Begrüßung Unternehmerforum DAUERBRENNER

FAMILIENUNTERNEHMERPRINZIP am 13.10.2016 in Monheim

Deutschland braucht dringend ein Upgrade! Ein Upgrade 2.0 oder eine Agenda 2030. Weg von Arbitrage und rückwärtsgerichtet- hin zu Innovation und Wachstum. Wir müssen aus dem Dornröschenschlaf aufwachen.

Umverteilung statt Innovation

Die Politik ergeht sich in Diskussionen rund um Umverteilungsproblematiken. Wohin wird wieviel Geld verteilt? Das zeigt nicht zuletzt die Rentendebatte. „Wer verteilt die größten Geschenke?“ scheint für viele Politiker in der heißen Phase des Wahlkampfes die wichtigste Frage zu sein. Ein anderes Beispiel: Die Bildungsministerin vergibt ein 5 Milliarden Euro Paket für die Digitalisierung an Schulen. Gleichzeitig sprechen sich die Lehrergewerkschaften gegen ein WLAN an Schulen aus!

In ganz NRW werden digitale Hubs gebildet, wo die Bundesregierung einzelne Städte mit irrsinnig hohen Fördermitteln zur Digitalisierung und zu mehr Unternehmertum drängeln will. Klassische Input-Output Logik. Je mehr ich reinkippe, desto mehr kommt raus!

Ich bin anderer Meinung!

Begrüßung Unternehmerforum DAUERBRENNER

Begrüßung Unternehmerforum DAUERBRENNER

 

(Weitere Fotos zum „Unternehmerforum DAUERBRENNER der Familienunternehmer gibt es hier)

Wir müssen unser politisches System an die Anforderung einer modernen Arbeitswelt anpassen!

Warum?

Hier drei Fakten, warum sich unsere Welt massiv ändert!

  1. Die 5 größten Tech-Unternehmen der USA sind doppelt so viel wert wie die DAX 30 Unternehmen zusammen. 2014 waren Sie noch gleich viel wert.
  2. Die Top 10 der wertvollsten Start-Ups hat 40 % des Wertes der DAX 30 Unternehmen.
  3. 5 der 10 wertvollsten Unternehmen weltweit sind Tech-Unternehmen. 2005 war es 1 Tech-Unternehmen. 1995 gar keins!

Die Stärke des deutschen Mittelstands

Ich möchte Ihnen gerne zwei Stärken des deutschen Mittelstandes nennen, die ich als wesentliche Erfolgsfaktoren identifiziert habe:

  • Fertigungskompetenz (wir sind ein Industrieland – kein Dienstleistungsland – und das ist auch gut so: Das ist ein riesiger Asset, den wir in Deutschland haben)
  • Nähe zum Kunden
  • Global aufgestellt

Warum habe ich Ihnen eben diese Fakten zur Digitalisierung genannt? Weil das, was da gerade passiert, einen unglaublichen Einfluss auf die genannten Stärken des Mittelstandes hat.

Digitale Technologien führen zu einer Verschiebung der Macht vom Verkäufer/Produzenten zur Plattform.

Lassen Sie mich ein oft zitiertes Beispiel nennen um den Zusammenhang zu verdeutlichen.

Uber: Eines der wertvollsten Start-Ups der Welt bündelt auf einer Plattform traditionelle Taxen und private Fahrer, die so etwas wie Taxifahrten anbieten. Das führt nicht zwangsläufig dazu, dass traditionelle Taxen aussterben – aber es führt zunächst einmal dazu, dass die Macht der Plattform ab einer kritischen Masse ins Unermessliche steigt. Der Anbieter der Leistung wird austauschbar. Man bestellt sein Taxi eben nicht bei Taxi Meyer sondern bei Uber oder Mytaxi.

Uber wird aufgrund der Nähe zum Kunden (auch wenn es ein IT Start-Up ist) einen riesigen Wettbewerbsvorteil haben.

Warum haben wir nun kein Uber in Deutschland? Einen Antwortversuch werden wir am Ende hören.

Eines vorweg: Uber, Tesla, AirBnB und Co. haben verstanden: Daten sind das neue Öl. Alle Unternehmen müssen zu Technologieunternehmen transformieren.

Ich bin der Meinung: Unser System ist nicht auf die Anforderungen einer modernen Arbeitswelt ausgerichtet!

In Medias res: Was passiert in unserem Bildungssystem?

Kehren wir zurück zu unserem Beispiel wie die Politik in Deutschland Digitalisierung und Unternehmertum fördern möchte:

Beispiel Digital Hubs in NRW: Es gibt aller Orten Gerangel darum, wer welche Fördermittel abgreift. Ob es für Stellen innerhalb der Gründerzentren ist oder für die Förderung der Start-Ups, die zukünftig nach dem Bedarf staatlicher Stellen innovieren sollen aber nicht nach dem Bedarf der Wirtschaft.

Hier stimmt was nicht.

Lassen Sie mich das am Beispiel des Bildungssystems – im Speziellen der Schulen erläutern.

Beherrschende Problematik für Schulen in Deutschland sind Fragen zur Instandhaltung, zur korrekten Nahrungsaufnahme der Schüler, zu einer Verstärkung der Autonomie der Schulleiter (wir reden hier über die Verwendung von 100.000 €!!). Wir reden über G8 und über G9, über Inklusion! Wir reden über die korrekte Sprachwahl an Schulen! Französisch, Spanisch, Latein oder vielleicht doch Altgriechisch! Wir reden über Burkaverbote, über Religionsunterricht, selbst wir als Verband reden über Wirtschaft an Schulen.

Wir leben in einer Welt von gestern. Unser gesamtes Bildungssystem ist an den Anforderungen von gestern ausgerichtet.

Wäre die viel entscheidendere Frage nicht: Welche Programmiersprache lernen unsere Kinder? Python, Java oder PHP? Unsere Kinder sprechen Englisch und vielleicht sogar Mandarin – aber sind das die Sprachen des 21. Jahrhunderts? Wie sollen Menschen und Schülern die Angst genommen werden vor etwas, was wir Digitalisierung nennen, wenn Sie selbst nach einem Informatikstudium noch nicht wissen, was PHP ist?

Wir werden zum Kaspar Hauser des 21. Jahrhunderts

Wir werden zu den Kaspar Hausers des 21. Jahrhunderts, der sich in der Stadt wundert, dass es Brot gibt anstatt Beeren aus dem Wald. Die hohe Wertschöpfung spielt sich zukünftig im Bereich der digitalen Unternehmen ab. Eine Karriere ohne C++ wird 2030 so unmöglich wie heute ein Vorstandsposten in einem international agierenden Unternehmen ohne die Beherrschung der englischen Sprache.

Und ein persönlicher Nebensatz sei mir gestattet: Mein Unternehmen welches seit 6 Jahren im IT Bereich unterwegs ist, hat bis heute Probleme einen traditionellen Bankkredit zu erhalten. Welche Maschinen haben Sie als Sicherheit ist die meistgestellte Frage, die Bänker mir entgegenhalten! Sind die Sicherheiten nicht da – bleibt nur eine Möglichkeit: Persönliche Haftung! Doch verraten Sie mir bitte, womit ein junger Gründer, der nicht aus wohlhabendem Elternhaus stammt, haften soll?

Aber Programmieren ist nur ein Beispiel für eine Fähigkeit, die wir wieder lernen müssen in Deutschland:

Mehr Disruption, Mehr Innovation

In einer digitalen Welt, die disruptiv ist, brauchen wir wieder echte Unternehmertypen, die risikobereit und mutig sind.

Typen wie Elon Musk sind kein Mainstream. Sie scheren sich nicht um bisher Gewesenes oder Arbitrage! Im Silicon Valley sind diese Menschen zu Tausenden! In Deutschland wird die Entwicklung solcher Charaktere durch das System und auch die Lethargie in der Politik torpediert.

Es wird über die Einführung von iPads in Schulen diskutiert; ein Großteil der Förderungen wird für solche Anschaffungen drauf gehen. An den Inhalten wird sich nichts ändern. So lernen unsere Kinder über einen ipad zu wischen. C++ oder PHP lernen sie nicht. Auch nichts über Targeting, Profiling, Big Data.

Und überhaupt brauchen wir ein ganz neues Konzept der Lehrenden. Warum schaffen wir es nicht Menschen aus der Wirtschaft für temporäre Engagements zu begeistern?

Ein Standardwerk an deutschen BWL Unis ist der bekannte „Wöhe“. An amerikanischen Universitäten sind es Schumpeter und Clayton Christensen, deren Innovationstheorien Studierende begeistern.

Facebook und iPad sind nicht Digitalisierung. Nur wer Systeme und gesellschaftliche und technische Entwicklungen kritisch reflektieren kann, hat eine Chance nicht Spielball der großen US Tech Konzerne zu werden und selbst innovativ zu sein!

Was bedeutet das für uns?

  • Erstens: Wir dürfen nicht müde werden, der Politik Feuer zu machen und Sie beim Wort zu nehmen, Deutschland 4.0 endlich anzupacken.
  • Zweitens: Lernen Sie von Start-Ups! Fördern Sie Start-Ups wenn möglich! Nicht um junge Gründer wie der Staat zu subventionieren, sondern um den eigenen digitalen Wandel voranzutreiben. Um selbst zu profitieren, von frischem Erfindergeist und nonkonformen Charakteren.
  • Drittens: Wir als Unternehmer müssen sehen, dass wir nicht vorhandene Kompetenzen in unseren Unternehmen selber lehren und praktizieren. Denn am Ende des Tages kann auch die Politik Sie nicht dazu zwingen zu einem Tech-Unternehmen zu transformieren. Das müssen Sie schon selber machen!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und frohe Digitalisierung!

Quellen:

Silicon Valley: Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt, Christoph Keese

The Innovators Dilemma: Warum etablierte Unternehmen den Wettbewerb um bahnbrechende Innovationen verlieren, Clayton Christensen

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