Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Was Unternehmen von Fußballvereinen lernen können

Digitalisierung und Veränderung sind eine Frage der Haltung. Soweit nichts Neues. Doch neulich in Hamburg- da war es wieder: Das Gefühl, dass Unternehmen sich in zwei Kategorien einteilen lassen. Diejenigen, die reagieren und diejenigen die agieren. Klar! Stark vereinfacht. Einen wahren Kern gibt es trotzdem. Nachdenklich bin ich mit meinem Team zurück Richtung Hotel gefahren und da habe ich es Fußballfan natürlich sofort erkannt: Das Millerntorstadion. Mit kam sofort der Gedanke, warum ein, eher mittelklassiger Verein wie der FC St. Pauli, “erfolgreich” ist. Und schon war ein Gedanke entstanden, eine Parallele zwischen Unternehmen und Sportvereinen herzustellen. 

Hier einige Impulse, was Unternehmen von Fußballvereinen lernen können. 

1. Es gibt einen Inhaber

Das heisst, es gibt eine Aufgabenteilung. Ein Inhaber eines FußballClubs ist derjenige, der die Gesamtverantwortung trägt, die langfristige Ausrichtung festlegt. Er ist analog zum Eigentümer den Unternehmens zu sehen. Er stellt die langfristige Perspektive über die kurzfristige Zielerreichung. Er stellt das Gesamtteam zusammen, zunächst den Coach, das Verwaltungspersonal, aber auch die Spieler, in Abstimmung mit dem Coach. 

2. Es gibt einen Coach

Der Coach im Sportverein ist der Trainer. Der Trainer stellt mit dem Inhaber die Mannschaft zusammen und hat sein Team an Spezialisten. Dabei kann der Coach eher ein sportlich versierter Fachmann sein, der in taktischen Details aufgeht (z.B. Ralf Rangnick) oder ein motivatorischer Anpeitscher sein, der Fachleute an seiner Seite hat und die zentrale Aufgabe darin sieht, seine Spieler auf den Punkt zu “temperieren” (z.B. Jürgen Klopp oder Jürgen Klinsmann). Ziel sollte es für einen Trainer immer sein, Spiele zu gewinnen und sein Team, jeden einzelnen Spieler jeden Tag etwas besser zu machen.

In Unternehmen sehe ich häufig, dass der Coach (und das muss im Unternehmen der Manager, der Geschäftsführer sein), gleichzeitig auch Inhaber oder Spielertrainer ist. Bedeutet, der Eigentümer muss einen Manager haben, und der Manager darf nicht Fachkraft sein. 

Übersetzt bedeutet das, dass der Manager managen soll. Managen heisst heute, in Zeiten des Digital Leadership, eben auch Coach sein. Seine Mitarbeiter besser machen. Das “Warum” erklären, eine Vision aufzeigen. Die besten Spezialisten suchen, die das Team nach vorne bringen. 

3. Spieler müssen Verantwortung übernehmen

Mal ganz ehrlich: Was doch richtig nervt sind diese ewigen Trainerdiskussionen im Fußball. Wenn es nicht läuft, dann ist es der Trainer schuld. Wie oft werden die Spieler in die Verantwortung genommen? Haben Sie schon einmal erlebt, dass ein Spieler gefeuert wird? Passiert eher selten. 

Und genau so kann ich es im Business nicht hören. Die Vertriebler, die jammern und Ausreden erfinden, die Marketer, die nicht profitabel arbeiten und sich vor Digitalisierungsprozessen wehren. JA! Digitalisierung ist Chefsache. Und NEIN: Es ist eben nicht NUR Chefsache. Am Ende ist es die Verantwortung jedes Einzelnen, alles in seinem Handlungsbereich Mögliche zu tun,  um Veränderungsprozesse nach vorne zu bringen. 

 

4. Gesamtes Team muss die Zuschauer mitnehmen

Kennen Sie das Momentum? Wenn im Stadion die Menschen aufstehen: Zur Hymne, zum Einlauf, zum Abpfiff. Bestimmt. Aber so richtig rund geht´s, wenn die Zuschauer merken, dass die Mannschaft gerade alles gibt, richtig fightet. Dann erhebt sich die Menge, klatscht frenetisch jeden Ballgewinn, jede Grätsche und die Mannschaft wird durch das Publikum gepusht. Da ist es: Das Momentum. Es gibt ihn im Spiel, aber auch daneben. Folge ist, dass die Mannschaft erst sich selbst pusht, dann das Publikum, und dann auch durch das Publikum extra gepusht wird. 

Im Unternehmen muss es genau so sein. Das Team, also die Mitarbeiter, müssen die Begeisterung auf den Kunden übertragen. Man bekommt das eher selten mit, wenn ein Mitarbeiter eines Unternehmens so richtig helfen möchte. Ich habe das erlebt, in meinem Lieblingscafe in Köln. Hier bin ich König, egal wonach ich frage. Oder auch im ICE im Bordrestaurant. Immer wieder gibt es Sie, die Teammitglieder, die den Kunden so richtig mitnehmen. 

 

5. Marke, Marke, Marke

In Zeiten der Digitalisierung wird sie immer relevanter: Die Marke von Unternehmen. Die Schnittstelle zum Kunden ist umso besser besetzt, desto stärker die Marke.

Und das wird uns spätestens bewusst, wenn wir ein Fußball-Spiel besuchen- egal ob beim 1. FC Köln oder bei FC St. Pauli oder bei Werder Bremen. Fußballvereine haben verstanden, wie wichtig die eigene Marke ist.

Unternehmen sind häufig nicht so weit. Plattformen versprechen kurzfristigen Erfolg, dürfen aber keine alleinige Strategie sein, da die Abhängigkeit immens ist. 

Weiteres zum Thema Kundenschnittstelle hier. 

 

So oder so: Besuchen Sie eine Sportveranstaltung und lernen Sie für Ihr Berufsleben! 

Von |2020-04-09T11:13:34+02:009. April 2020|Alle Beiträge, Unternehmertum|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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