Stellt euch einen Affen an der Leine vor. Angekettet an einem Baum neben einem Restaurant, auf Koh Kood, einer ziemlich ursprünglichen Insel, ca. 6 Stunden von Bangkok entfernt. Der Bewegungsradius dieses Tier ist ca. 15 Meter. Das reicht um auf dem Baum etwas auf und ab zu klettern und ggf. auch mal auf der Erde herumzutollen. Eigentlich traurig. Ich bin nun seit 4 Tagen auf dieser Insel und habe jeden Tag etwas gelernt, was mich zum Erstaunen gebracht hat.

The sound of da police

Am ersten Tag habe ich bei „Ausparken“ mit dem Roller das einzige Motorrad touchiert, dass natürlich direkt hingefallen ist. Tank zerbeult, viele Kratzer. Im Restaurant eine Menge einheimische Thais. Der Besitzer der Bar kommt und eröffnet mir, dass der Besitzer einer von 5 Polizisten auf der Insel (in drei Tagen ist in Thailand das Neujahrsfest- daher gibt es verstärkte Kontrollen auf der Insel #Helmpflicht- natürlich nur für Fahrer 😊 und kleine Verwarngelder zur Aufbesserung der Partykasse, so munkelt man zumindest) ist und den Samstag bereits nachmittags an der Bar eröffnet hat.

Extrem gute Voraussetzungen für einen Inselaufenthalt.

Wenige Sekunden später kommt der offensichtlich angeschlagene Polizist herausgestürmt: „No, No, No“. Das sind die Worte, die ich jetzt hören möchte. Was denkt der deutsche Tourist als Erstes? Richtig! Der zieht mir jetzt mal richtig die Hosen aus. Eine schlechtere Verhandlungsposition kann ich fast nicht haben. Ich muss fast zwangsläufig auf jede Forderung eingehen. Das kann teuer werden.

„It´s my brothers bike“, sagt der Polizist und stöhnt auf. Der Barbesitzer raunt mir noch zu „das ist der netteste Mensch auf der Insel“ und ich entscheide mich kurzfristig aus einem Instinkt heraus für Kooperation und nicht Konflikt, biete an, mich um die Reperatur zu kümmern, Kosten zu übernehmen, ein Essen auszugeben, am nächsten Tag auf der Wache vorbei zu schauen um eine Lösung zu finden.

Darauf der Polizist: „Don´t worry, i´ll tell my brother, that i was drunk and had an accident“. Ich bin verblüfft. Nach einiger Diskussion beharre ich darauf, am nächsten Tag um zwölf in die Polizeiwache zu kommen um noch einmal meine Hilfe anzubieten. Auf mein Drängeln und Bitten hin, erlaubt der Polizist mir zumindest, ihm ein Abendessen sowie einige Drinks zu spendieren. Die kleinen Reparaturen nimmt er selbst vor. Er versichert mir, dass er kein Geld ausgeben muss.

Durch die Freundlichkeit und Ehrlichkeit des Polizisten hätte ich jeden Preis, jeden Aufwand in Kauf genommen dem Polizisten zu helfen, das Motorrad zu reparieren. Hätte er direkt versucht, „mir die Hosen auszuziehen“, hätte ich in den Konfliktmodus umgestellt und wir hätten uns beide sehr miteinander geärgert. Ich weiss nicht, ob die Geschichte mit einem Deutschen (Polizisten) ähnlich ausgegangen wäre.

Es geht noch netter- zum Essen im Relaxhouse

Nun da ich dachte, dass ich den nettesten Menschen der Insel getroffen habe, musste ich am darauffolgenden Abend feststellen, dass es hier nur so von netten Menschen wimmelt. Im „Relax“ Restaurant (nur 5 Sterne Bewertungen auf tripadvisor- unglaublich!!) angekommen musste ich konstatieren, dass ich eine solch großartige Komposition von Essen und Service noch nicht erlebt habe. Ein Ort, der pure Liebe ausstrahlt. Wenn Menschen nett sind, strahlt das auch auf die anderen ab. Jeder der Gäste war total relaxt. Und das lag an dem Ehepaar und den Kindern, die das Restaurant führen. Das Relax Restaurant liegt ca. 4 km ab vom „Schlag“. Jeder, der hier hin kommt, muss es wirklich wollen. Mit dem Roller nachts durch den Dschungel, wo man doch auch bequem im Ressort oder im romantischen Fischerdorf essen kann. Nichtsdestotrotz muss man reservieren, ansonsten hat man keine Chance. Das Restaurant hat nur 8 Plätze bzw. 4 Tische. Die Preise liegen zwischen 2 und 3 Euro pro Essen. Die exzellenten Fruitshakes und Cocktails zwischen 1 und 3 Euro.

Der Mann ist der Barkeeper, bedient, mixt macht und kümmert sich um die Gäste. Die Kinder helfen teilweise mit und die Frau kocht. Ein waschechter Familienbetrieb.

Die Begrüssung findet mit einem herzlichen Welcome statt, danach gibt es Insektenspray. Ist eine Zutat für einen Cocktail oder ein Essen nicht vorhanden, so schwingt der Besitzer sich auf seinen Roller und holt die Sachen. Alle Menschen lachen. Der Besitzer lacht. Immer gibt es eine Überraschung: Beim Essen oder auch zwischendurch. Eine besondere Frucht hier, ein kleines Getränk dort. Fragt man nach einem bestimmten Essen, so kommt die Frau aus der Küche und zeigt die Zutaten. Immer wird gelacht. Das ist ansteckend. Zur Familie gehört übrigens auch eine Geckofamilie (3 Kinder), die hinter der Bar herumkrabbeln und laut Aussage eines weiteren Gastes schon seit mindestens 6 Monaten da sind.

Ich habe noch nie das Gefühlt gehabt, dass jemand mit soviel Liebe und Hingabe seinen Beruf ausübt. Ich glaube, wenn man nur einen Bruchteil dieses Enthusiasmusses auf sich selber übertragen kann, wird man selber, der eigene Partner und die Freunde auch wesentlich fröhlicher.

Warum der Affe also an der Leine ist

Nun zurück zum Affen, der an der Leine ist. Er ist übrigens nicht immer an der Leine, sondern begleitet seine Besitzer auch zu Einkäufen auf dem Roller und ist auf der Insel bekannt.

Der Affe wurde von seiner Familie verstossen und verstümmelt auf der Strasse gefunden. Mühsam aufgepeppelt, wurde er nach 12 Wochen wieder im Jungle ausgesetzt um kurz darauf wieder mit schweren Verletzungen auf der Strasse aufgegabelt zu werden. Eine erneute Reha und der Versuch des Aussetzens in die Natur führten dazu, dass der Affe diesmal selbst flüchtete und von den Strassenhunden verletzt wurde.

Das hat dazu geführt, dass er nun, eigentlich wieder seiner Natur, eine Art Haustier geworden ist.

 

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