Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Montagsfehler: Wunschdenken vermeiden

Montagsfehler: Wunschdenken vermeiden

In Corona-Zeiten lernt man eine Menge dazu. So sprach ich neulich mit einem Bekannten aus der Eventbranche, der mir über sein Geschäft erzählte, was leider durch Veranstaltungsverbote etc. innerhalb weniger Tage auf 0 heruntergefahren ist. Auch die Zukunft sieht düster aus. Nichtsdestotrotz erwähnte er immer wieder, dass er die Hoffnung habe, dass der Juni vielleicht besser würde. Oder der Juli. Oder vielleicht der August. Solange würden die Reserven noch reichen. Ein Schicksal, dass nicht nur ihn betrifft. Auch ich bin durch meine Keynotes dadurch betroffen. So sagte er mir, dass ich dieses Jahr nicht erwarten brauche, noch einmal einen Vortrag in gewohntem Setting zu halten. Ich stimme überein.

Ein Widerspruch in sich

Doch was für ein Widerspruch das doch eigentlich ist: Ihm ist bewusst, dass Veranstaltungen dieses Jahr (vielleicht noch länger) nicht in gewohntem Ausmaße stattfinden. Gleichzeitig hofft er noch auf Umsätze in naher Zukunft. Eigentlich weiss er selber, dass das Quatsch ist- eben Wunschdenken vom Allerfeinsten.

Hinterfragen sie doch einmal Ihr Mindset. Vielleicht stellen auch Sie fest, dass Sie zu Wunschdenken neigen!?

Wikipedia sagt, Wunschdenken ist „eine Sicht der Dinge, die nicht den Tatsachen entspricht, sondern von Träumen und Wünschen bestimmt ist“. Das hört sich ja erst mal nicht schlecht an.

“Wir können die Realität ignorieren, aber nicht die Konsequenzen aus ihr.” Sagt Ayn Rand.

Wunschdenken kann positiv sein

Fangen wir mit dem Positiven an: Wunschdenken kann positiv sein: Sie setzen sich etwas in den Kopf, Sie wollen unbedingt etwas erreichen. Sie denken an nichts Anderes. Jede Entscheidung, die Sie treffen, treffen Sie unter dem Gesichtspunkt, dass Sie unbedingt dieses eine Ziel erreichen wollen.

Entscheidend aus meiner Sicht für positives Wunschdenken ist allerdings, dass der Wunsch realistisch ist und erreichbar.

Wunschdenken in Krisenzeiten

Wenn wir uns als Menschen oder Unternehmen in Krisen und/oder erhöhten Stresssituationen befinden, in Zuständen, die mit einer hohen Unsicherheit behaftet sind, so neigen wir extrem stark zu Wunschdenken.

In einer immer komplexeren Welt besinnen wir uns auf (scheinbar) einfache Lösungen. Warum greift „die Politik“ bei Clanverbrechen nicht härter durch? Die Lösung scheint doch auf der Hand zu liegen! Wirklich!? Nicht immer ist es so einfach, gerade wenn man in einem demokratischen Rechtsstaat lebt. Wir sehnen uns nach einfachen Lösungen. Übrigens wahrscheinlich der wichtigste Grund, warum Populisten Konjunktur haben. Ähnlich ist die Psychologie hinter den Verschwörungstheorien: Ist es nicht schön einfach, wenn das alles mit Bill Gates zu tun hat!? Über komplexe Zusammenhänge müssen wir uns keine Sorgen machen. Wir werden ja sowieso gesteuert. Hört sich blöd an? Geht aber auch an uns nicht spurlos vorbei.

Ähnliches passiert in schwierigen Zeiten auch mit uns selber.

Die 5 Phasen der Veränderung

Schwierige Zeiten sind immer Zeiten der Veränderung. Und Veränderung fällt uns als Menschen naturgemäß schwer. Nach einem neuen Ereignis kommt der Schock (Covid- Massenveranstaltungen werden abgesagt). Dann kommt der Widerstand, die Kritik, die Verneinung, dessen was man uns glauben machen möchte. „Das ist doch alles nicht so schlimm. Es wird bestimmt bald wieder so wie es einmal war. Der nächste Monat wird wieder ein guter Monat. Die Politik ist schuld“. Wunschdenken vom Allerfeinsten. Und dann kommt die Krise. Das Tal der Tränen. Wir realisieren, dass das was wir uns da ausgemalt haben, nicht stimmt. Die Veränderung wird dauerhaft sein. Wir werden dieses Jahr nicht in Urlaub fahren, keinen Stadionbesuch mehr machen können und eben auch keine Veranstaltungen in der bisherigen Form ausüben können.

Veränderungsphasen

Und dann, je schneller desto besser, kommt die Erkundungsphase. Wir probieren neue Sachen aus, wir kombinieren neu, experimentieren, werden kreativ, wir entwickeln Strategien. Und dann ist da die Akzeptanz. „Nix bliev wie ett wor“ sagt der Kölner. Die Erkenntnis ist gereift, die Welt ist eine andere Welt als vorher. Wir entwickeln wieder Selbstbewusstsein.

Fazit wann wir Wunschdenken vermeiden sollten

Gerade in schwierigen Zeiten ist es extrem wichtig, die Balance zwischen „Ruhe“ (nicht hektisch) bewahren und zielgerichtet nach vorne zu schauen, zu bewahren. Bahnbrechende Ereignisse verlangen uns vor allem zwei Sachen ab:

Je eher wir uns damit abfinden, externe Umstände, wie eine Pandemie, nicht beeinflussen zu können, desto schneller sind wir in der Lage, die Realität zu akzeptieren, Wunschdenken zu vermeiden und durch Anpassung- und Akzeptanzphase wieder nach vorne zu schauen und uns zu verändern.

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar