Lange habe ich mit mir gehadert. Meine Meinung über die geplatzten Sondierungsgespräche kund zu tun. Viele in meinem Umfeld sagten in der letzten Woche „Gut so“. Viele sagten aber auch „Das ist unverantwortlich“. Ich selbst war stinksauer vor einer Woche. So lange sondiert und das Ergebnis ist: Nichts! Gescheitert an Eitelkeiten oder einfach nur konsequent?

Um Eines klar zu stellen: Ich bin nicht der Meinung, dass Sondierungsgespräche zwangsläufig zum Erfolg führen müssen. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man seine politische Idee, seine Identität aufgeben muss, um einen Kompromiss zu finden.

Die Woche danach! Jeder für sich!

Wenn man dann die Statements der Verhandler liest und der allgemeinen Berichterstattung nur einen Funken Glauben schenkt, dann muss man eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln.

Einige Politiker haben Ihren Job anscheinend nicht verstanden. Politiker dienen in erster Linie Ihrem Land und der Bevölkerung, schließlich werden Sie vom Steuerzahler entlohnt. Auftraggeber ist also, wenn man das Mandat zur Regierung bekommt, nicht die eigene Parteibasis und schon gar nicht das eigene Ego, sondern das Volk, die Wähler.

Wenn drei Parteien, die in Ihrer DNA grundsätzlich unterschiedlich sind, in Verhandlungen gehen, dann darf es nicht sein, sein eigenes Parteiprogramm runter zu beten, sondern es geht zunächst darum, große Linien zu ziehen, sich auf gemeinsame Ziele zu einigen und dann die Maßnahmen zu besprechen. Es muss von vornherein klar sein, dass man Kompromisse eingehen muss. Wenn es diese nicht gibt, dann hat man entweder das Parteiprogramm der anderen Parteien nicht gelesen oder man bricht nach einer Woche ab!

Faule Kompromisse entstehen bei mangelnder Kreativität

Kompromisse tun weh. Oftmals sind Sie auch nicht konstruktiv sondern destruktiv und „verschlimmbessern“ nur. Die große Kunst in Verhandlungen besteht darin, dass am Ende alle zufrieden sein können weil man eine Lösung findet. Eine Lösung mit der alle zufrieden sind. Dabei ist Kreativität gefragt. Es gibt nicht nur schwarz-weiss. Nicht nur richtig und falsch. Nicht nur Obergrenze ja/nein. Verhandele ich im richtigen Leben, so ist der Preis nicht der alleinige Massstab der Verhandlung sondern lediglich ein Parameter. Bei den Sondierungsgesprächen habe ich mehr als einmal das Gefühl gehabt, dass genau diese Kreativität und auch die Bereitschaft zur Anwendung dieser gefehlt haben.

Ein professioneller Verhandlungsprozess sieht anders aus

Liest man die gängigen (und auch die nicht-gängigen) Berichte, hört man die Hintergrundgespräche in Berlin, so manifestiert sich ein chaotisches, ja ein peinliches Bild der Verhandler. Emotional, teilweise schlecht vorbereitet und absolut unzureichend moderiert seien die Verhandlungsprozesse verlaufen. Sind die Sondierungsgespräche nicht so relevant, dass dieser Prozess professionell geführt werden muss? Hinterzimmer-Atmosphäre im Kaminzimmer mit den Parteichefs, die restliche Baggage bei Chips und Mettbrötchen im Foyer, ständig SMS und Social-Media nutzend und Dokumente aus den Gesprächen postend. Es geht letztlich um die Zukunft des einflussreichsten und wirtschaftlich stärksten europäischen Landes. (#Nachrichtensperre) Es ist wirklich peinlich, wie sich mancher Verhandler während der Gespräche inszenierte.

Politischer Stillstand in Deutschland

Letztlich ist der worst-case eingetreten. Deutschland steht politisch still. Noch immer ist unklar was passiert. Ein verunsicherter Martin Schulz lässt nun die Basis abstimmen, ob seine Partei Verantwortung übernehmen soll. Eine Farce. Es ist anscheinend keine Ehre, diesem Land zu dienen. Schauen wir mal, wer übrig bleibt? Oder ob der Wähler noch mal ran muss? Gut, dass noch niemand ausgerechnet hat, was diese Inszenierung, dieses Schauspiel wirklich kostet. Das wäre ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Bevölkerung….Und das Schreckgespenst AFD, denen wir diese Konstellation auch zu verdanken haben, was machen die? Die werden unter diesem Schauspiel sicherlich nicht in der Wählergunst sinken….

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3 Kommentare

  1. Volker Ernst sagt:

    Wie Recht Sie haben. Klare Sprache hilft in der politischen Diskussion. Danke für diesen Beiitrag!

  2. Das Verhandlungen im politischen Berlin gemessen an etablierten Standards eher semi-professionell verlaufen haben u.a. der Verhandlungsführer Matthias Schrader 2013 in seinem Buch „Faule Kompromisse: Wie gut verhandeln unsere Politiker?“ beschrieben. Drückt sich auch hier einmal mehr aus, das unsere politische Elite sowohl in der internen wie externen Kommunikation erschreckend schlecht ist? Nicht erst im Wahl“kampf“ hat die Kommunikation mit dem Wähler nicht mehr geklappt. Und jetzt wurde das auch innerhalb wie zwischen den Parteien überdeutlich. Daß man auf höchster staatspolitischer Ebene so umprofessionell und schlecht vorbereitet (Moderation, etc. etc.) in so wichtige Verhandlungen geht, wäre auch einen Sonderbericht des Bundes der Steuerzahler wert. Die Beteiligten der Sondierungsgespräche möchte man kollektiv zur Lektüre des Bestsellers „Getting to YES“ von William Ury verdonnern. Vielleicht zeigt sich hier aber auch die fatale Entwicklung der immer stärkeren Selbstrekrutierung der etablierten Parteien aus sich selbst heraus? Ist das auch ein Grund, daß quasi u.a. Allgemeinwissen aus der Berufswelt über professionelle Verhandlungsführung – wie im Bereich von Geiselnahmen bis M&A Verhandlungen in der Wirtschaft – nicht mehr den Weg in die Berliner „Blase“ findet? Aber welche Chancen haben Quereinsteiger in etablierten Parteien, um erprobtes Erfahrungswissen aus dem Alltag in die Politik einzubringen? Der Bedarf jedenfalls – ist überdeutlich.

  3. DANKE Herr Dr. Porschen,

    da kann auch ich nur zustimmend nicken und sagen: „Ja, es ist in der Tat peinlich von solchen Selbstinszenierern vertreten zu werden“ Shame on you Deutschland!!!!!

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