Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Konstruktives Scheitern – Schluss mit Perfektion

„Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“

Henry Ford

Meine Banken-Story

Mit unserem Unternehmen App-Arena verkaufen wir Web-Applikationen an Firmen, die damit Aufmerksamkeit, Interesse und Leads, also Kontaktdaten bekommen möchten. De facto verkaufen wir Technologie an Unternehmen, die mit deren Hilfe Daten generieren. Die Branche, mit der wir am intensivsten zusammenarbeiten, ist die Bankenbranche, regionale Sparkassen und Volksbanken.

Ende des Jahres 2017 saß ich in einem Workshop mit einer Bank. Teilnehmer waren der Vorstand, die Bereichsleiter sowie ein Digitalisierungsbeauftragter und eine junge Auszubildende. Nach meinem Impulsvortrag zu Beginn, fragte der Vorstand: „Was ist, wenn es Facebook in ein paar Jahren nicht mehr gibt? Das ist doch möglich, wenn wir in so einer schnelllebigen Welt leben wie Sie sagen.“
Diese oder ähnliche Fragen kommen immer wieder nach meinen Vorträgen. Sie zeigen das ganze Maß an Unwissenheit und Unverständnis:

  • Facebook ist inzwischen eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Es wird nicht von heute auf morgen verschwinden. In einer disruptiven Welt müssen Unternehmen nicht jedem Trend hinterherrennen, aber Facebook als Trend zu verstehen, zeigt absolute Unkenntnis der Lage.
  • Selbst wenn Facebook mittelfristig vom Markt verschwinden würde, ändert das nichts daran, dass es im Moment das Netzwerk ist, in dem sich die Nutzer aufhalten – übrigens genau die Zielgruppe der besagten Banken. Das bedeutet: Selbst wenn es Facebook in fünf Jahren nicht mehr geben sollte, muss ich heute dort präsent sein.
  • Facebook steht nur für einen Kanal, auf dem sich die entsprechende Zielgruppe aufhält, die man erreichen möchte. Der Vorstand zielte mit seiner Aussage darauf ab, erst einmal abzuwarten und zu sehen „wie sich der Hype entwickelt“. Ich höre dann oft: „Wir waren noch nie first mover.“

Diese kleine Geschichte zeigt zum einen, dass viele die Digitalisierung nicht verstanden haben und zum anderen, dass wir in einer Gesellschaft der Risiko-Vermeider leben. Der angestellte Vorstand denkt darüber hinaus nicht wie ein Unternehmer, der gezwungen ist zu innovieren, sondern eben wie ein Manager. Ich bin der Überzeugung, dass wir immer mehr zu Imitatoren werden, wenn wir nicht endlich lernen, Fehler zu machen und zu scheitern – ein Grundsatz der Digitalisierung: fail fast, fail often. Dieses Prinzip macht uns nicht nur schneller, sondern bewahrt uns auch davor, mit hohem Ressourcenaufwand Produkte zu perfektionieren, die am Ende keiner haben möchte.

Lernen, Fehler zuzulassen

Letztlich geht es um eine Ergänzung der in Deutschland historisch gewachsenen Null-Fehler-Kultur. „Fail fast, fail often“ widerspricht unserem Drang nach Perfektion. Trotzdem müssen wir lernen zu scheitern, Fehler zuzulassen – bei anderen, aber auch bei uns selbst. Nur so gewinnen wir an Geschwindigkeit und können einen höheren Kundennutzen und damit eine bessere Wettbewerbsposition erzielen. Ein Unternehmen gründen und führen, muss man lernen. Meistens klappt es nicht beim ersten Mal. Paypal-Gründer Max Levchin brauchte fünf Anläufe, Uber-Gründer Travis Kalanick scheiterte mit zwei Plattformen, bevor er mit Uber Erfolg hatte. Selbst Henry Ford setzte zwei Unternehmen in den Sand, bevor er durch die Fließbandproduktion
das Auto für jeden erschwinglich machte. Vielleicht verliert das Scheitern seinen Schrecken, wenn wir uns an die Empfehlung „fail fast, succeed faster“ halten. Auch ich bin schon mit  Unternehmen gescheitert, aber ich habe jedes Mal ungeheuer viel dazu gelernt. Und dazu lernen müssen und können wir immer. Ich selbst bin mir durchaus bewusst, dass ich noch viel zu wenig weiß: über Digitalisierung, über Unternehmertum, über Gesundheit – bei anderen Themen weiß ich noch nicht einmal, dass ich nichts weiß.

„Erfolg basiert auf der Fähigkeit, Misserfolge zu überwinden.“
George Kohlrieser, Organisationspsychologe und Autor

Aus Fehlern lernen

Es sind die Erfahrungen aus denen wir lernen. Die Schmerzlichen und die Leidenschaftlichen. Wenn wir es schaffen, diese zu reflektieren, so können wir Dinge verändern. Natürlich ist es schöner, möglichst wenig Fehler zu machen. Meist geht aber auch eine gewisse Passivität damit einher. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die konsequent in Ihren Entscheidungen sind, auch wenn diese falsch sind, trotzdem erfolgreicher sind, als Menschen die zu lange brauchen um zu entscheiden. Wenn man gleichzeitig die gemachten Erfahrungen reflektiert ist das konstruktives Scheitern.

Ein Beispiel zum Schluss: Laut einer Studie der Uni Hohenheim sind 42 Prozent der Deutschen der Meinung, dass man kein Unternehmen gründen sollte, wenn das Risiko des Scheiterns besteht. Eine beängstigende Zahl. So können keine radikalen Innovationen entstehen.

Auch spannend: Digitalisierung ist kein Projekt

 

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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