Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Zentrale Herausforderungen für Unternehmer und Unternehmen in Bezug auf Covid-19 / Coronavirus

Zentrale Herausforderungen für Unternehmer und Unternehmen in Bezug auf Covid-19 / Coronavirus

Ich bin sicher, dass unsere Welt, unsere Gesellschaft und auch die Unternehmen in den nächsten Wochen vor den größten Herausforderungen stehen, die es in der Nachkriegszeit gegeben hat. Nicht nur Reise- und Tourismusbranche sind betroffen, auch Einzelhändler, Fitnessstudios, Restaurants – einfach jedes Unternehmen wird betroffen sein. Wir müssen uns gerade als Unternehmer auf die wahrscheinlich größte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit aufgrund Covid-19 / Coronavirus einstellen. 

Das aller Wichtigste: Es gilt umsichtig und nicht panisch zu handeln. Langfristige Denke vor kurzfristiger Zielerreichung

Das Zweitwichtigste: Beschäftigen Sie sich nicht (nur) mit Sachen, die “liegen geblieben” sind.

Hintergrund ist, dass wir diesen Dingen häufig (vollkommen zurecht) nicht die größte Priorität gegeben haben. Nun stelle ich in vielen Gespräch fest, dass man sich auf diese Dinge konzentriert. Ich warne davon, genau so wie vor blindem Aktionismus. Allerdings ist das Aufarbeiten der liegen gebliebenen Sachen eher Gewissenberuhigung “etwas zu machen” als wirklich nach vorne gerichtetes Denken.

Stattdessen: 

Was sollten Unternehmen/Selbstständige in so einer Situation machen. Aus meiner Sicht 3 Dinge: 

1. Status Quo Analyse

Ich lege auf die Status Quo-Analyse hier nicht so viel Wert, wie auf die Schritte 2+3, was nicht bedeutet, dass ich sie nicht wichtig finde. 

Priorisierte Herausforderung ist es nun, die Kostenseite zu betrachten. Cash ist King. Dazu sollten zunächst folgende Fragen beantwortet werden: 

  • Wie lange kann mein Unternehmen mit 0 Einnahmen überleben?
  • Welche Kosten kann ich im Moment verringern (unnötige Abonnements, Serverplatz)?
  • Habe ich eine Möglichkeit, um Kredite in Anspruch zu nehmen? Im Moment bietet der Bund hohe Haftungsfreistellungen an. 
  • Welche Regelungen kann ich mit meinen Mitarbeitern und Kunden treffen? (z.B. Kurzarbeit)

Neben der Kostenseite gilt es auch die Umsatzperspektive einzunehmen. 

  • Bei welchen Produkten und Services ist mit Einbußen zu rechnen?
  • Habe ich die Möglichkeit, Produkte so umzustellen, dass Sie auch in anderer Form, womöglich digital, zu Umsatz führen? Welche Ressourcen benötige ich dafür?
  • Kann ich zukünftige Umsätze schon jetzt realisieren? Vorauszahlungen etc.

Neben den konkreten Zahlen gilt es zudem eine organisatorische, prozessuale Analyse durchzuführen

  • Liste der Mitarbeiter mit Kontaktdaten
  • Gibt es einen Plan für Homeoffice-Arbeiten, Schichtbetrieb, Kinderbetreeung?
  • Gibt es Hardware und Material wie Laptops und Handys etc. ?

2. Kommunikation aufrecht erhalten

In der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes gibt es aus meiner Sicht 2 zentrale Herausforderungen, die alle Unternehmen haben:

  • Kommunikation mit dem Kunden

Lassen sie uns zunächst die Kommunikation mit dem Kunden betrachten. Hier ein paar Ratschläge, die sich bewährt haben zur digitalen Interaktion:

  1. Agieren Sie – und reagieren nicht. Proaktive Kommunikation, transparente Gespräche um zu zeigen ”wir sind da” und “wir sind aktiv” und nicht passiv. 
  2. Nutzen Sie interaktive Tools wie Fotowettbewerbe zur Leadgenerierung und zur Interaktionssteigerung
  3. Überlegen Sie sich die Customer Journey des Kunden ganz genau und entscheiden, was sich für Sie, Ihr Unternehmen und Ihren Kunden jetzt geändert hat. 
  4. Seien Sie erreichbar über den Kanal, den der Kunde sich wünscht, egal ob WhatsApp, Facebook, E-Mail oder Telefon
  • Arbeiten mit dem Team

Die Teamkommunikation wird sich in Zeiten des Home-Offices und mangelnder physischer sozialer Nähe und Präsenz immer stärker verändern. Hier ein paar Grundlagen und Ideen

  1. Nutzen Sie digitale Tools und prüfen deren Einsatz
  2. Kommunizieren Sie viel und häufig: Mindestens morgens und nachmittags
  3. Kommunizieren Sie in verschiedenen Teamgrößen
  4. Kommunizieren Sie auch informell, wie zum Beispiel beim Mittagessen (der Gang zur Kaffeemaschine muss ersetzt werden)
  5. Nutzen Sie interaktive Tools um die Mitarbeiter einzubinden, wie z.B. Fotowettbewerbe- hier ein Beispiel

3. Neue Geschäftsmodelle eruieren und Veränderungsbereitschaft zeigen

Aus meiner Sicht der wichtigste Punkt: Wir alle müssen uns ändern. Als Menschen, aber auch als Unternehmen ist Veränderungsbereitschaft gefragt. Ein paar Leitfragen für sie als Gedankenanstösse:

  • Wie kann ich meine Dienstleistung/Produkt auch digital anbieten?
  • Welche Kompetenzen von mir und meinen Ressourcen und meinen Mitarbeitern kann ich monetarisieren?
  • Welche Kompetenzen haben wir überhaupt?
  • Wo liegt im Moment ein konkreter Bedarf? Wo gibt es einen Schmerz?
  • Welche Unternehmen haben jetzt genug zu tun und können meine/unsere Kompetenzen benötigen
  • Disruption, Baby: DIe Zeit für radikale Veränderung/en war nie so gut wie jetzt. Der Schmerz ist gut. Je fokussierter wir nun an NEUEN Themen arbeiten, desto besser werden die Ergebnisse.

Digitalisierungsstudie 2020

Ich wünsche viel Erfolg beim Lesen des Beitrags „Zentrale Herausforderungen für Unternehmer in Bezug Covid-19 / Coronavirus“ und vor allem bei der Umsetzung und freue mich über neue Ideen und Erfahrungsaustausch.

Von |2020-05-10T15:59:08+02:0023. März 2020|Alle Beiträge, Unternehmertum|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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