Was ist eigentlich am Generationenvertrag noch solidarisch?

Die Rente ist sicher“- so what!?

Das sagte Norbert Blüm nicht nur einmal, sondern sogar ein zweites Mal. Der Satz wird oft zitiert, weil eigentlich jeder weiss, dass unsere Generation (ich bin 33; Stand: 2016) nichts von der Rente haben wird. Trotzdem ändert sich nichts an unserem System. Die junge Generation zahlt quasi in ein Schneeballsystem ein. Und schlimmer noch: Im Moment werden kräftig „Geschenke“ verteilt: 4,25 % im Westen und 5,95 % im Osten werden die Renten erhöht.

Das riecht nach politischem Kalkül

Horst Seehofer hat in Bayern ein Problem: Die AFD hat ihn rechts überholt, ein Konter scheint unmöglich. Wie also die Mehrheit in Bayern halten? Entweder zurückschlagen oder eine andere Taktik aufsetzen. Seehofer hat die Taktik gewechselt und findet einen unverhofften Verbündeten: Der Bundeswirtschaftsminister und die Sozialdemokraten sind dermaßen stark in der Versenkung verschwunden, dass auch sie um die größte aktive Wählergruppe im nächsten Jahr buhlen: Die Rentner: zahlreich, gewissenhaft zu den Wahlurnen gehend und bisher eine „sichere“ Bank für die Volksparteien. Heißa, das wird ein Wettbieten!

Das bedeutet der Generationenvertrag

In Deutschland haben wir ein umlagefinanziertes Rentensystem. Das bedeutet, dass es einen Generationenvertrag zwischen Alt und Jung gibt. Die Jungen, die gerade arbeiten, zahlen für die Alten. Das war bisher in Ordnung- kamen doch auf einen Empfänger ca. 3 Beitragszahler. Das ändert sich nun. Im Jahr 2030 sind es ca. 1,5 Beitragszahler auf einen Empfänger. Die Demografie schlägt voll durch. Das bedeutet, dass die zu leistenden Beiträge  künftig von immer weniger Menschen aufgebracht werden müssen. Das erkannte übrigens Franz Müntefering sehr treffend:

„Weniger Kinder, später in den Beruf, früher raus, länger leben, länger Rente zahlen: Wenn man das nebeneinander legt, muss man kein Mathematiker sein, da reicht Volksschule Sauerland um zu wissen: Das kann nicht gehen.“

Unser aktuelles Rentensystem ist weit davon entfernt, diese einfache Gleichung zu berücksichtigen.

Auch das 3-Säulensystem hat gelitten

Das deutsche Rentensystem ist allerdings nicht nur umlagefinanziert,  sondern es zeichnet sich neben dem gesetzlichen Part auch durch zwei weitere Teile aus: Einen privaten und einen betrieblichen Teil. Der private Vorsorgeteil, auch unter „Riester-Rente“ erörtert, leidet allerdings stark unter der Zins Politik der EZB. Bedeutet, dass die Anlagen kaum noch verzinst werden und sich daher kaum lohnen. Warum ist das so dramatisch?

Hierzu schreibt bspw. Holger Steltzner in der FAS 17/2016 „Wer heute 35 Jahre alt ist und für das Alter privat vorsorgt, müsste ohne Zinseszins etwa dreimal so viel Geld zurücklegen, um das gewünschte Versorgungsniveau zu halten. Wer kann das schon?“

Da wir keinen Einfluss auf die Zinspolitik der EZB haben, bleibt uns nur, die Anlagemöglichkeiten der Riesterprodukte zu lockern zugunsten der Investition in Realwerte wie Aktien oder Immobilien. Natürlich steigt das Ausfallrisiko- aber fordern wir nicht ständig selbst mehr Mut und Risiko? Fordert die Politik nicht selbst ständig mehr Investitionen in Neugründungen? Vielleicht ergibt sich aus beiden Forderungen ein sinnvoller Lösungsansatz!?

Grundsicherung in Deutschland: Gibt es Armut?

„Der jetzigen Rentnergeneration geht es so gut wie niemals zuvor! Die Gekniffenen sind die 25- bis 35 Jährigen, die Kinder in die Welt setzen wollen.“

sagte Peer Steinbrück (SPD), Finanzminister, am 12. Juli 2009. Auf zukünftige Generationen betrachtet, scheint das immer noch so. Während die heutige Rentengeneration – also ein Durchschnittsrenter zum Beispiel 1301 €-  bekommt, so steigt der Rentenanspruch in 2029 auf 2029 € obwohl das Rentenniveau um mehr als 3 Prozentpunkte sinkt. „In Ordnung“ werden nun bestimmte Gruppen sagen, was ist aber mit denen, die am unteren Ende der Nahrungskette hängen? In Deutschland gibt es eine soziale Grundsicherung, die im schlechtesten Fall 404 € plus eine angemessen Lebens-/Wohnunterkunft beinhaltet. Das ist nicht viel. Es reicht allerdings zum Leben.

Die Frage ist, wie es sich mit zukünftigen Generationen verhält. Wie soll der bisher bestehende Standard gehalten werden? Darauf liefert die Politik von heute keine Antworten, frei nach dem kölschen Motto „et hätt noch immer joot jejange“ (Übersetzt: Es ist noch immer gut gegangen)

Was kann man also machen?

Die Lösung für unser umlagefinanziertes Rentensystem ist sicherlich nicht einfach.

  • Stärkung der Säulen zwei und drei: Lockerung der Anlagemöglichkeiten für Risikoprodukte sowie eine Nichtdiskriminierung derjenigen, die privat vorgesorgt haben (bedeutet: Keine Verrechnung der privaten Vorsorge mit der Grundsicherung)
  • Überdenken der Pensionen und Beamtenprivilegien. Warum zahlen die Beamten und Politiker nicht auch in die gesetzliche Versicherung mit ein? Oder warum erhalten sie nicht etwa eine Art staatlicher Betriebsrente, bei der der Arbeitgeber Staat das vereinnahmte Kapital für seine Bediensteten anlegen muss (und zwar nicht nur in Staatsanleihen!)?
  • Produktivität erhöhen durch Investitionen in Bildung und Innovation. Die oben genannte Formel funktioniert auch, wenn wir es schaffen, die einzelnen Einkommen und damit das Volkseinkommen massiv zu steigern. Hierzu bedarf es allerdings weniger Umverteilung sondern mehr innovationsgerichteter Investition. Ein konkretes Beispiel hierfür wäre die Digitalisierung der Verwaltung!

Am Ende steht…

…eine kurzsichtig und auf populistische Parolen beschränkte eindimensionale Politik, die sich nicht traut, offen zuzugeben, dass das bisherige System so nicht funktioniert. Es geht um Wählerstimmen- die Wahrheit ist da ein dehnbarer Begriff und wird der Wiederwahl untergeordnet.

Weil: Solidarisch ist das System vielleicht gedacht- solidarisch gegenüber der jungen Generation ist das allerdings nicht. Die Frage ist, wie lange junge Menschen, sich das noch gefallen lassen. Denn entweder suchen Sie Wege um aus der gesetzlichen Versicherung herauszukommen oder Sie verlassen schlichtweg das Land!

Weitere Leseempfehlungen:

http://www.zeit.de/2016/21/generation-y-geld-rente-rentner-altersarmut-soziale-ungleichheit

Von | 2018-05-31T17:30:38+02:00 26. April 2016|Alle Beiträge, Politik und Wirtschaft|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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