Deutschland ist reich an Chancen, sie sind jedoch ungleich verteilt. Trotz mancher Fortschritte stehen wir laut des Chancenspiegels immer noch vor großen Herausforderungen: „Die soziale Herkunft beeinflusst die Chancen der Schüler jedoch nach wie vor erheblich.“ Deshalb muss die Politik endlich für wahre Chancengerechtigkeit sorgen. Dieser Beitrag soll aufzeigen, wie dies funktionieren kann.       

Erst einmal sollten wir uns klarmachen, was Chancengerechtigkeit wirklich bedeutet. Es geht nicht darum, dass jedes Kind beziehungsweise jeder Schüler die gleichen formellen Chancen hat. Es geht vielmehr um eine bedarfsgerechte Verteilung von Chancen, die Ausdruck wahrer Chancengerechtigkeit ist. Anders ausgedrückt: Welche individuelle Förderung wird aufgrund des reellen Bedarfs benötigt? Diese Frage muss zur Leitfrage unseres Bildungssystems werden. Bisher wurde noch keine zufriedenstellende Antwort darauf gefunden. Folgende Ansätze könnten dabei helfen:

Bedarfsorientierte statt ideologisierte Bildungspolitik umsetzen

Zahlreiche Bildungsreformen waren in der Vergangenheit von ideologischen Motiven geprägt. Dabei lag der Fokus eher auf der Änderung von Schulstrukturen, als der tatsächlichen Verbesserung von Rahmenbedingungen (u. a. Personalausstattung) und Inhalten. Die Reformen waren weder „nutzerorientiert“ (schülerorientiert), noch „anwenderorientiert“ (lehrerorientiert). Zukünftige Reformen müssen diese Perspektiven wieder ins Zentrum rücken.

Koordinierte Bund-Länder-Strategie aufsetzen

Die Zusammenarbeit von Bund und Ländern ist im Bereich der Bildung häufig punktuell und wenig systematisch. Der Vorsitzende der Vodafone Stiftung Deutschlands, Sebastian Gallander, hat vor einem Jahr einen konstruktiven Vorschlag in die Debatte eingebracht: einen Bundesverkehrswegeplan für die Chancengerechtigkeit. Dort würden konkrete Maßnahmen bundesweit gelistet und nach Priorität umgesetzt werden. Ein solcher Plan würde eine größere Verbindlichkeit sowie eine bessere Planbarkeit zur Folge haben.

Regionale Ungleichheiten minimieren

Chancen sind nicht nur bundesweit, sondern auch regional zum Teil höchst ungleich verteilt. Dies kann man unter anderem in folgenden Bereichen erkennen: Anteil der Ganztagsschüler, Öffnung von allgemeinbildenden Schulen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf oder Chancen von Schülern mit ausländischen Wurzeln auf einen Schulabschluss. Vor diesem Hintergrund müssen die Länder konkrete bedarfsorientierte Maßnahmen zur Minimierung regionaler Disparitäten getroffen werden.

Unterstützungsleistungen für benachteiligte Kinder und Jugendliche besser vernetzen und koordinieren

Kinder und Jugendliche aus sozial schwächer gestellten Familien brauchen zusätzliche Unterstützung. Die Förderung gestaltet sich in der Praxis bisweilen schwierig, weil verschiedene Institutionen (u. a. Jobcenter, Jugendamt)  und Gesetzbücher involviert sind. Das Thema Chancengerechtigkeit kann nur adäquat adressiert werden, wenn es über Sozialgesetzbücher hinweg angegangen wird. Eine reibungslose Zusammenarbeit scheitert häufiger an praktischen Hürden (z. B. Datenschutz) sowie mangelnden Kooperationsvereinbarungen. Vor diesem Hintergrund muss die horizontale Zusammenarbeit der handelnden Akteure verbessert und Hürden beseitigt werden.

Diese Punkte werden jedoch nur mit dem nötigen politischen Willen zum Erfolg führen. Damit ist der Wille von Politikern auf allen politischen Ebenen gemeint. Anstatt große und wirkmächtige Lösungen zu erarbeiten, verliert man sich dort oft in Zuständigkeits- und Kompetenzfragen – ein klassischer Fall von „muddling through“. Diese Handhabe muss ein Ende haben. Jetzt ist es Zeit für eine konsequente Politik der wahren Chancengerechtigkeit auf allen politischen Ebenen!

 

 

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