Alles Licht, dass wir nicht sehen

„Alles Licht dass wir nicht sehen“ ist ein Roman von Anthony Doerr, der den Pullitzer Preis gewonnen hat. Es ist Kriminalroman, Geschichtsbuch und Liebesgeschichte in einem. Die deutschen Feuilletons können den amerikanischen Lobenshymnen nicht zustimmen. Von „Fernsehästhetik“ (Die Zeit), von Gruselschnulz (FAZ) ist die Rede. Und ja, Anthony Doerr spielt mit Klischees, er bedient Sie manchmal fast bewusst überzogen (siehe Volksheimer).

Mikro statt Makroperspektive: Werner und Marie-Laure

Geschichte aus der Perspektive Einzelner mit allen persönlichen Empfindungen schafft eine besondere Erzählebene. Die Erzählweise ist umso ungewöhnlicher, da eigentlich nur zwischen den beiden Hauptprotagonisten gewechselt wird- allerdings fasst auf jeder Seite und maximal nach drei Seiten. Hinzu kommen ständige Wechsel in der Zeit! Das hört sich schwer (lesbar) an- ist es aber nicht. Eigentlich sind es sich aneinanderreihende Bilder und Szenen, die sich zu einem Gesamtwerk zusammenfügen (Das mag daran liegen, dass der Autor eigentlich für seine Kurzgeschichten bekannt ist).

Die Story ist relativ einfach: Ein deutscher Junge (Werner Hausner), aufgewachsen in einem Waisenheim, technisch talentiert und versiert, wird in einem Napola aufgezogen, wo die deutsche Elite heranwachsen soll. Mit all seinen Schrecken und Grausamkeiten. Er zweifelt und wird überzeugt („Führer, Volk und Vaterland“). Schliesslich muss er in besetzte Länder- letztlich nach Frankreich in die Bretagne nach Saint Malo. Die andere Protagonistin, Marie-Laure, ein blindes französisches Mädchen, aufgewachsen als Tochter eines Schlossers in einem Pariser Museum kommt auch über Umwege nach Saint Malo („Ni Français, ni Breton, Malouin suis“). Sie wird unbewusst Hüterin eines materiellen Schatzes und eines Inmateriellen!

Hört sich unspektakulär an, ist es aber nicht.

Drei Ebenen

Mindestens drei Hypothesen oder zentrale Botschaften finden sich in dem Buch und tauchen immer wieder in verschiedenen Facetten auf:

  • Alles dreht sich um einen Stein oder auch nicht. Nicht alles ist wie scheint! Ist es ein Haus? Ist es ein Stein, bringt es Glück oder Unglück? Seinem Besitzer oder seinen Umgebenden oder ist es alles nur Legende? Ist das wichtig?
  • Alles lebt weiter oder wie es in dem Buch heisst: „Verliere nie die Hoffnung“. Vielleicht ist das ein Beispiel, was die FAZ in Ihrer Rezension unter „schnulzig“ versteht. In der erzählten Geschichte sind es Generationen, die überleben und für ein Weiterleben sorgen: Von Werten und von Geschichten und auch für Aufarbeitung und Nicht-Vergessen- auch wenn es einfacher wäre.
  • Es gibt nicht nur schwarz und weiss- es gibt nicht nur gut und schlecht. Wer ist schuld? Wer trägt Schuld? Volksheimer, der Riese, der Weggefährte des Hauptdarstellers: Wer ist er? Ein Mörder? Oder ein treuer Freund?

Das Urteil des Autors ist das große Plus des Buches!

Eines zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte: Der Autor (ver)urteilt nicht. Er überlässt das dem Leser! Es gibt kein edukatives „mit dem Finger auf xy zeigen“ oder „ich weiss es besser“ oder „er hätte doch“- Nein! Ob vielfacher Mörder, ob gieriger Oberst oder der Duckmäuser, der wegschaut und sich im System einfügt. Sie alle haben einen menschlichen Kern.

Quellen:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/amerikanische-literatur-krieg-ohne-schlacht-1.2483304

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/anthony-doerrs-roman-alles-licht-das-wir-nicht-sehen-13631195.html

http://www.zeit.de/2015/22/anthony-doerr-pulitzerpreis

http://www.fr-online.de/literatur/anthony-doerr–alles-licht–das-wir-nicht-sehen–alles–was-man-nicht-sehen-wollte,1472266,31014600.html

Von | 2018-05-31T17:36:42+02:00 14. August 2016|Bücher Rezension|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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