Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Greta hält uns den Spiegel vor

Es ist Ende September. Greta Thunberg hat eine vielbeachtete und diskutierte Rede vor der UN gehalten. Sie avanciert grade zum absoluten Popstar. Und zur Hassfigur. Ihr Thema: Klima. Und an sich viel mehr: Es geht um Veränderung. Es geht auch um eine Diskussionskultur. Um Verrohung. Um Respekt.

Der Wille zur Veränderung fehlt

Die Themen unserer Zeit: Klima, Bildung und Digitalisierung. In Deutschland drehen wir uns im Kreis, in Europa erst recht. Die Fortschritte sind marginal. Von Disruption fehlt jede Spur und die Besitzstandswahrer sind am Werk. Keine neuen Ideen, sondern  immer weiter so.

Und wir, die Konsumenten auf dem Sofa so: „Die da oben, da tut sich gar nichts“. Richtig, der Wille zur Disruption fehlt in der Politik. Unvermögen mit fehlendem Schmerz und mangelnder Leidenschaft. Doch wir selber, die auf dem Sofa sitzen, was machen wir? Genau so wenig. Wir sind genau so bequem wie die da oben!

Im Falle des Themas ‚Klima‘ zeigen sich die Angsthasen ganz deutlich. Sie kriechen quasi aus ihren Löchern und halten ein Plädoyer auf alte Zeiten, in denen noch alles besser war. Genau so, wie ich es bei meinen Projekten häufig kennen lerne: „Digitalisierung!? – Wichtig, hat aber noch Zeit. Bei uns steht der Kunde und das Persönliche im Mittelpunkt (siehe auch hier). Wir haben andere Dinge zu tun. Aber trotzdem nett, dass sie uns diese tollen Slides gezeigt haben.“

Die Gesellschaft ist geteilt

Differenzierung findet man an den wenigsten Stellen jedenfalls. Du bist nicht dafür, dann bist du dagegen. Es gibt nur 0 oder 1. Alles wird mit einem „Aber“ versetzt.

  • Auf der einen Seite: Der Versuch mit Verboten und Verhinderung das Allerschlimmste zu verhindert, gepaart mit einem enormen Machtzuwachs des Staates (überspitzt: SUV´s aus den Städten, kein Plastik).
  • Auf der anderen Seite: Die Diskreditierung, meist auf persönlicher Ebene, meist gepaart mit Verweis auf Freiheitsrechte (überspitzt: meine Kippe, mein Bier, mein PS-Monster, Tempolimit: Nein Danke!).

Wer kennt schon jemanden, der für eine Geschwindigkeitsbegrenzung ist und gleichzeitig das Engagement von Greta Thunberg verurteilt? Das widerspricht dem durch sozialen Medien befeuerten Verstärkungseffekt. Nicht unbedeutende Teile der Gesellschaft verfallen in Extreme.

Wo ist die Haltung in der Debatte? Wo bleiben Werte (btw: Widerlich, dass sich erwachsene Menschen herausnehmen, ein 16-jähriges Mädchen durch unvorteilhafte Darstellung von Bildern zu diskreditieren und zu verhöhnen. Ekelhaft, wie viele Menschen, ihr körperliches Unwohlsein ausdrücken, wenn sie das Mädchen sehen)? Personen von Problemen trennen – das können die wenigsten. Können wir nur noch entweder oder?

Keynotes zur Digitalisierung

Keynotes zur Digitalisierung

Eines, das fehlt mir in allen Debatten:

Wo ist die Innovation?

Die großen Themen werden allesamt beherrscht von einer Verweigerung des Innovativen, des Neuen. Keine Disruption. Das, was wir auf dem Sofa sitzend der Politik vorwerfen geschieht. Es passiert nichts.

Und jetzt kommt, unabhängig von den detaillierten Inhalten, jemand daher und provoziert, macht seinen Einfluss geltend. Bietet denen da oben die Stirn, sagt ihnen die Meinung, um im besten Falle etwas zu ändern.

Folgendes passiert:

  • Unwohlsein („Manchmal ist sie ja ganz interessant, aber sie ist mir auch unheimlich.“)
  • Verdrängung („Klimawandel ja, menschengemacht…ich weiß nicht…“),
  • Verantwortungslosigkeit („WIR machen nur 0,0002 % der …. blabla aus.“),
  • Neid („Die hat noch nichts geleistet!“)
  • Verschwörung („Die ist doch ein Konstrukt aus Konzernen der xy-Lobby.“) und
  • Angriff („Von der lass ich mir gar nichts sagen, die soll mal erst in die Schule gehen.“)

(Um nur ein paar Beispiele zu nennen.)

Anstatt zu sagen: Wahnsinn! Da schafft es ein junger Mensch eine ganze Welt wachzurütteln. Ein wichtiges Thema anzustoßen une „denen da oben“ die Meinung zu geigen. Nein, es passiert nichts, man sitzt weiter auf dem Sofa.

Die Rolle von Greta Thunberg

Greta Thunberg ist eine Lobbyistin, ohne Frage. Lobby für uneer Weltklima. Ich kann mit Lobbyisten sind Aktivisten leben. Jeder, der Lobbyarbeit betreibt weiß, dass er nur mit einer gezielten Provokation arbeiten kann. So arbeiten auch Verbände. Mit Provokation, denn sie sind keine Wissenschaftler. Nicht jede Forderung muss bis zum Ende durchdekliniert sein. Ein Aktivist muss Impulse setzen und vor allem: wachrütteln. Die Umsetzung ist nachher Aufgabe der Politiker (der Volksvertreter!), die diese Impulse benötigen.

Unabhängig von den inhaltlichen Details. Unabhängig davon, dass womöglich ein Segeltörn mehr der Symbolik dient als dem tatsächlichen Umweltschutz.

Nein! Viele weigern sich. Wie bei der Digitalisierung. – Veränderung!? Nein Danke. Lieber immer weiter so!

Ist in unserer westlichen Hemisphäre der Schmerz für Veränderung nicht groß genug, so haben wir nun die überragende Möglichkeit, etwas der Leidenschaft eines jungen Mädchens zu übernehmen und in eine inhaltliche Diskussion einzusteigen, was wir bereit sind zu liefern um in 50 Jahren noch gut und gerne in unserer kleinen Wohlfühlblase zu leben. Ich fühle mich positiv motiviert durch Greta Thunberg. Motiviert, mich mit meinem eigenen Konsum auseinanderzusetzen, aber auch motiviert um mich mehr mit dem Thema Klima/-schutz zu beschäftigen.

Das Buch zur Digitalisierung

Das Buch zur Digitalisierung

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

6 Comments

  1. Sabine Kaspari 26. September 2019 um 8:46 Uhr - Antworten

    Ich stimme mit Ihnen absolut überein – auch mich inspiriert Greta sehr, über mein eigenes Konsumverhalten nachzudenken und es zu verändern. So kaufe ich z.B. Kleidung nur mehr im Rot-Kreuz-Laden, also second hand, gehe häufiger in unserem Bio-Laden einkaufen, weil ich dort mehr unverpackte Bio-Produkte bekomme, schalte meine Steckerleiste aus, wenn ich vom Arbeitsplatz weggehe und vieles mehr.
    Was konkret tun Sie, Herr Dr. Porschen, für die Umwelt? Was konkret haben Sie in Ihrem Leben zugunsten der Umwelt veränder?
    Das fehlt mit häufig in den Diskussionen – sie sind sehr theoretisch und selten mit praktischen Vorschlägen gehalten.
    Mit herzlichem Gruß
    Sabine Kaspari

    • Dr. Hubertus Porschen 26. September 2019 um 9:33 Uhr - Antworten

      Hallo Frau Kaspari, das ist eine sehr gute Frage. Ich greife das Thema gerne stärker auf. Hier meine Antwort: wenn möglich und erschwinglich den Zug nehmen, Second Hand kaufen,Verzicht auf Plastik-Flasche, weniger Fleisch, bewussteres Einkaufen, mit anderen Menschen diskutieren, Blogartikel schreiben. Das Wichtigste: Ich fange an nachzudenken und Dinge in Frage zu stellen.

  2. Herr Wilde 26. September 2019 um 10:02 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Dr. Porschen,

    es freut mich, dass das Thema Umwelt und der gleichgültiger Umgang einzelner Individuen durch Greta so sehr in die Öffentlichkeit getragen wird. Sie hat damit eine richtige und wichtige Bewegung angestoßen.

    Da das Ganze Thema jedoch sehr komplex ist, kann nur jeder einzelne versuchen seinen größtmöglichen Beitrag dazu zu leisten.

    Ich persönlich such seit langem einen Arbeitsplatz in meiner Heimat bzw. versuche bei meinem jetzigen Arbeitgeber auf Homeoffice umzustellen.

    Damit könnte ich zu Gunsten der Umwelt mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

    Hier zu nennen wären die doppelte Haushaltsführung, Zweitwagenerfordernis, usw., welche dann wegfallen könnten und zugleich finanziellen Freiraum für ein umweltfreundlicheres Konsumverhalten schaffen würden.

    Im Gegenzug vermeide ich möglichst Flüge/ Fahrten in den Urlaub, nutze am Wochenende meine altes Fahrrad oder meine gottgegebenen Beine, ernähre mich aus dem eigenen Garten ohne Plastik, künstliche Spritzmittel und Dünger, halte Hühner in Freilandhaltung, betreibe eine Solaranlage und tue noch vieles mehr für die Umwelt.

    Viele Grüße

  3. Klaus Schinagl 29. September 2019 um 12:34 Uhr - Antworten

    Hallo Herr Porschen,
    bin eigentlich durch Zufall über Sie gestolpert. Ich, kurz vor der Rente stehend, lerne über DuoLingo (kostenlos bzw. mit Werbung und da kam Ihre Werbung! Zu Glück!). Und deshalb habe ich einen Teil Ihres Vortrags in Köln angeschaut, und es hat mich wieder mal „gerissen“. Ähnlich wie Herr Keese inspirieren Sie, machen neugierig und traurig.
    Traurig, weil wir eine 16 jährige Schülerin brauchen, die uns wachrüttelt – stimmt ja nicht ganz, die die Jungen Menschen wachrüttelt. Wir alte brauchen dies ja nicht mehr. Und eigentlich sollte die Greta doch besser den Mund halten und erst mal was lernen. Und von wegen Segelboot und Umwelt, da passt doch kein Klimaschutz mehr rein und und …
    Ich habe das Gefühl, dass ihr jeder auch noch so kleinste „Ausrutscher“, auch wenn er keiner ist, vorgeworfen wird, nur um sein eigenes Fehlverhalten zur rechtfertigen.
    Ich schäme mich für meine Generation, die nichts tut und der Jungen oder ihren Enkelkindern einen unbewohnbaren Planeten hinterlassen wird.

    In diesem Sinn traurige, aber auch hoffnungsvolle Grüße

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