„Palermo“-Kölscher Kulturklüngel

Ex-Opern-Intendant von Köln, Uwe Eric Laufenberg, schreibt sich in seinem Roman Palermo den Ärger von der Seele. Palermo ist Köln und jede Person im Roman hat ein offensichtlich der Realität entnommenes Pandon. Palermo ist eine Geschichte, in der Leistung und auch objektiver Erfolg nichts zählen. Es ist eine Geschichte, in der diejenigen triumphieren, die das stärkste Machtbewusstsein und das stärkste Netzwerk haben. Palermo: Roman

Kölscher Küngel als Basiswissen

Das mag so manchen in dieser Republik schockieren- für den Kölner ist das normal. Der Kölner verniedlicht gerne. So wird jemand, der gerne grapscht nicht etwa Grapscher genannt sondern „Föttchensföhler“. Ein Ausrutscher im Karneval, ein Bützje, also ein Küsschen ist nicht weiter verwerflich. So erklärt sich auch, dass der „Klüngel“ an und für sich, gar nicht negativ behaftet ist. So war das schon immer, so ist es, so bleibt es und irgendwie gehört es ja auch in Köln, so sagt man sich. Skandale werden dann schnell hochgekocht, sind aber auch schnell wieder vergessen.

Realsatire in Köln

Was ist also passiert, dass ein ehemaliger Intendant mit einer Stadt und seinen Würdenträgern derart hart ins Gericht geht? Die Kölner Oper wurde 2012 von dem renommierten Magazin „Opernwelt“ zur Oper des Jahres gewählt. Kurz danach begann eine für zunächst drei Jahre angesetzte Sanierung. Die Stätte wicht seitdem aus- in ein Musicalzelt, in das Oberlandesgericht und auch in eine Kirche. Schlimm nur, dass der angesetzte Termin zur Wiedereröffnung nicht nur nicht eingehalten wurde, sondern nun auch durch die Oberbürgermeisterin Reeker verkündet wurde, dass die Oper auch in der Spielzeit 2017/2018 nicht zur Verfügung steht. Nun aber zum Roman:

Who is who

Um es kurz zu machen: Die Handlung ist fast nicht existent. Was den Roman so lesenswert macht, ist die Darstellung und Beschreibung der Charaktere.
Palermo: Roman

Vom Pressezar, ohne den in Palermo „nichts“ geht bis hin zur fiesen Widersachererin, die durch vieles besticht, aber nicht durch Leistung, den Bürgermeister, den Kulturdezernenten ist alles vertreten bzw. wird alles beschrieben, was in Köln Rang und Namen hat- immer versteckt hinter italienischen Namen aber trotzdem auffällig offensichtlich.

Der Autor, sich selbst als Tommaso Moncorrente bezeichnend, vermischt seine Story mit autobiografischen Rückblenden in die Vergangenheit der Charaktere. Besonders dicke trifft es seine Nachfolgerin in Köln, Birgit Meyer, im Buch beschrieben als Silvia Rossi, die immer erst nach 12 ins Büro kommt, Kaffee kocht und sonst- ja was eigentlich!?

Entschuldigung an Palermo

Es handelt sich bei dem Roman Palermo von Uwe Eric Laufenberg nicht nur um eine böse Rache an Personen, sondern hauptsächlich um eine Abrechnung mit der Stadt Köln. Das mag zwar fies und böse sein, aber vielleicht hat der Roman dazu beigetragen, dass die Stadt zukünftig etwas wenig klüngelhaft dasteht und sich weniger oft selbst blamiert. Aber auch im Jahr 2016 sollte dem Kölner klar sein: Das ist noch ein langer Weg!

Von | 2018-05-31T18:08:27+02:00 28. März 2016|Bücher Rezension|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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