Das Spiel der Großen- Lieber meckern als Arbeiten

Liest man die politischen und wirtschaftlichen Meinungen in deutschen Zeitungen so kann einem manchmal nur schlecht werden. Sie sind immer mehr von einer Unwissenheit, fehlender wirtschaftlicher Kompetenz und dem immer stärker werdenden Ruf nach Vater Staat geprägt. Die Zeitungen sind m.E. ein Spiegel der Gesellschaft und bilden leider (wenn auch nicht mehr so stark wie vor 10 Jahren) einen Teil der öffentlichen Meinung. Ein anderer Teil der Meinungsbildung geschieht durch Politiker. Und da gleichen sich Zeitungen und viele Politiker doch sehr:

Alles Neue und Nicht-Verstandene wird verteufelt

Was mich ärgert: Neue Dinge werden zunächst einmal verteufelt. Digitalisierung vernichtet Arbeitsplätze. Facebook verkauft unsere Daten (Ich habe hierzu bereits zwei Artikel veröffentlich: „Der Facebook Skandal“ und „Der Preis des Kostenlosen“). SPD Parteitag: „Andrea Nahles, sieht eine der großen Herausforderungen für die deutsche Sozialdemokratie in der Bändigung des digitalen Kapitalismus“ (Rede vom 22.4.2018). Nahles betont dann auch die soziale Verantwortungslosigkeit der amerikanischen Internetkonzerne im Gegensatz zum kleinen Einzelhändler. Hier Frage ich mich, welche Verantwortung der „kleine Einzelhändler“ übernimmt. Bei meinen Besuchen in lokalen Geschäften in den letzten Jahren konnte ich jedenfalls von einer wirklichen Kundenzentrierung oder einem gewissen Servicelevel wenig feststellen. Aber vielleicht lebe ich da in einer anderen Welt als Frau Nahles.

Eine FAS Redakteurin (Livia Gerster) fordert ein durch die öffentliche Hand gestelltes Facebook, das mit dem „richtigen“ Facebook verbunden ist. Zitat „Wir brauchen ein Facebook, dass nicht gegen uns, sondern mit uns arbeitet.“ Was für eine Farce? Schlechter Witz am Sonntag. Ich jedenfalls wünsche mir, dass die Automobilkonzerne mit mir als Kunden arbeiten und nicht gegen mich (#Dieselskandal).  Schliesslich zahle ich für meinen Diesel. JA, Facebook ist eine Datenkrake. Weil die Daten an Werbetreibende verkauft werden, verdient das Netzwerk Geld. Wir als Konsumenten sind noch nicht bereit für diese Dienstleistung zu zahlen. Daher zahlen wir mit unseren Daten.

Wenn ich mir aber überlege, dass unser Staat ein soziales Netzwerk bereitstellen will, dass mir einen Mehrwert bieten soll, lache ich mich kaputt. Unser „Staat“, im Wesentlichen sind es die Kommunen und Städte, schaffen es ja nicht einmal ein einfaches Formular für die Anmeldung eines Gewerbes online zu stellen und die eigenen Verwaltung auch nur ansatzweise zu digitalisieren. Und dann frage ich mich, wem ich meine Daten lieber kostenlos zur Verfügung stelle: Facebook oder dem Staat. Ich wüsste wofür ich mich entscheide. Beispiel: Cameron und Co haben in England tatsächlich erwogen, Dienste wie whatsapp zu verbieten, da diese durch die Verschlüsselung Ihrer Daten, dem Staat keine „Schlupflöcher“ bieten um im „Notfall“ darauf zurückzugreifen.

Wir können die Digitalisierung nicht aufhalten!

Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Wir merken bisher nur erste Folgen dieser Welle, die die nächsten Jahrzehnte unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens darstellen wird. Wir stopfen Löcher in einen Tanker, der ein ganz ordentliches Leck abbekommen hat. Auch Deutschland wird den Prozess des digitalen Wandels in allen Lebensbereichen nicht aufhalten können. Weder Journalisten noch Politiker schaffen das. Sie schaffen es bisher nur, Stammtischparolen „rauszuknallen“ und dafür zu sorgen, dass wir alle schön in unserer Komfortzone bleiben. Was ist aber die Alternative?

Es wird Zeit, anzupacken und nicht rumzujammern!

Stellen wir uns den Herausforderungen des Wandels. Fangen wir an zu gestalten. Finden wir uns damit ab, dass wir eine technologiezentrierte Zukunft nicht aufhalten können. Ich wünsche mir:

  • Eine politische Führung, die eine strategische Vision für unser Land entwickelt (China verfolgt den Weg einer Technologieführerschaft, hat dafür entsprechende Rahmenbedingungen und Massnahmen in die Wege geleitet….).
  • Eine sachliche Diskussion darüber, wie wir Rahmenbedingungen setzen könnten, dass wir auch Gründungen in Deutschland beschleunigen, die unserem Datenschutzanspruch gerecht werden. Bis heute ist in Deutschland zu wenig Risikokapital auf dem Markt. Der Staat kann durch Steuererleichterungen Investition begünstigen oder auch nach amerikanischem Vorbild (und das ist m.E. der größte Hebel) einen Teil der Rentenversicherungsbeiträge in Fonds investieren, die junge, innovative Start-Ups fördern.
  • Eine ernsthafte Digitalisierung unserer Verwaltung um Entbürokratisierung zu begünstigen
  • Journalisten, die auf Fachthemen spezialisiert sind und auch in der Lage sind, unabhängig Ihrer politischen Coleur, tiefgehend zu recherchieren und Pro und Contra, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Die sich mit realistischen Lösungsvorschlägen auseinandersetzen.

Ich glaube nicht, dass sich das Land der Dichter und Denker, das Land der Ingenieure, das Land der großen Unternehmerpersönlichkeiten, das Land der hidden Champions verstecken muss. Ich glaube, dass die produzierenden Unternehmen, auch in einer zunehmenden dematerialisierten Welt, ein sehr großes Asset und ein gutes Fundament darstellen… Wenn wir nur endlich aufhören einseitig zu meckern und endlich anfangen zu überlegen, wie wir im Spiel der „Großen“ auch wieder mitspielen können!

Von | 2018-05-31T16:27:04+02:00 22. April 2018|Digitale Transformation|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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