Rezension: „Jahre des Jägers“ von Don Winslow

Jahre des Jägers von Don Winslow ist die Nummer drei der Saga rund um Art Keller und Adan Barrera. Gut gegen Böse. Cop gegen Gangster. Mexikanische Drogenkartelle vs. DEA. Ist das wirklich so einfach? Natürlich nicht. Und das hat Don Winslow schon mit den ersten beiden Teilen deutlich gemacht (Tage der Toten, Das Kartell). Insofern eigentlich nichts Neues. Bleibt die Message doch gleich.

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Zunächst einmal: Der Schreibstil hat sich geändert. Aus den kurzen, prägnanten (und teilweise brutalen) Sätzen sind ausführlichere Beschreibungen geworden. Der Autor schreibt für die breite Masse- das war mein erster Gedanke.

Stimmt nicht ganz. Denn: Die Handlungsstränge sind wesentlich komplexer und vielschichtiger geworden. Ob beabsichtigt oder nicht: Ganz einfach ist das nicht nachzuvollziehen.

Die Story „Jahre des Jägers“

Die Story ist: DEA Agent wird DEA Chef. Adan Barrera ist tot und der Kampf um seine Nachfolge entbrennt. Gleichzeitig werden alte, längst in Vergessenheit geratene Kräfte entfesselt.

Die Kartelle streiten sich und ein Konflikt der Generationen entwickelt sich.

Auf DEA Seite: Die Strategie wechselt. Aus dem „operativen Cop“ wird ein strategisches Masterplan-Brain. Wir folgen dem Geld und gehen gleichzeitig in die USA der heutigen Zeit um vom Kleinen beginnend zu den Strippenziehern zu kommen. Wir tauchen ein in verdeckte Ermittlungen, in die Zustände kleiner Drogenkonsumenten und in Knasthierarchien.

Gleichzeitig brechen drei jugendliche aus Guatemala in das verheißene Land, die USA, auf und nehmen die gefährliche Reise mit „la Bestia“ (bekannter Güterzug, der durch Mittelamerika geht) auf sich. Ob Sie in den USA wirklich das bekommen, was Sie sich erträumen?

Alle diese Geschichten (und ich gehe hier nicht auf die weiteren Nebenstränge ein) laufen irgendwann zusammen. Zumindest zum Teil.

Die Geschichten sind voller großartiger Charaktere. Super und absolut packend erzählt- wenngleich es sich eindeutig „um einfache Sprache“ handelt.

Aber ganz klar: Der Krimi ist ein unglaubliches Lesevergnügen.

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Whats new?

Neu ist die politische Brisanz die Don Winslow diesmal eindeutig einbringt. Parallelen zu heutigen Akteuren des politischen Lebens (großartig die Twittertiraden von Präsident Dennison als ehemaliger Bauunternehmer) sind offensichtlich und trotzdem intelligent, treffend und witzig.

Don Winslow beschreibt es so, dass es noch der letzte Leser verstehen kann. Es gibt Grenzen wirtschaftlicher Vernunft (Trennung von Kindern und Eltern), es gibt kein Schwarz und Weiss (explizit bezogen auf die Null-Toleranz-Drogen Politik) und die Grenzen zwischen Gut und Böse verlaufen sowieso.

Don Winslow bezieht ganz klar Stellung. Gegen einen populistischen Lügner, einen eindeutigen Profiteur von Fake-News. Auf eine in der Regel recht differenzierte Art.

Und das ist gut so. Und deswegen sollte das Buch „Jahre des Jägers“ jeder lesen, der sich für eine immer weiter auseinanderdriftende Gesellschaft, die Ursachen und mögliche Lösungsansätze interessiert. Mir hat es jedenfalls sehr geholfen und zum Nachdenken angeregt.

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Von |2019-03-31T10:41:34+02:0031. März 2019|Bücher Rezension|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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