Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Digitalisierung- Warum Unternehmer in die Umsetzung kommen müssen

Anmerkung: Der vorliegende Artikel ist ein Auszug aus meinem Buch digitaler Suizid.

In die Umsetzung kommen

Ich wünsche mir, dass nicht nur über Digitalisierung diskutiert wird, sondern dass Unternehmer endlich in die Umsetzung kommen. Das heißt nicht, dass Unternehmer planlos agieren sollen, aber sie sollten die Testmentalität der Start-ups übernehmen, sofern sie dadurch nicht ihr Unternehmen gefährden. Viele Unternehmer gehen mittlerweile auf eine Vielzahl von Veranstaltungen zum Thema Digitalisierung, sprechen mit Start-ups und lassen sich beraten. Doch leider bleibt es oft dabei. Viele denken auch, dass sie das ganze Gerede von Disruption und neuem Wettbewerb nicht betreffen würde, doch ich kann nur sagen: Das ist ein Irrtum, der fatale
Auswirkungen haben könnte. Manchmal steckt hinter dieser Haltung Unwissenheit, manchmal aber auch Selbstzufriedenheit oder Arroganz.

„Herr Porschen, toller Vortrag, sehr informativ was da mit der Digitalisierung auf uns zurollt, aber unsere Branche ist anders. Wissen Sie, wir machen das schon ein paar Jahre und das hat noch immer so geklappt.“

Diese zwei Sätze höre ich nach meinen Vorträgen so oder ein bisschen abgewandelt immer wieder. Und immer antworte ich:

„Es trifft jede Branche, manche früher, andere später.“

Die Disruption kommt

Nehmen wir als Beispiel die Gesundheitsbranche. In der Disruption Map von Deloitte (nach den Kategorien „kurze und lange Lunte“ sowie „kleiner und großer Knall“) finden wir das Gesundheitswesen unter lange Lunte, großer Knall. Das heißt: Es dauert ein bisschen, aber dann knallt es so richtig.

Disruption Map- Deloitte

Disruption Map- Deloitte

Gesundheitswesen wird digitalisiert

Die Beziehung zum Kunden wird sich durch die Plattformökonomie auch im Gesundheitswesen verschieben. Wie in anderen Branchen wird die direkte Kundenbeziehung verloren gehen. Schon jetzt orientieren sich Patienten an den Empfehlungen auf Internet-Plattformen. Für die Digitalisierung im Gesundheitswesen gibt es drei Treiber:

  • der Nutzen für Patienten,
  • das Verschwinden etablierter Akteure und
  • die Entstehung disruptiver Geschäftsmodelle.

Wussten Sie zum Beispiel, dass Apple bereits jetzt zahlreiche Unternehmen aus der Gesundheitsbranche übernimmt? Google hat mit Smart Lens eine Nischenbranche besetzt und sammelt erste Erfahrungen. Amazon hat mit dem Projekt 1492 ebenfalls seine Fühler ausgestreckt. Und die Amazon-Strategie „Wenn…dann…“ (kaufst du einen Kühlschrank wird dir ein Trockner empfohlen) scheint sehr gut auf die Medizin übertragbar zu sein. Nicht zuletzt mit Hilfe künstlicher Intelligenz werden Krankheitsursachen schneller erkannt und diagnostizierbar, Therapien werden aufgrund großer Datenmengen verändert und erfolgreicher. Mit Wearables können Therapien überwacht und gesteuert werden. Im nächsten Schritt können Chips implementiert werden, um den Patienten zu überwachen und die Medikamentendosierung zu steuern. Big Data, KI werden wichtige Werkzeuge zur Bewertung von Therapien, aber auch zur Unterstützung und teilweisen Ersetzung von Ärzten und Pflegepersonal. Bedenken Sie: Man geht davon aus, dass sich medizinisches Wissen ab 2020 alle 73 Tage verdoppelt. Das ist durch den Menschen allein nicht zu bewältigen. Intelligente Roboter und Unterstützungssysteme werden Personal ersetzen. Auch im Gesundheitsbereich scheint der Fachkräftemangel in Zukunft kein Thema mehr zu sein. Telemedizin macht Expertenwissen breit zugänglich, ist nicht an nationale Grenzen gebunden und kann den Fachkräftemangel auffangen helfen. Allerdings ist wie bei allen Veränderungen die gesellschaftliche Akzeptanz entscheidend. Und die ist zumindest in weiten Teilen der Ärzteschaft nicht gerade hoch. Doch die Begeisterung, mit der die Menschen schon jetzt Fitnessarmbänder tragen und die so erworbenen Daten speichern und nutzen, um gesünder zu leben, zeigt, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis die ersten Disruptionen in der Gesundheitsbranche sichtbar werden.

Der gesellschaftliche und politische Druck zur Veränderung ist nicht da

Bisher waren der politische als auch der gesellschaftliche Druck und Veränderungswille nicht groß genug, um Veränderung zu erzwingen. Die digitale Patientenakte, nicht abrechenbare Stunden in der Telemedizin sind daher nur Beispiele dafür, wo das föderale System bisher vollständig versagt. Das Gesundheitswesen in Deutschland benötigt dringend eine langfristige Vision, eine Strategie, einen Handlungsleitfaden und schnelle, agile Umsetzung, um den Kunden so in den Mittelpunkt zu stellen, dass er künftig nicht von Amazon und Google betreut wird. Die Gesundheitsbranche muss sich also mit der Digitalisierung befassen und sich
die gleichen Fragen stellen wie die Unternehmen in allen anderen Branchen auch:

• Wie schaffe ich es Daten zu generieren?
• Wie systematisiere und strukturiere ich die Daten?
• Wie nutze ich die Daten?

Daten sind ein wesentlicher Treiber der Digitalisierung. Sie müssen erhoben, systematisiert und genutzt werden. Sie sind die Basis für die optimale Befriedigung (oftmals erst für das Herausfinden) der Kundenbedürfnisse. Daten dienen der Wertschöpfung.

Wir, die Politik und die Unternehmer müssen ins Handeln kommen.Wir haben unsere Geschäftsmodelle lange genug auf den Prüfstand gestellt und diskutiert. Es kann nicht jedes Detail bis ins Letzte geklärt werden. Denken Sie daran, was ich weiter oben über Testen und Scheitern geschrieben habe. Wir brauchen keinen perfekten Plan, sondern viele kleine Testballons, um herauszufinden, was der Kunde will, wie wir sein Leben bereichern, einfacher und besser machen können. Die Digitalisierung ist dabei Werkzeug und Treiber zugleich. Wir müssen lernen, mit Daten umzugehen und sie zu nutzen, denn sie sind die Grundlage für zukunftsfähige Geschäftsmodelle.

Das ist gar nicht so schwierig, wie es scheint, denn man muss nicht gleich das große Rad drehen. Es gibt heute bereits bezahlbare Software, die bei der Nutzung von Daten unterstützt beziehungsweise diese erst möglich macht.

Ronald Hajdo, Gründer von „Verdure“ in Stuttgart, hat mit seinem Team die Software „Lea“ entworfen, mit deren Hilfe es möglich ist, Besuchern von B2B-Websites personalisierten Content anzubieten. Die Software verbindet zwei aktuelle Marketingmethoden im B2B unmittelbar miteinander: Prospecting und Personalisierung. Durch das Prospecting werden Besucher besser verstanden und mögliche Verkaufspotenziale offengelegt. Vorteile der Personalisierung sind die Generierung qualifizierter Leads, Erhöhung der Conversion Rate, Verbesserung und Strukturierung der Content-Planung und insbesondere die Schaffung von Relevanz auf
der gesamten Website. „Besucher, die unmittelbar auf sich zugeschnittene Inhalte zu Gesicht bekommen, fühlen sich von Beginn ihrer Customer Journey an verstanden und an ihren Schmerzpunkten abgeholt“, schreibt Hajdo. „Das ist eine wichtige
Basis für die langfristige Kundenbeziehung.“

Digitalisierung und KI für viele Unternehmer reine Theorie

Für viele deutsche Unternehmen ist KI lediglich Theorie, von der sie nicht genau wissen, wie sie sie im eigenen Unternehmen einsetzen können. Doch KI ist gar nicht so kompliziert und kann vielfältig als Unterstützer zum Beispiel in der Kundenkommunikation eingesetzt werden, um Qualitäts- und Effizienzpotenziale zu heben. Dafür sind weder besondere Kompetenzen, noch organisatorische Veränderungen notwendig. Besonders Prozesse, die einen hohen manuellen Aufwand erfordern
und einen geringen Automationsgrad haben, eignen sich dafür, zum Beispiel wie oben beschrieben die Webseiten-Personalisierung, Analytics, Betrugserkennung, Bestands- oder Routenplanung in der Logistik, Marketing-Automation und einiges
mehr. Erfolge sind schnell sichtbar und die Mitarbeiter werden von lästigen und zeitraubenden Aufgaben befreit. Softwareanbieter haben mittlerweile für viele Anwendungen mit KI passende Lösungen.

„Wir müssen darüber sprechen, wie die Musterbrecher von außen funktionieren.
Häufig greifen sie nur kleine Segmente der Wertschöpfung an und ebenso oft sind sie
fachfremd. Wie öffnet man sich dafür, ohne sich untreu zu werden? Wie öffnet man
sich dem Austausch über den Tellerrand hinaus und lernt von anderen? Wie taucht
man in diese neue Welt ein und was ist der beste Weg dafür – ein Labor abseits der
normalen Governance? Wir müssen mehr Know-how in unsere Unternehmen holen, die
Technologie zumindest grundsätzlich verstehen und sie auch ausprobieren (dürfen).“

Fabian Kienbaum

Noch einmal zurück zum Gesundheitsbereich: Die Gesundheitskarte sollte der Schlüssel zur digitalen Gesundheitswelt werden. 14 Jahre Planung und 1,2 Milliarden Euro später ist sie immer noch nicht viel mehr als ein Mitgliedsausweis der Krankenkasse. Die geringe Akzeptanz in der Bevölkerung ist nicht weiter verwunderlich, denn es wurde bisher hauptsächlich über den Schutz von Patientendaten diskutiert und nicht über den Nutzen, den die Karte den Krankenkassenmitgliedern bringen könnte.
Wir haben nicht noch einmal 14 Jahre Zeit. Im Zweifelsfall werden es Apple, Google und Amazon richten und wir haben das Nachsehen. Und noch eine ketzerische Anmerkung zum Thema Datenschutz: Kein Mensch, der seine Fitness-Daten in
die Apple-Cloud lädt, schert sich darum, ob sie dort, auf amerikanischen Servern, wirklich sicher sind. Was zählt, sind der Nutzen und der Spaß, den der Kunde hat.

Meine zentrale Frage an Sie ist:

Was haben Sie bisher von dem, was Sie aus Vorträgen und Diskussionen mitgenommen haben, tatsächlich
genutzt, um in Ihrem Unternehmen Veränderung anzustoßen, Ihr Geschäftsmodell zu neu aufzustellen beziehungsweise
in die Nutzung von Daten einzusteigen?

Sollten Sie Unterstützung benötigen, bei der Entwicklung einer Digitalstrategie oder eine Online-Strategie freue ich mich über ein unverbindliches Gespräch!

https://www.hubertusporschen.com/kontakt/

https://hporschen.youcanbook.me/

Von |2020-05-25T09:42:53+02:0025. Mai 2020|Alle Beiträge, Digitale Transformation, Unternehmertum|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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