Damit man mich von vornherein nicht falsch versteht: Ich geniesse meine Freizeit. Ich fahre gerne in Urlaub. Ich freue mich auf Sonntagswanderungen. Ich gehe Samstags morgens gerne in aller Ruhe in der Kölner Südstadt laufen und einkaufen. Und noch vieles mehr. Ich liebe aber auch meine Tätigkeit und meinen Job. Wenn ich im Urlaub Blogartikel schreibe oder gewisse strategische „Arbeit“ verrichte in dem ich nachdenke, so ist das für mich keine Arbeit im klassischen Sinne, sondern Freizeit.

Manic Monday oder Freaky Friday

Ich bin der festen Überzeugung, dass es ein Glaubenssatz ist, dass wir Erholung brauchen in dem wir die Arbeit komplett liegen lassen: Ob am Wochenende oder im Urlaub. Ein Denkfehler liegt doch schon darin versteckt, dass ich, wenn ich alles stehen und liegen lasse, bei Wiedereinstieg direkt wieder im Stress-Modus bin. Ein Stapel Rechnungen, hunderte E-Mails, Mahnungen, Projekte die zu Ende geführt werden müssen. Da ist die Erholung aus dem Wochenende oder dem Urlaub ganz schnell verflogen und wir sind wieder im Alltagsstress.

Ist es nicht viel cleverer, seine Arbeit so zu strukturieren, dass diese auch zu meinen Abwesenheiten weiter (bzw. teilweise weiter) läuft? Ist es nicht einer der größten Fehler, sich selbst, egal ob Chef oder Angestellter so unabdingbar zu machen, dass ohne uns gar nicht mehr läuft.

Für Unternehmer ist es doch ganz klar: Mach dein Unternehmen so fit, dass es auch ohne dich läuft. Unternehmerarbeit ist Personalauswahl, Vision, Spirit- eben strategische Aspekte- nicht Hamsterrad. Wie siehts für den mündigen Angestellten aus? Meines Erachtens genau so: In der heutigen Zeit bemisst sich der Wert eines Angestellten nicht mehr nach seiner physischen Anwesenheit– den durchgeklopften Stunden, sondern nach den erreichten Zielen. Je nachdem wie diese gestaltet sind, ist eine teilweise physische Anwesenheit notwendig- aber aus meiner Erfahrung heraus seltener (siehe hierzu auch Tim Ferris- 4 Stunden Woche) als gedacht.

Ich schreibe darüber so ausführlich, weil ich denke, dass es einen Unterschied gibt, zwischen Inhalten des Jobs und den Rahmenbedingungen. Oben sprach ich über die Rahmenbedingungen, die sich in fast allen Fällen so gestalten lassen, dass die Tätigkeit auch Spass macht. Bei den Inhalten ist das nur bedingt so: Wer gerne an der frischen Luft und körperlich arbeitet, wird sich in einem klassischen „Bürojob“ nicht wohlfühlen.

Die Digitalisierung und die privilegierte Stellung Deutschlands machen es möglich!

Wer also die Rahmenbedingungen so gestaltet hat, wie es ihm gefällt und trotzdem Montags schon den innerlichen Countdown einstellt, der sollte sich schnellstmöglich mit sich selbst beschäftigen (z.B. Big Five von John Strelecky) und einen anderen Job suchen oder sich je nach Interessenlage selbstständig machen. Dafür gibt es zwei Gründe:

  • Der erste Grund ist, dass wir in Deutschland geboren sind. Gerade meine Generation (1982-er Jahrgang) wächst in Frieden und Wohlstand auf. Es ist unstrittig so, dass in Deutschland jeder die Chance hat, sein Leben so zu gestalten, wie er es möchte. Wer akzeptiert, dass Ergebnisse auf Leistung beruhen und nicht auf Glück, hat alle Chancen, jedes Ziel zu erreichen. Jemand der in Bangladesch aufwächst, hat diese Chancen mitnichten.
  • Der zweite Grund ist, dass die Digitalisierung dazu führt, dass heutzutage jeder die Möglichkeit hat, ein Unternehmen aufzubauen. Wir benötigen in einer zunehmend dematerialisierten Welt kein exorbitantes Startkapital um bspw. ein Gebäude zu bauen. Blockchain und FinTech-Start-Ups führen dazu, dass nahezu Jeder die Möglichkeit hat, Kapital zu akquirieren. Die Abhängigkeit von Banken ist in den letzten Jahren stark gesunken. Wenn der Faktor Kapital keine große Rolle spielt, bleiben immer noch die Produktionsfaktoren Arbeit und Wissen. Arbeit und im Speziellen digitale Arbeit ist heute global und ortsunabhängig. Wir können die besten Spezialisten auch in Ländern wie China oder Vietnam finden und sind nicht auf (die sowieso nicht vorhandenen und wenn dann durch steigende Lohnnebenkosten sowieso zu teuren) Ressourcen in Deutschland angewiesen. Beim Thema Know-How sieht es ähnlich aus! Ein Schelm wer glaubt, dass unser Bildungssystem notwendige oder ausreichende Kompetenzen vermittelt. Die gute Nachricht: Wissen ist heutzutage so günstig und einfach verfügbar wie nie!

Was ich damit sagen möchte: Wir alle haben ein Wahl. Das Risiko eines Nicht-Gelingens ist extrem gering. In Deutschland verhungert niemand, weil er keine Unterstützung durch die Solidargemeinschaft erfährt.

Deswegen liegt der Schluss nahe: Wer seinen Job nicht liebt oder zumindest mag, macht etwas falsch. Noch nie war es so einfach sich Arbeit zu suchen, die einen auch so erfüllt, dass man sich auf den Montag freut und nicht dem Freitag entgegenfiebert.

 

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