Sehr geehrter Herr Dr. Porschen,
Ihr Beitrag vom 12. Januar 2018 zum „Elterngeld Plus“ hat meine Lebensgefährtin und mich zu dem folgenden Erfahrungsbericht inspiriert.
In Ihrem Beitrag weisen Sie auf eine Notlage hin, die uns im September vergangenen Jahres dazu veranlasst hat, einen Betreuungsplatz für unseren zwei Jahre alten Sohn in einer der Kindertagesstätten der Stadt Köln einzuklagen.

Möglich wurde eine solche Klage allerdings erst, nachdem uns das Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln, nach fast einem Jahr Ungewissheit, einen Teilablehnungsbescheid zugesandt hatte. Aus diesem ging hervor, dass unser Sohn zu dem von uns gewünschten Aufnahmetermin aufgrund erschöpfter Kapazitäten keinen freien, bedarfsgerechten und wohnortnahen Betreuungsplatz in einer städtischen
Kindertageseinrichtung erhält.

Die als Alternative angebotenen Tagespflegepersonen stellten keine zuverlässige und dauerhafte Entlastung für uns dar. Unserer Erfahrung nach handelt es sich bei den zur Verfügung stehenden Tagespflegepersonen häufig um nicht pädagogisch qualifiziertes Personal, deren Haushalte oftmals nicht ideal auf kindliche Bedürfnisse abgestimmt sind.

Ein patenter Rechtsanwalt erklärte uns, dass die Vergabestelle der Stadt Köln auf den Teilablehnungsbescheid den Nachweis erbringen müsse, dass die Kindertagesstätten tatsächlich keine Kapazität besitzen, um ein zusätzliches Kind in einer ihrer Einrichtungen aufzunehmen. De facto könne sie diesem Anspruch aber schlicht und ergreifend nicht gerecht werden (Stand Mitte Oktober 2017).
Nachdem unser Rechtsanwalt per Eilklageverfahren Wiederspruch gegen diesen Teilablehnungsbescheid für uns eingelegt hatte, erhielten wir Mitte November 2017 einen Reservierungsbescheid für eine Kindertageseinrichtung, ganz in der Nähe unseres angegebenen Wunschortes. Zuvor wurden uns als „Kompromisslösung“ diverse Tagespflegepersonen vorgeschlagen, die jedoch nicht unseren wöchentlichen Betreuungsbedarf decken konnten. (Erwähnenswert ist, dass die hierfür notwendigen Anwaltskosten – nämlich die der Erstberatung – vom Amtsgericht der Stadt Köln paradoxer Weise getragen wurden.)

An dieser Stelle noch ein paar Worte zu Ihrem Beitrag ElterngeldPlus:
Da heutzutage häufig beide Elternteile berufstätig sind, sei es aufgrund der finanziellen Notwendigkeit oder der Gleichstellung von Mann und Frau, ist die Kitaplatz-Problematik ein wichtiges Thema, dass doch alle Beteiligten unserer Gesellschaft (Politische Akteure, Eltern und Arbeitgeber) aktuell und zukünftig beschäftigen sollte.

In unserer Kindertagesstätte bekommen wir regelmäßig den Eindruck vermittelt, dass wir unser Kind abgeben, um uns im Anschluss einen entspannten Tag zu machen. Die Stimmung unter den Erzieher*innen ist angespannt und die Laune ist erstaunlicherweise Freitag sprich vor dem Wochenende – immer besser als am Montag darauf. Häufig werden unsere individuellen Fragen, Bedürfnisse und Wünsche ungern berücksichtigt. Idealerweise wird unser Sohn möglichst spät in die Kita gebracht und am Besten nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf umgehend wieder abgeholt. Man hat den Eindruck, dass sich um die unliebsame Aufgabe der Kinderbetreuung keiner mehr so recht kümmern möchte – selbst die Erzieher*innen nicht.

Dabei sollen Kinder doch die Zukunft unserer Gesellschaft sein! Das wird doch von allen Seiten immer wieder betont. Wir fragen uns, warum dieses Thema nicht längst angemessen von allen Teilen der Gesellschaft beachtet wird. In der Politik ließen sich hierüber doch sogar Stimmen gewinnen
und Mehrheiten generieren. Ohnehin stellen wir uns die Frage, ob der Zustand, dass politische Akteure häufig nur auf Stimmenfang aus sind und sich lediglich solchen Themen widmen, die mehrheitsfähig sind, noch zu unserer modernen Welt passt.

Wir sind uns sicher, dass der Bürger auf Dauer merkt, ob die politischen Akteure nur aus Eigennutz handeln, oder ob ihnen ein Thema wirklich am Herzen liegt. Doch ist es (leider) nicht geradezu menschlich, dass einem am Ende doch nur das am Herzen liegt, was einen selber betrifft?
Wir finden es jedenfalls traurig, wenn am Ende nur monetäre Anreize und persönliche Vorteilsmaximierung dazu führen, dass sich Politiker für Themen engagieren.

Wichtig ist es an dieser Stelle zu betonen, dass nicht nur die Politik, sondern auch umsatzstarke Unternehmen dafür Sorge tragen müssten, dass die Kinder ihrer Mitarbeiter in betrieblichen Kindertagesstätten optimal betreut werden. Damit sind nicht Unternehmenskooperationen mit externen Kindertagesstätten gemeint, sondern der Ausbau von innerbetrieblichen Tagesstätten. Die Möglichkeit, dass Eltern ihre Kinder in zuverlässige
und kompetente Betreuung während der Arbeitszeit geben können, würde zu einer höheren Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation führen, wovon wiederum das jeweilige Unternehmen enorm profitieren könnte. Die Bereitschaft von Eltern, ihr Kind bereits mit einem Jahr oder früher in Fremdbetreuung zu geben, wäre durch diese innerbetrieblichen Kinderbetreuungsmöglichkeiten deutlich
erhöht, da eine unmittelbare Nähe zum Kind bestünde (keine langen Anfahrtswege etc.).

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