Interview mit Daniel Dettling, Zukunftsforscher

Interview mit Daniel Dettling, Zukunftsforscher

“Menschliche Intelligenz macht in Zukunft den Unterschied.”

Was meinen Sie, wenn Sie sagen: „Der unternehmerische Politiker ist der bessere Populist?“

Er (oder sie) ist der bessere Populist, weil er nicht dem Volk „auf‘s Maul“ schaut, sondern mit den Bürgern redet und sie in seine Entscheidungsfindung einbezieht. Der schlechte Populist manipuliert und instrumentalisiert das Volk, der gute Populist nimmt die Menschen ernst und setzt auf eine Politik auf Augenhöhe.

Haben Sie auch eine Vorstellung vom Unternehmer der Zukunft? Wie sollte er aussehen?

Der Unternehmer/die Unternehmerin der Zukunft setzt auf Kollaboration, Ko-Kreativität und hierarchiefreie Kommunikation. Er (oder sie) ist agil und sieht in Konflikten und Diversität keine Bedrohung, sondern eine Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg.

 Weshalb haben viele Menschen das Gefühl, dass Globalisierung und Digitalisierung an ihnen vorübergehen, ihnen keine Vorteile bringen oder sogar Nachteile?

Die Vorteile sind für die Menschen individuell oft nicht messbar und nachvollziehbar. Die Risiken dagegen schon: möglicher Arbeitsplatzverlust, De-Qualifizierung, Wettbewerbs- und Lohndruck etc.

Welche Optionen hat die Politik diese „Unverstandenen/Ungehörten“ wieder in das Gemeinschaftswesen einzubinden?

Es geht um einen breiten Ansatz des gesellschaftlichen Zusammenhalts, angefangen von den Schulen über das freiwillige Engagement bis hin zur Verantwortung der Unternehmen. Jeder hat eine zweite, dritte und vierte Chance verdient. Wichtiger werden Brückenangebote zwischen existenziellen Krisen wie zum Beispiel ein (bezahltes) Sabbatical auch für Arbeitslose oder Alleinerziehende.

Was passiert Ihrer Ansicht nach, wenn das nicht gelingt?

Die Gesellschaft würde sich weiter spalten: in jene, die (gut) arbeiten und ihren Lebensunterhalt bestreiten können und jene, die prekär beschäftigt oder arbeitslos sind.

Wer sind die Unverstandenen und Ungehörten? Ist es der Mittelstand oder eine andere definierte Bevölkerungsgruppe?

Gemeint sind die alte Mittelklasse und die neue Unterklasse. Während die alte Mittelklasse angesichts des Strukturwandels um ihren Status fürchtet und weniger mobil ist als die neue Mittelklasse und winzige Oberschicht, handelt es sich bei der neuen Unterklasse um ein Dienstleistungsproletariat, das täglich um das finanzielle Überleben kämpft.

Welche Rolle spielt Bildung für die demokratische Zukunft?

Bildung wird zur alten und neuen sozialen Frage. Im kreativen Kapitalismus erweitert sich das Humankapital um soziales und kulturelles Kapital. Neugierde, Irritierbarkeit und Kreativität unterscheiden uns Menschen von Maschinen und künstlicher Intelligenz. Menschliche Intelligenz macht in Zukunft den Unterschied. Alles, was die Maschinen besser und schneller machen können, werden sie machen. Bildung muss daher in Zukunft weniger kognitives und mehr soziales und kulturelles Wissen vermitteln. Erst durch dieses Wissen gewinnen wir an Selbstbestimmung, Selbstwirksamkeit und sozialer Zugehörigkeit.   

Mehr dazu auch im Buch „Digitaler Suizid“.

Von | 2019-01-15T10:50:57+01:00 2. Oktober 2018|Alle Beiträge, Interviews|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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