Dr. Hubertus Porschen

| Keynote-Speaker | Gründer & Unternehmer

| Experte Digitalisierung, Social-Media & Unternehmertum

| Juror beim "Digital Champions Award" der Wirtschaftswoche

| ehem. Bundesvorsitzender des Verbands "Die Jungen Unternehmer"

Bedenken first, Tesla second | Kommentar zur Tesla-Fabrik in Brandenburg

Wo ist der German Mut?

Ich sehe es immer stärker: Die Deutschen haben Angst vor Veränderungen. Neuerungen und Veränderungen in diesem Land werden mit Angst begegnet. Wo ist der German Mut? Wo ist der Liberalismus und das Unternehmertum in Deutschland? Bis auf wenige „Hidden Champions“, die seit Jahrzehnten Wohlstand und Arbeit in Deutschland sichern, ist wenig geblieben im Land der Autobauer. Auch hier offenbart sich der Wandel: Teslas Aktienkurs, sicherlich gehypt, ist höher als der vom Autobauer Volkswagen. Jahrzehntelang hat sich die von der Bundesregierung subventionierte Automobilindustrie über den Unternehmer Elon Musk lustig gemacht. Das dürfte jetzt anders sein. Disruptoren, Veränderer und Menschen die anecken, werden nicht gerne gesehen. Alles bleibt wie es ist, schön bequem und kuschelig eben. Langsam versinkt der “Dampfer Deutschland”. (Mehr dazu in meinem Buch “Digitaler Suizid”). – Doch was sollen wir tun?

Make Unternehmertum great again

Der Staat muss dringender denn je einen Rahmen finden, in dem Unternehmertum in Deutschland nicht nur sexy, sondern wieder üblich wird. Amerika hat seinen Disruptor in der Politik gefunden (ohne jede menschliche Wertung). Deutschland ist immer noch bestenfalls Arbitrage-Unternehmer, eher Routine-Wirt. Aber wo sollen sie auch herkommen, die großen Veränderer in diesem Land? Aus einer politischen Elite, die mit sich selbst beschäftigt ist? (In den seltensten Fälle haben deutsche Abgeordnete Arbeitserfahrung außerhalb des politischen Systems und standen schon einmal in einem sozialversicherungspflichtigen Angestelltenverhältnis.) Aus einem Bildungssystem, in dem nahezu jegliche unternehmerische Kernkompetenz ausgeklammert wird? – Es braucht dringend eine Agenda 2030 für Bildung, für den Erwerb digitaler Kompetenzen und für eine Aufbruchstimmung, gepaart mit einem gesetzlichen Rahmen der unternehmerisches Engagement und Risiko nicht nur honoriert, sondern auch fördert.

Das Buch zur Digitalisierung

Das Buch zur Digitalisierung

Bedenken first, Tesla second

Sind wir doch mal ehrlich: Teslas geplante Gigafactory in Brandenburg (Grünheide) kann nicht die Antwort auf die Frage nach der Zukunft der deutschen (Internet- und Plattform-) Wirtschaft sein. Auf der anderen Seite zeigt sich aber wieder einmal ganz deutlich, wo die deutsche Wirtschaft, die Politik und die Gesellschaft hin driftet bzw. längst hin gedriftet ist: Zu einem Land der Bedenkenträger.

Ziele und Auswirkungen der Gigafactory sind fraglich

Eins ist klar: Die Gigafactory von Tesla-CEO Elon Musk ist letztlich eine Produktionsstätte. Ob und inwiefern die Arbeitsplätze „qualifiziert“ sind, ob hier Know-How entsteht, ob aus der Ansiedlung eine Sogwirkung entsteht die andere Unternehmen (im besten Fall innovative, arbeitsplatzschaffende Unternehmen) anzieht, das sei einmal dahingestellt.

Mein erster Gedanke, als ich von den Plänen von Elon Musk hörte, war der, dass ich dachte: “Nun ist es soweit. Wir produzieren Technologien, die im Ausland entwickelt werden. Ähnlich wie deutsche Unternehmen Produktionsstätten jahrzehntelang nach Asien outgesourct haben.“ – Klar ist: Deutschland hat noch immer keine Antwort auf die Plattformökonomie gefunden. Das zeigt Tesla deutlich. Letztlich wählt Elon Musk Deutschland nicht als Technologiestandort, sondern als Fabrikstandort. Was er zu hoffen findet, sind nicht die deutschen Ingenieure, sondern den deutschen Konsumenten und den deutschen Facharbeiter. So scheint es, als werden wir zunehmend zum Fließbandarbeiter, nicht der Chinesen (wie ich es einmal im Handelsblatt vorausgesagt habe), sondern zum ausführenden und konsumierenden Organ der Technologiekonzerne.

Das ist die eine Seite der Medaille. Nun hat Deutschland diesen Tatbestand zu handeln und in Anbetracht des nüchtern betrachtenden Umstandes, das ein Unternehmen geschätzte 12.000 Arbeitsplätze schaffen möchte, zudem in einem Technologiebereich in dem wir dringend Nachholbedarf haben, sollte man doch sagen: “Let´s go for it!”

Hier stellt sich der eigentliche Skandal an: Die Botschaft Deutschlands an die Welt lautet doch: Bedenken first, Technology second.

Fazit: Dann doch lieber die Bäckersfrau

Ob Teslas Gigafactory nach Deutschland kommt oder nicht, spielt letztlich keine Rolle, denn deren Produkte werden in jedem Falle kommen. Wenn nicht durch Tesla, dann durch einen der zahlreichen chinesischen Anbieter, die schon jetzt ganze Märkte umkrempeln. Die Antwort von Porsche ist dann ein Werbespot für den Super-Bowl, für den vielleicht größten Flop der Firmengeschichte, den Taycan. Autos die durch die Heidelberger Altstadt fahren, eine Bäckersfrau in Trachten – das ist Vergangenheit hoch zehn. Bahnbrechend ist hier gar nichts, nur die Peinlichkeit.

Die Botschaft der Tesla-Farce ist jedenfalls klar: Amerikanische und chinesische Technologiekonzerne werden sich in Zukunft ganz genau überlegen, ob und wie sie mit dem „Technologiemuseum-Deutschland” zusammenarbeiten wollen und werden.

 

Mein Buch, Digitaler Suizid zeigt das alles übrigens im Detail. 

 

Von |2020-05-03T21:14:41+01:0019. Februar 2020|Politik und Wirtschaft, Alle Beiträge|

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