Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Was Deutschland von Weissrussland lernen kann

Im September 2019 darf ich 2 Tage mit einer kleinen Wirtsschaftsdelegation bestehend aus Unternehmern und Politikern Minsk besuchen und dort verschiedene Repräsentanten Weissrusslands treffen. Ich bin sehr überrascht von dem kleinen Land. Ich möchte daher nicht auf die politische Situation eingehen (C. Rice prägte den Begriff der „letzten Diktatur Europas!“) sondern lieber auf spannende Aspekte hinweisen, von denen Deutschland lernen kann.

Delegation Weissrussland Minsk

Delegation Weissrussland Minsk

  1. Sauberkeit und Ordnung: Hohe Strafen, eine Null-Toleranz Politik sowie ausreichend Ordnungskräfte, allerdings auch die Achtsamkeit der Menschen tragen dazu bei, dass Minsk und auch der Rest des Landes extrem sauber und gepflegt sind. Der Boden gleicht dem in Singapur. Wir alle waren extrem beeindruckt. Verglichen mit einer deutschen Stadt wie Köln, muss man sich als Bewohner Kölns schämen, wenn man Gäste empfängt. Ich denke, wenn eine Stadt nicht einmal in der Lage ist Ihre Strassen sauber zu halten, wie soll sie es dann schaffen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein? Man spürt förmlich, dass die Sauberkeit eine Signalwirkung hat.
  2. Infrastruktur: In einer Diskussionsrunde mit dem Aussenministerium lobte eine weissrussische Abgeordnete die Strassen, für die Deutschland bekannt sei. Das führte zu heiterem Gelächter auf deutscher Seite. Waren wir doch alle verblüfft, wie gut die Infrastruktur in Weissrussland ist. Strassen sind nicht nur gepflegt, sondern auch intakt. Ich habe in 3 Tagen keine einzige Baustelle gesehen. Natürlich zeigt sich das auch in der digitalen Infrastruktur. Am Flughafen kann man sich für 10 € eine SIM Karte kaufen, die für ca. 10 Tage unbegrenztes und richtig schnelles Datenvolumen bietet. In 4G Geschwindigkeit lässt sich beliebig viel downloaden. Videotelefonie ist überhaupt kein Problem. Das sonst auch immer verfügbare W-LAN wird eigentlich gar nicht benötigt.
  3. Fokussierung auf neue Technologien: Ähnlich wie die Ukraine hat Weissrussland die Bedeutung der IT-Wirtschaft verstanden. Während das Durchschnittsgehalt sonst 500 € beträgt, ist es in der IT-Wirtschaft deutlich höher (je nach Aussagen zwischen 2000 und 4000 €). Dabei präsentiert sich Minsk bei weitem nicht nur als Dienstleister, sondern die Bandbreite der Produkte ist erstaunlich. Verschiedene Hubs, Inkubatoren und High-Tec Parks beinhalten viele Success-Stories. Interessanterweise fast ohne inländisches Venture Capitel und extrem hohe Zinsen auf Fremdkapital.
  4. Sonderwirtschaftszonen: Innerhalb des Landes gibt es verschiedene Sonderwirtschaftszonen, in denen innovative Technologien gefördert werden. Auch wenn ich persönlich kein Freund von Ausnahmen bin, so hat sich mir schon der Erfolg dieser Zonen erschlossen. Einfache Gründungsoptionen, extrem geringe bis fast gar keine Besteuerung weniger Bürokratismus scheinen gut nachvollziehbare Gründe zu sein, warum die Menschen hier eine innovative Unternehmensgründung in Betracht gezogen haben. Inzwischen so wurde uns versichert, besteht das größte Problem darin, weitere Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen.
Weissrussland Minsk

Weissrussland Minsk

Das sind nur einige Eindrücke, die ich mitgenommen habe. Hierneben merkt man auch, dass die Stadt bemüht ist, jungen Menschen ein attraktives Umfeld zu bieten. Sicherlich ist es in Minsk einfacher Reformen durchzuführen. Komplizierte politische Anpassungsprozesse und Genehmigungen sind nicht notwendig.

Allerdings warne ich davor, den Reformstau in Deutschland auf die bestehenden Verhältnisse zu schieben. Das käme einer politischen und wirtschaftlichen Bankrotterklärung gleich.

Das Buch zur Digitalisierung

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Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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