Die möglichen Szenarien eines Brexits für Deutschland

Da am 23. Juni 2016 eine der wichtigsten Entscheidungen in und für Europa durch das britische Referendum getroffen wird, ist es an der Zeit, sich Gedanken über die möglichen Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der EU zu machen. Fakt bei einem Austritt wäre eine Schwächung des bestehenden Konstruktes in mehrfacher Hinsicht:

  • Makroökonomisch (Der Austritt eines der größten Nettozahler führt zu einer Gesamtschwächung)
  • Betriebswirtschaftlich (für die Unternehmen)
  • Marktwirtschaftlich (Großbritannien als klar marktwirtschaftlich und wettbewerbsorientiertes Mitglied)

Aber selbst wenn Großbritannien Mitglieder der EU bleiben sollte, bedeutet dies nicht das Ende der Debatte- es muss vielmehr der Anfang sein. Bleiben die Briten nicht in der EU, sind für Deutschland drei Szenarien denkbar. Mit jeweils unterschiedliche Handlungsoptionen:

Szenario 1: Deutschland bleibt in einer verkleinerten EU.

Es gibt keine Bereitschaft der deutschen und europäischen Politik, die existierenden Regeln und das jahrzehntelang verfolgte bedingungslose Integrationsmuster zu erneuern. Die Europäische Union wird in absehbarer Zeit immer handlungsunfähiger und unattraktiver. Europa und Deutschland verlieren im globalen Wettbewerb an Bedeutung. Mittelfristig steht ein schleichender Zerfall der Gemeinschaft mit enormen Konflikten bevor. Die bereits voranschreitende Radikalisierung in einzelnen Ländern nimmt zu.

Szenario 2: Deutschland bleibt in der EU, übernimmt Verantwortung.

Das entspricht seiner Rolle als Lokomotive Europas. Deutschland übernimmt Verantwortung und treibt dann das EU Upgrade bedingungslos voran. Die geschwächte EU müsste sich sofort daran setzten, den institutionellen und konstitutionellen Ballast abzuwerfen, der sie ihrer Vorteile beraubt hat.

Szenario 3: Die EU schlägt den Weg wie in Szenario 1 – also Brexit ohne Reformen – ein.

Die Regelbrüche in der EU nehmen zu. Die Länder, die auf Stabilität drängen, sind in einer dauerhaften Minderheit. Die EU wird dadurch ihre Ausrichtung verändern: Weg von einer Wettbewerbs-Union hin zu einer auf Transfer-Union. In diesem Szenario müsste Deutschland seine Mitgliedschaft in der EU überprüfen. Ein Neustart der Europäischen Idee wäre nur außerhalb der EU alten Typs möglich. Deutschland müsste dann ebenfalls seine EU-Mitgliedschaft zur Disposition stellen und vielleicht sogar aufkündigen. Wenn die deutsche Bundesregierung die Erneuerung Europas außerhalb der EU am Tag 1 nach einem Brexit ausschließt, wird Deutschland jede Mitsprache- und Gestaltungsmöglichkeit für eine zukunftsorientierte EU verlieren. Das wäre „worst case“ Deutschland darf seine Mitgliedschaft in einer rückwärtsgewandten EU nicht als alternativlos bezeichnen.

Die Perspektive „Brexit auf Deutschland“ ist nur eine

Diese 3 Szenarien sollen letztlich nur exemplarisch beschreiben, welche Szenarien sich nach einem Votum für Deutschland ergeben könnten. Ein Brexit hätte ebenso gravierende Konsequenzen für Großbritannien (Die Konsequenzen für Großbritannien werden bspw. in einem Artikel der FAS, am 15. Mai 2016 zusammengefasst: „Gibt es ein Leben nach dem Brexit“) selber aber auch für die EU.

Von | 2018-05-31T17:33:35+02:00 16. Mai 2016|Alle Beiträge, Politik und Wirtschaft|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

2 Kommentare

  1. […] möglicher Brexit hätte aber nicht nur entscheidende Folgen für Großbritannien selber, sondern für die gesamte […]

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