Cambridge Analytica- Ein Skandal der gar keiner ist

Ein Held, der fällt. Das lieben wir Deutschen gerne. Wir lieben nicht so sehr die Aufsteiger-Geschichten. Wir lieben es, wenn alles so bleibt wie es ist und wir am Ende sagen können: Wusste ich doch von Anfang an. Der „Daten-Skandal“ rund um Facebook, Mark Zuckerberg und Cambridge Analytica ist von einer Unwissenheit geprägt, die seinesgleichen sucht. Roland Lindner schreibt in der FAS über Mark Zuckerberg „Absturz eines Überfliegers“: „Das geschieht ihm Recht“. Und ja: Einige Unternehmen haben sich von Facebook getrennt. Allen voran Elon Musk, der in Mark Zuckerberg einen Rivalen sieht, hat die Profile seiner Unternehmen SpaceX, Tesla und seines eigenen Accounts in einem mega-Ego Trip wie immer sehr öffentlichkeitswirksam, gelöscht.

50 Millionen Daten von Nutzern seien unrechtmäßig von Facebook weitergegeben worden, liest man in den deutschen, immer noch größtenteils technologiefeindlichen Mainstreammedien. Der deutsche Datenschützer spitzt schon mal den Bleistift… Doch der Reihe nach. Um den „Daten-Skandal“ und Cambridge Analytica zu verstehen, müssen wir zunächst einmal Facebook verstehen.

Die Ursprünge von Facebook

Facebook verdient sein Geld zu nahezu 100 % mit den Erlösen aus Werbeeinnahmen von Unternehmen. Diese können basierend auf den eingegebenen Daten der Nutzer, zielgruppengerechte Werbung schalten. Je mehr Daten die Nutzer eingeben, desto besser für Facebook. Das ist das Geschäftsmodell. War es aber nicht immer. Ursprünglich hatte Facebook ein anderes Geschäftsmodell im Sinn. Facebook hat im Gegensatz zu StudiVZ und anderen sozialen Netzwerken früh auf offene Schnittstellen gesetzt und Drittanbietern die Integration von Apps ermöglicht. Facebook hatte so die Option, ähnlich wie Apple oder Google durch den Verkauf von Applikationen und damit verbundenen Provisionen, Geld zu verdienen.

Drittanbieter dieser Apps sind z.B. Spielehersteller wie Farmville. Möchte man die Apps nutzen so wird man zur Freigabe seiner Profildaten aufgefordert. Manche Apps fordern die Freigabe von mehr Daten (nicht nur Likes, sondern auch Freundeslisten, die Erlaubnis zu posten etc.), andere fordern nur ein Minimum an Daten. Die Entscheidung über den Umfang der Datenerhebung obliegt dem Drittanbieter. Facebook hat entgegen der geläufigen Meinung, sehr präzise Datenschutzvereinbarungen für Entwickler, die die Drittanbieter bestätigen müssen. Facebook stellt durch die eigene Schnittstelle auch sicher, dass die  Nutzer bei Bestätigung der App informiert werden, welche Daten Sie freigeben.

Der Fall Cambridge Analytica

Im Falle des Datenskandals rund um Facebook werden nun viele Dinge miteinander vermischt. Daher hier die Faktenlage kurz und knapp:

  • 2013 wurde eine Facebook-App von Psychologieprofessor Dr. Aleksandr Kogan entwickelt, die den Namen „thisisyourdigitallife“ trägt. Wie tausende andere Apps, die auf sozialen Netzwerken kursieren ist die App eine bestimmte Form eines Persönlichkeitstestes. Der Nutzer muss, um das Ergebnis dieses Testes zu sehen, seine Daten freigeben.
  • 000 Nutzer haben diesen Test gemacht und rund 100 Fragen beantwortet und Ihre eigenen Profildaten an den Spielentwickler weiter gegeben.
  • Die Firma, die die Daten generiert hat, darf laut Facebook Entwicklerrichtlinien, die Daten selbst auswerten und nutzen, aber nicht an Dritte weitergeben.
  • Nun hat Cambridge Analytica die Daten von des Spieleentwicklers gekauft, was definitiv gegen die Richtlinien von Facebook spricht.
  • Facebook hat mit Bekanntwerden des Missbrauchs alle an den illegalen Aktivitäten Beteiligten von der Plattform ausgeschlossen.

Cambridge Analytica und Trump

Der ganze Fall gewinnt an Brisanz, weil Cambridge Analytica das Unternehmen ist, welches Trump massgeblich zu seinem Wahlsieg verholfen haben soll. Ebenso werden dem Unternehmen Verbindungen zu Unterstützern der Brexit Kampagne nachgesagt. Unterstützt wurden die Kampagnen, so die FAS, vom amerikanischen Milliardär und zunächst Cruz-, dann Trump-Unterstützer Mercer. Alles in allem ist es extrem schwer, Fake News von Fakten zu unterscheiden. Ist die Recherche „der deutschen Medien“ (Spiegel, Bild, FAZ, FAS, Handelsblatt) ähnlich abgelaufen wie bei der Aufarbeitung von Facebooks Fehlern, dann schenke ich den Berichten wenig Gehör.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Das ist alles nichts Neues. Unternehmen generieren Daten, nicht nur über Facebook, sondern über Ihre Webseite, über Fingerprints (hier kann anhand spezifischer Merkmale des Computers, des Browsers, der Geschwindigkeit des Tippens und weiteren Merkmalen ein Nutzer identifiziert und mit einer bestimmten Botschaft bespielt werden) usw..

Uns muss bewusst sein: Unsere Aktivitäten im Internet sind nicht anonym. Alles was wir im Internet machen (jeder Webseitenbesucht, jeder Klick, jedes Scrollen) wird getrackt. Amerikanische Unternehmen sind wesentlich weiter als deutsche Unternehmen. Das ist ein zunehmender Wettbewerbsnachteil für die deutsche Industrie. Es ist wie bei so vielen Dingen: Wir können die Digitalisierung nicht aufhalten. Wir müssen einen vernünftigen Ordnungsrahmen schaffen, Unternehmen wie Facebook (das gilt dann aber auch für jedes deutsche Unternehmen) verpflichten, Nutzer über Datenerhebungen besser aufzuklären.

Viel wichtiger ist: Wir müssen selbst ein Bewusstsein für unsere Daten entwickeln (siehe auch: der Preis des Kostenlosen). Das Wissen über unsere Daten, über Methoden der Datenerhebung gehört dringend in unser Bildungssystem! Am aller Wichtigsten finde ich, dass wir uns an die eigene Nase packen sollten. Einem absoluten Vorzeigeunternehmer wie Mark Zuckerberg, den wir in Deutschland schon seit Jahrzehnten nicht mehr hatten, den Niedergang zu wünschen ist einfach nur peinlich. Augenscheinlich sind wir in Deutschland bald soweit abhängt, dass wir uns abschotten. Lassen wir doch direkt den Staat ein neues Google entwickeln, anstatt die Rahmenbedingungen für innovative Unternehmensgründungen (vielleicht auch im Bereich des Datenschutzes!) zu verbessern!

Weiterführende Quellen:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Cambridge-Analytica-Facebook-schliesst-umstrittenes-Unternehmen-aus-3997615.html

http://www.thomashutter.com/index.php/2018/03/facebook-datenskandal-account-loeschen-wir-bezahlen-mit-daten-mimimi-wir-sollten-alle-mal-klartext-sprechen/

http://www.handelsblatt.com/politik/international/facebook-skandal-cambridge-analytica-hatte-wohl-verbindung-zu-brexit-kampagne/21112184.html

https://developers.facebook.com/policy

Von | 2018-05-31T16:20:40+02:00 25. März 2018|Big Data|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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