Jedes Jahr ein neues Leak. Riesen Schlagezeile. Nichts wirklich Neues. Privatpersonen und Unternehmen nutzen größtenteils legale Steuerschlupflöcher. So what? Der Boulevard springt drauf. Herbstloch zwischen zähen Koalitionsverhandlungen halbwegs gefüllt. Warum ich mich irgendwie doch freue, dass das Thema “Paradise Papers“ hochkocht.

  1. Unser eigenes Steuersystem verliert die Wettbewerbsfähigkeit. Wer versteht noch unser Steuersystem? Nicht mal diejenigen, deren Macht in Deutschland sowieso schon so (oder auch zu!?) groß geworden ist: Die Steuerberater. Unternehmer kaum noch. Der Bürger hat schon längst aufgehört zu verstehen, wofür er wann wieviel zahlt. Das Steuersystem ist nicht nur schwer verständlich sondern auch nicht wettbewerbsfähig. Lohnnebenkosten, Sozialabgaben für immer mehr Staat in Deutschland verteuern den Faktor Arbeit zunehmend. Immer mehr Umverteilung. Weniger Innovation. Ein Mitarbeiter, der 2000 € netto verdienen möchte, kostet den Arbeitgeber mindestens 4500 €. Bürokosten etc. nicht eingerechnet. Wollen wir – auch im Zuge einer immer globaleren Welt- nicht immer mehr Arbeitsplätze auslagern, sollten wir den Faktor Arbeit in Deutschland weiter bezahlbar halten.
  2. Neid und Mißgunst sind stärker ausgeprägt als positives Erfolgsdenken in Deutschland. Gegen Spitzenverdiener zu wettern, kommt immer gut in Deutschland. Sportler, Unternehmer oder Konzernlenker werden gerne vorurteilt „Der Neymar ist doch keine 235 Mio. wert“. „Die da oben.“ Deutschland braucht mehr Orientierung nach „oben“ und nicht nach „unten“. Erfolg und Spitzenverdienste sind doch gut. Wird die Schere breiter ist das doch nur schlimm, wenn der untere Teil nicht nach unten zeigt. Steigen auch die Reallöhne der „Geringverdiener“, darf uns doch egal sein, wie stark die Löhne der Spitzenverdiener steigen (Ganz nebenbei: Ich sehe es so, dass Risiko und Lohn in einem vernünftigen Verhältnis stehen müssen. Ein IHK Geschäftsführer mit 150 Mitarbeitern, nahezu komplett ohne wirtschaftliches Risiko, sollte keine 500.000 im Jahr verdienen!). Warum gönnen wir so wenig? Wo ist der „German Dream“? Die Spirale der Negativität führt letztlich auch dazu, dass es (gefühlt) immer weniger Aufsteiger gibt. Wo sind die Unternehmer, die als Gründer aus eigener Kraft mehr als 200 Arbeitsplätze geschaffen haben? Erfolg muss auch wieder „In“ sein. Positive Beispiele zeigen. Aber klar muss auch sein: Es gibt Probleme und Ineffizienzen in unserem System, die Schwache benachteiligen und die beseitigt werden müssen.
  3. Verbesserung unseres Bildungssystems: Unabhängig von der Komplexität unseres Steuersystems offenbaren die Paradise Papers doch ziemlich deutlich, wieviel Grundlagenwissen schlichtweg nicht vorhanden ist. Um Chancengleichheit zu ermöglichen, müssen wir nicht nur Systeme schaffen, die alle verstehen, sondern auch stetig sicherstellen, dass Jeder dieses Wissen erwerben kann: Wir benötigen ein besseres Bildungssystem! Informatik, Wirtschaft aber auch die groben Zusammenhänge unseres Steuersystems dürfen nicht nur hochspezialisierten Beratern vorbehalten sein, sondern müssen bereits in der Schule JEDEM zugänglich gemacht werden.
  4. Ein wichtiges Thema- wieder keine europäische Strategie. Europa verpennt die wichtigen Themen. Die Themen, wo enorme Chancen zur Profilierung bestehen würden: Sicherheit, Digitalisierung- und auch Wettbewerb der Steuersysteme! Da geht mehr. Da muss mehr gehen.

Fazit: Auch Herbstlöcher sind gut und tragen zur Entfachung einer oftmals notwendigen Debatte bei. Ich freue mich schon jetzt auf´s nächste Jahr und bin gespannt, welche Sau dann durchs Dorf getrieben wird.

 

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