Gegenüber den eigenen „Freunden“ sind Amazon und Google harmlos. Wir leben in einer Blase. Umgeben uns mit Leuten, die angenehm sind. Wir entfreunden AFD-Leute, wir folgen Idolen und Stars. Wir sind das Produkt unseres Umfeldes. Immer homogener. Immer langweiliger. Auseinandersetzungen fast nur über Lappalien. Zum Beispiel über Politik. Bürgerversicherung ja oder doch lieber lindnern. Fußball. Neues iPhoneX angekommen (das posten gestandene Männer tatsächlich!!), Marketing oder Strategie! Ist das wirklich Alles?

Wir zeigen immer nur unser bestes Gesicht. Hochglanz. Selfie. Strähnen aus dem Gesicht. Bilder aus dem Urlaub. Strand-Bullshit. Vor Glück in die Luft springen. Wie sehen wir aus, wenn wir vom Gipfel kommen? Wie klettern wir hoch? Wo sind Misserfolge? Aber will ich die sehen? Will ich mich runterziehen lassen?

Meine Social-Media Strategie ist ungerecht

Ich nutze Social Media geschäftlich. Ich gebe eigentlich nichts wirklich Persönliches preis. Keine Bilder aus dem Stadion. Information, Bilder, kurze Videos, Statements. Manchmal ermahne ich mich „authentischer zu sein“. Aber Social-Media ist für mich keine Emotion. Ist das falsch? Bisher erzeuge ich ein Bild von mir, dass ich erzeugen möchte. Möchte ich das wirklich? Fest steht, dass ich, nicht zuletzt, weil ich mich seit 7 Jahren intensiv mit sozialen Netzwerken befasse, weiss was ich tue. Ich weiss, dass die sozialen Netzwerke nicht die Lebenswirklichkeit abbilden sondern ein (zumeist) gewünschtes Bild projizieren. Aber wer weiss das noch? Ein Großteil glaubt doch, dass das was Sie dort sehen, real ist. Da passiert doch etwas mit den Menschen. Alle weg – am Strand – nur ich nicht! Wie gehen wir damit um? Führt das zu Vereinsamung, zu Depression? Zu Frust? Wir werden zu einer Gesellschaft, die zunehmend zweigeteilt ist: Die Digital-Gebildeten und die Digital-Ungebildeten.

Personal Content Creator

Eine Studie von Microsoft sagt voraus, dass von den jetzigen Schulanfängern 65 % in Berufen arbeiten werden, die es jetzt noch gar nicht gibt. Eines von 5 Beispielen ist der Personal Content Creator. Das ist jemand, der kreiert persönlichen Inhalt für andere! Sagt das nicht viel über uns aus? Sind wir Jochen oder Olaf oder sind wir Hubertus? Wenn nicht wir wissen, wer wir sind, wer soll es denn dann wissen!

Wir müssen uns wirklich überlegen, worüber wir sprechen. Wie wir online kommunizieren! Richtig authentisch kommunizieren. Was wir posten! Vielleicht schreibe ich weniger über Erfolge sondern mehr über Herausforderungen. Über den Weg zum Ziel! Mehr Geschichten! Vielleicht ist das mein Vorsatz ab Dezember 2017. Vielleicht jeden Tag eine Challenge. Das ist besser als Misserfolge! Oder? Oder doch lieber Bilder aus Malle mit gestylter Frisur oder am Flieger (#jetset #workhardplayhard)? Oder ich lasse es ganz.

 

 

 

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