…für Alle (oder so ähnlich) lautete das Motto eines Vortrages, den ich im Rahmen einer FDP-Veranstaltung zuletzt halten durfte.

Da es sich hier im Wesentlichen um eine politische Veranstaltung gehalten hat, habe ich mir zunächst überlegt, was die Ziele meines Vortrages sein könnten? Der FDP nach dem Mund reden? Ihnen sagen, was Sie es besser machen sollen oder wie das geschieht? Nach dem Mund reden nicht, aber Hinweise auf Verbesserungsvorschläge sind doch angebracht.

Wenn ich eine Überzeugung habe, dann die, dass Politiker zu wenig, dass „Warum“ erklären und es daher (zu) selten schaffen, die Menschen „mitzunehmen“. Ebenso fehlen mir oft Konkretisierungen. Beides versuche ich in im Vortrag stärker zu spielen.

Wenn man sich also fragt, wie die weltbeste Bildung auszusehen hat, stellen sich mir drei wesentliche Fragen:

  • Warum ist Bildung in Deutschland wichtiger denn je?
  • Welche Rahmenbedingungen kann die Politik setzen?
  • Welche Inhalte sollten vermittelt werden?

Warum ist Bildung wichtiger denn je?

  1. Deutschland ist ein Hochtechnologieland und -standort: Das bedeutet, dass die Differenzierung nicht über den traditionellen Faktor Arbeit und dessen Preis statt findet sondern über die einerseits günstige geografische Lage in Deutschland und das vorhandene Bildungsniveau (Land der Dichter und Denker, Land der Ingenieurskunst usw.). Know-How und Bildung waren in den letzten Jahren prägend für den wirtschaftlichen Aufstieg und sind es in einer globalisierten Welt umso mehr.
  2. Die Welt ändert sich schneller denn je: Auch wenn Trump und Co den Eindruck erwecken, der Globalisierung Einhalt gebieten zu können so geht diese weiter. Wenn auch anders als wir denken. Wir verwechseln viel zu häufig, dass demokratische Systeme nicht zwangsläufig mit Marktwirtschaften korrelieren. Das gilt auch umgekehrt.
  3. Digitalisierung („Daten sind das neue Öl“). Hierzu ist es wichtig die Erfolgsfaktoren (kein Anspruch auf Vollständigkeit!) bzw. die Stärken Deutschlands zu betrachten:
  • Deutschland ist das Land der Hidden Champions. Von 3500 Weltmarktführern kommen 2200 aus Deutschland. Der Mittelstand ist der Motor der deutschen Wirtschaft und der Innovationsfähigkeit.
  • Die große Stärke des deutschen Mittelstandes ist seine Wertschöpfungstiefe und die Nähe bzw. Schnittstelle zum Kunden.
  • Deutschland zeichnet sich durch starke Kooperationscluster aus. Viele Hochschulen, viel (Grundlagen-) Forschung, aber auch ein ausgeprägtes Knowing-Doing Gab.
  • Regionaler Ausgleich: Im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich oder England, würde bei einem Herausrechnen der Hauptstadt das BIP nicht sinken sondern in Deutschland sogar steigen. Das zeigt den regionalen Ausgleich den wir haben.

4. Mehr Gründungsdynamik: Entgegen der durch die Politik dargestellten Meinung nimmt die Anzahl der innovativen Neugründungen seit 2005 ab. Gründungen im innovativen Bereich hängen allerdings von zwei Faktoren ab:

  • Kapital (Eigen- und Fremdkapital) und
  • Kompetenzen: Hiermit sind nicht nur wirtschaftliche gemeint, sondern vor allem unternehmerische Kompetenzen.

Damit sich Deutschland auch zukünftig auf seine Stärken besinnen kann, müssen wir die Chancen der Digitalisierung nutzen.  Um diese Chancen nutzen zu können, brauchen wir allerdings digitale Kompetenzen.

Welche Rahmenbedingungen kann die Politik setzen?

Hier möchte ich auf vier verschiedene Felder eingehen, wovon sich drei an der jeweiligen Ausbildungsphase orientieren

  1. Kitas: Wir brauchen in Deutschland mehr Unterstützung und auch Priviligierung von Familien. Es muss ein flächendeckendes Angebot an kostenloses Kitas geben, damit Eltern die Möglichkeit haben, zu arbeiten. Im vorschulischen Bereich stellen Bildungschecks ebenfalls eine gute Alternative dar.
  2. Schulen: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir heute auch über unser föderales System nachdenken müssen. Schließlich stellt sich dies immer wieder als Hemmnis bei der Durchsetzung von Änderungen und Innovationen dar. Weitere Vorschläge:
  • Mehr Verantwortung und Entscheidungsfreiraum für die Schulleitung
  • Mehr Wettbewerb der Schulen untereinander durch gemeinsame Leistungsstandards und Evaluierung
  • Professionalisierung des Lehrbetriebes durch eine Neudefinition der Lehrerausbildung sowie neue Konzepte für Lehrer aus der Wirtschaft.
  1. Universitäten. Universitäten müssen viel mehr die Lebenswirklichkeiten und die Anforderungen an die Wirtschaft abdecken als bisher. Rahmenbedingungen, die der Staat ändern kann:
  • Systeme schaffen, um Leistung vergleichbar zu machen
  • Wettbewerb der Universitäten untereinander und auch zwischen staatlichen und privaten Universitäten zu fördern
  • Internationale Öffnung für ausländische Studierende
  • Stärkung der Lehre: Lerninhalte und -ziele überdenken und überarbeiten
  1. Förderung von Clubs rund um Schulen und Universitäten (ein Argument, dass amerikanische Professoren oft nennen). Die Szene rund um die klassische Wissensvermittlung rund um die Universität bedarf einer Förderung durch den Staat. Gemeint sind hiermit Studentenclubs, Sportangebote oder Studium Generale- eben alles, was die Interdisziplinarität fördert. Das soziale Leben der Studenten muss Kreativität fördern.

Welche Inhalte sollten vermittelt werden?

Was ich in vielen Gesprächen mit Professoren, Lehrern und anderen Menschen aus dem Bildungssystem immer wieder festgestellt habe, ist, dass wir in Deutschland eine Orientierung „nach unten“ haben. Grundsätzlich schauen wir weniger auf die Leistungsträger der Gesellschaft und versuchen deren Leistungen anzuerkennen sondern schauen immer, dass der Schwächste der Maßstab ist. Nur um eines klar zu sagen: Ich möchte kein Bildungssystem in dem die Schwachen abgehängt werden. Ich möchte vielmehr ein Bildungssystem in dem es auf allen Ebenen Anreize zur Entwicklung, zur Verbesserung gibt. Seien es die Lehrkörper (was für ein Begriff!), die Professoren oder auch die Schüler. Wir müssen Anreize schaffen, dass sich Entwicklung und Leistung lohnt.

Um nun konkret auf die Inhalte zu sprechen zu kommen, so habe ich einmal drei wesentliche Faktoren notiert (lassen sich beliebig ergänzen), die durch unser bisheriges Bildungssystem so gut wie gar nicht kommuniziert werden:

  • Unternehmerische Kompetenzen
    • Innovationsmanagement: Ein gutes Beispiel für die deutsche (Wirtschafts-) Lehre ist „der Meffert“ oder „der Wöhe“, der zum Standardwerk eines BWL-Studenten gehört. In den USA ist es häufig Clayton Christensen, den Studenten als Pflichtlektüre studieren!
    • Fähigkeit, eine Vision zu entwickeln. Ob privat oder beruflich! Nicht existent.
    • Kreativität: Die Entwicklung einer kreativen Kompetenz findet in unserem Bildungssystem keine Berücksichtigung.
  • Digitale Kompetenzen
    • Informatik muss dringend ein Pflichtfach werden. Zwar muss nicht jeder Programmierer werden, aber ähnlich wie die englische Sprache vor 15 Jahren noch ein Muss für eine Managementkarriere war, so sind es heute Porgrammiersprachen, die ein Tor zu einer neuen Welt und Karrieremöglichkeit eröffnen.
    • Sicherheit und Datenschutz. Jeder, der unser Bildungssystem durchläuft muss die Grundlagen der von Datenschutz und der gängigen Sicherheitsmechanismen lernen. Ob Nutzer oder Produzent ist ganz egal. So wie ich früher mein Haus durch eine Alarmanlage oder ein Türschloss gesichert habe, so muss ich heute mich und meine Daten mit einem Konzept schützen.
    • Online-Marketing: Die Grundlagen des Online-Marketing müssen heute in unserem System vermittelt werden. Nur so können wir Chancen-Gleichheit herstellen, wenn jeder die gleichen Möglichkeiten hat.
  • Wirtschaftliche Kompetenzen
    • Um das verstehen von wirtschaftlichen Zusammenhängen herrscht eine große Unkenntnis in unserem System vor.
    • Die demografische Herausforderung als eine der größten unserer Zeit wurde von unserem Bildungssystem so noch nicht erkannt.
    • Ein weiteres Beispiel für das komplette Versagen unseres Bildungssystems kommt in dem kompletten Fehlen von – ich nenne es mal- Salesmanship- zum Ausdruck. Wie sollen wir lernen, nicht nur Produkte und Technologien zu entwickeln sondern diese auch zu vermarkten wenn wir das Handwerkszeug hierzu gar nicht drauf haben?

Und mit diesen drei Punkten habe ich noch nicht die wirklichen Zukunftstrends dieses Themas aufgegriffen: Blockchain, Kryptowährungen oder das Thema lebenslanges Lernen- auch in Unternehmen!

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