Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Was ist Change Management2020-03-01T09:26:21+02:00

Was ist Change Management

Die Kunst der Veränderung

Unternehmen sind komplexe soziale Systeme mit verschiedensten Hierarchien, Normen und Praktiken. Ziel eines jeden Unternehmens ist es, ein möglichst stabiles System aufzubauen, das den individuellen Anforderungen das Marktes gerecht wird. In der Praxis gestaltet sich dieses Ziel allerdings als schwierig, da die Anforderungen, die sich durch die Interaktion mit den dynamischen Märkten unserer heutigen Zeit ergeben, alles andere als stabil sind. Um langfristiges Wachstum zu gewährleisten sind Unternehmen daher gezwungen ihre Systeme und Abläufe fortwährend anzupassen. Nicht nur um die Position am Markt zu behaupten, sondern auch um neue Umsatzmöglichkeiten zu erschließen.

Die hohe Relevanz dieses Themas ist in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung mehr als eindeutig, doch wie genau können Unternehmen mit dem hohen Maß an Innovation und Veränderung mithalten? Zentraler Punkt bei der Beantwortung dieser Frage ist die Analyse der individuellen Situation, sowie die Analyse des entsprechenden Marktumfeldes. Die Ergebnisse dieser Analyse sind die Aufdeckung von Defiziten, das Formulieren neuer Ziele und das Etablieren passender Maßnahmen. Zusammengefasst werden diese Vorgänge unter dem Sammelbegriff des Change Management.

 

Was ist Change Management

Change Management (siehe auch Vortrag Change Management) bedeutet Veränderungen innerhalb eines Unternehmens zu schaffen. Meist ist der Ausgangspunkt ein konkretes Problem, dass sich ergibt, aus den Prozessen innerhalb der Organisation oder auch den äußeren Umständen in denen die Organisation operiert. Wie diese Veränderung gestaltet wird, hängt von unzähligen Faktoren ab, die bei jedem Changeprozess individuell beurteilt werden müssen. Leider gibt es kein Schema F für Veränderung. Jedes Unternehmen ist anders und eine Intervention die sich in dem Kontext einer Organisation bewährt hat, ist keineswegs einfach übertragbar auf andere Organisationen. Generell lassen sich Change Prozesse mit dem Modell von Edgar Schein (1987) beschreiben der das drei Stufen Modell von Kurt Lewin zu sozialer Veränderung ausarbeitete. Erst muss der aktuelle Zustand aufgefroren werden (unfreezing), darauf folgt die Stufe der Veränderung (changing), was abgeschlossen wird mit dem festigen der neuen Strukturen und Muster (refreezing). Diese Stufen lassen sich allerdings häufig nicht klar trennen, sodass sie teilweise überlappen.

 

Wicked Problems

Warum sind Changeprozesse so schwierig zu definieren und vor allem durchzuführen? Die Antwort liegt in der Komplexität der Probleme mit denen man es im Change Management zu tun hat. Häufig ist von so genannten „Wicked Problems“ die Rede. Kennzeichnend hierfür ist das keine klare Kausalität des Problems erkennbar ist, auf Grund des komplexen Systems in dem das Problem sich abspielt. Selten ist eine klare Beziehung zwischen Ursache und Lösung zu erkennen und verschiedene Lösungsansätze sind denkbar. Daher können die Lösungsansätze auch selten als falsch oder richtig bewertet werden, sondern, in Hinsicht auf ihren Effekt, als mehr oder weniger gut. Es gilt das Sprichwort: „Viele Wege führen nach Rom“. Nur sind manche Wege effektiver als andere und nicht selten ist der Weg so lang, dass einem auf halber Strecke die Puste ausgeht. So sind etwa nur 30-40% der transformationalen Changeprozesse erfolgreich und führen zu nachhaltigen Verbesserungen.

 

Auslöser für Veränderung

Warum also müssen Unternehmen Veränderungen angehen, wenn diese häufig mit Risiken und kurzfristigem Produktivitätsverlust einhergehen? Im Groben lassen sich die Anlässe eines Veränderungsprozesse in zwei Gruppen einteilen. Einerseits spielt die ökonomische Perspektive eine Rolle, in der die Orientierung am Wettbewerb und die Steigerung der wirtschaftlichen Leistung im Vordergrund steht. Hier liegt der Fokus vor allem auf externen Faktoren. Andererseits kann der Fokus auch intern gerichtet sein. Dabei ist das Ziel häufig ein selbstständig lernendes Unternehmen mit niedriger Organisationshierachie zu schaffen, das adaptiv und schnell mit neuen Herausforderung umgehen kann, in Zukunft also besser auf Veränderungen reagiert und diesen Form gibt. Welcher Fokus gewählt wird hängt unter anderem von dem konkreten Problem und Ziel ab. Neben innerbetrieblichen Problemen und Strukturveränderungen, die beispielsweise durch Wachstum entstehen, können externe Faktoren eine entscheidende Rolle spielen, wie beispielsweise eine disruptive Innovation am Markt.

Lösungsansätze generieren

Wie findet man also als Unternehmen die richtige Lösung für die aktuelle Situation? Erst einmal muss festgehalten werden, dass es nicht die eine richtige Lösung gibt die zum Ziel führt. Change Prozesse sind chaotische Prozesse die, während ihrer Implementierung fortwährend angepasst werden müssen. Das Überwachen der Auswirkungen und das entsprechende Abwandeln der Vorgehensweise, sind daher ein wesentlicher Bestandteil des Change Managements. Allerdings gestaltet sich auch das schwierig, da auch gut gemeinte und sorgfältig geplante Interventionen negative Effekte auf das Unternehmen haben können und das an Stellen, die nicht vorher zu sehen waren. Der erste Schritt im Change Prozess ist daher das Definieren des Problems und des Ziels, das erreicht werden soll. Dies wird auch „sense making“ genannt und spielt nicht nur zu Beginn, sondern auch im weiteren Verlauf des Prozesses eine zentrale Rolle. Im Wesentlichen geht es darum die Beziehungen innerhalb des Systems zu analysieren und hieraus entsprechende Lösungsansätze zu generieren.

Hieran verbunden ist logischer Weise auch die Tiefe der Veränderung. Manche Probleme lassen sich durch Veränderung auf verhältnismäßig oberflächlicher Ebene lösen, wie beispielsweise das Einführen neuer Arbeitskleidung oder das simple Anpassen von Prozessen im Unternehmen. Schwierig werden Veränderungen vor allem dann,  wenn sie tiefgreifend für das gesamte Unternehmen sind und es transformieren, wie beispielsweise ein völliger Paradigmenwechsel, ein neues Mindset oder das Implementieren einer neuen Unternehmensstrategie. Im allgemeinen Unterscheidet man daher zwischen „first order“ und „second order“ Veränderungen. Veränderungen die in die Kategorie „first order“ fallen, sind kleinere Veränderungen, die sich quasi evolutionär aus dem Tagesgeschäft ergeben, adaptive Veränderungen die nötig sind damit das Unternehmen läuft. Die Kategorie „second order“ beschreibt radikalere, transformationale Veränderungen. Sie haben ein großes Ausmaß und sind meist revolutionär für das Unternehmen. Man schlägt einen neue Richtung ein und verändert das Unternehmen in seinem Kern. Hier empfiehlt es sich einen Change Manager einzuschalten, der dem Prozess Form gibt und ihn überwacht.

Fazit Was ist Change Management

In unserer global vernetzten Wirtschaft sind Veränderungen nötig um konkurrenzfähig zu bleiben. Daher muss sich jedes Unternehmen früher oder später mit dem Thema Change Management beschäftigen. Vor allem tiefgreifende Veränderungen stellen dabei eine Herausforderung da. Wie die Veränderung konkret gestaltet wird hängt vor allem von dem Problem selbst ab, mit dem das Unternehmen sich konfrontiert sieht. Die Definition des Problems und des Zielzustandes sind dabei keine einfachen Aufgaben auf Grund der Tatsache, dass jeder Changeprozess anders ist und Unternehmen komplexe soziale Systeme sind, in denen selten eine klare Kausalität zwischen Auslöser und Wirkung festgestellt werden kann. Darum lohnt es sich bei revolutionären, disruptiven Veränderungen im Unternehmen einen Change Manager anzustellen, der Erfahrung im händeln dieser sozialen Systeme hat.