Das Politikjahr 2018

Fangen wir mit dem Positiven in 2018 an. Den oder dem politischen Gewinner 2018. Danach kommen wir zu den Verlierern, die leider in der Überzahl sind.

Der politische Gewinner 2018

„Wir bleiben sitzen“, „wir sind nicht diejenigen, die aufstehen, wenn es schwierig wird“ (Zitat auf einem Vortrag im September 2018 in Zürich). Das war der einzige Ratschlag, den Joschka Fischer seinen Parteigenossen zu den Jamaika-Koalitionsverhandlungen gegeben hat. Und dieser Ratschlag erwies sich im Nachhinein als goldrichtig. Denn:  Jamaika (und seine Folgen) war 2018 überall zu spüren. Ein Hauch von Wehmut, ein Hauch von Niedergang schon fast.

Und profitiert haben nicht die Liberalen, die Linken oder die Rechten, sondern ganz klar die Grünen. Allen voran Ihr sympathischer, nicht überheblicher, gar smarter und ganz unprätentiöser Vorsitzender Robert Habeck. Die Grünen machen nicht viel falsch, hat man den Eindruck. Sie haben sich nicht gescheut, Verantwortung zu übernehmen bzw. diese anzubieten. Und schon sind Sie da!

Eine weitere Gewinnerin ist die neue Vorsitzende der CDU, Annegret Kramp Karrenbauer. Ich denke nicht, dass Sie den Aufgaben und dem Profil einer Kanzlerin gewachsen ist. Menschen wachsen mit Ihren Aufgaben und das wünsche ich Ihr auch (Meine Meinung zu: AKK).

Die Looser 2018

Die „Altparteien“, die beiden Großen, die im Moment immer noch Regierenden, haben sich wieder (wenn auch notgedrungen) in eine GroKo gerettet (Meine Meinung zur GroKo3). Und so wirkt es auch heute, 12 Monate später immer noch. Ganz viel Reaktion, ganz wenig Aktion. Ganz viel Sich-Ans-Ufer-retten und ganz wenig Vision. Ganz wenig Inhalt (Um Inhalte geht es schon lange nicht mehr). Ganz wenig Plan. Ganz wenig Aufbruchstimmung. Die einzelnen Verlierer aufzuzählen, ist fast nicht mehr möglich. Hier ein paar Wenige (ich könnte diese Liste sehr viel weiter fassen 😊):

  • Kevin Kühnert (Kühnert für Deutschland), Vorsitzender der Jusos. Immer wieder gemeckert, immer wieder quergeschossen. Ganz wenig Lösungen. Ähnlich wie der neue General der CDU, Ziemiak, wünscht man sich, dass sie neben Ihren nicht abgeschlossenen Berufsausbildungen (das ist kein Makel!) wenigstens ein wenig Arbeitserfahrung ausserhalb der politischen Blase Berlins gesammelt hätten. Angetrieben von Machtwillen (bei kompletter Abstinenz einer Persönlichkeit: Wie und wann hätte sich die auch bilden können??), wabert die politische Zukunft Deutschlands durch Interviews und nichtssagende Talkshows, stets in der Hoffnung, die eigene Basis ruhig zu stellen. Das sind Indianer. Keine Häuptlinge. Schade. Aber das System bringt sie hervor.
  • Horst Seehofer: Puh. Wo soll man da bloss anfangen. Ein würdeloser Machtkampf. Ausgetragen in Bayern (mit Söder) und Berlin (Merkel). Auf der Strecke geblieben: Die Wähler. Und Seehofer. Und Merkel. Und die Politik. Vor allem die GroKo. Aber auch das ganze Land. Wenn man sich mit sich selbst beschäftigt, hat man wenig Zeit, die großen Dinge anzugehen. Seehofer hat sich einen Teil seiner Lebensleistung in den letzten 12 Monaten versaut. Seinem Land hat er einen Bärendienst geleistet (Artikel Seehofer).
  • Die SPD sieht sich einem selbstgemachten Absturz ausgesetzt. Andrea Nahles, Sigmar Gabriel und Martin Schulz wurden allesamt abgestraft für Ihre politischen (Nicht-)Leistungen. Das tut auch Nicht-SPD Anhängern weh.
  • Medien: „Die Medien“ haben es auch 2018 nicht geschafft, wirkungsvolle Rezepte gegen Fakenews zu entwickeln. Damit meine ich hauptsächlich die Klassischen: Zeitungen, TV-Sender, Radio. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich diese weniger konsumiere. Sinnbildlich der Cambridge-Analytica Skandal (Cambridge Analytica Skandal), der nicht nur auf viele Politiker ein eher bescheidenes Licht warf.

Aber gut. Schwarz und weiss, Gewinner und Verlierer- so einfach ist die Welt nicht. Es gibt auch noch etwas „dazwischen“. Allen Unkenrufen zum Trotz wurde Donald Trump seines Amtes noch lange nicht enthoben. Er ist mehr denn je Realität und kein böser Traum. Und: Er bestimmt zunehmend das weltpolitische Geschehen. Im Gegensatz zur EU hat er die Gefahr aus China erkannt und Maßnahmen ergriffen. Man kann Ihm jedenfalls nicht vorwerfen, dass er nicht die Initiative ergreift. Er sucht den Konflikt und geht ihm nicht aus dem Weg.

So hat die europäische Union es auch 2018 nicht geschafft, Einigkeit, zu demonstrieren (Wie Europa nicht funktioniert). China freut sich darüber. Dieses Land hat eine Agenda, eine Vision, die bedingungslos nach vorne getrieben wird.

Ende des Jahres haben uns die Franzosen gezeigt, wie Demokratie auch funktionieren kann. Und nicht nur mit brennenden Autos (wie häufig in den Medien kommuniziert) sondern vor Allem friedlich und trotzdem mächtig. Die Gelbwesten-Proteste (Was wir von den Gelbwesten lernen können!) haben mir persönlich sehr imponiert. Zeigen Sie doch, wie viel Macht von einem engagierten „Volk“ ausgehen kann.

Bei all den heiklen Themen, die Deutschland 2018 bewegten, war jedoch kein Thema so heiss diskutiert, wie die Özil-Affäre. Man mag es auf das Sommerloch schieben, auf den Frust über das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft. Ich habe in einem- übrigens mit Abstand- meistgelesensten- Artikel (Özil Affäre) in meinem Blog meine Meinung kundgetan. In vollem Bewusstsein, damit anzuecken.

Und eines sei meinen Lesern versprochen: Das mache ich auch 2019.

 

Von |2019-01-03T18:36:34+02:003. Januar 2019|Alle Beiträge, Politik und Wirtschaft|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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