Gründerland Israel - Learning für Deutschland

Sprechen wir in Deutschland über Digitalisierung und die Vorbilder, so werden häufig Facebook, Google und Uber als Paradebeispiele angeführt. Lokal beziehen wir uns auf das Silicon Valley und den American Spirit, den wir kopieren sollten! Kopieren. Das ist auch schon das Stichwort. Ist es wirklich richtig, bestehende Geschäftsmodelle zu kopieren? Gibt es in der Gründerlandschaft nicht auch andere Ländern an denen wir uns in Deutschland orientieren können und von denen wir lernen können? Ein Beispiel für ein solches Land ist Israel!

Hotspot Israel: Wie geht das?

Israel assoziieren die meisten von uns mit dem Palästina-Konflikt und weniger mit „Start-Up Hotspot.“ Fakt ist: Das dichtbesiedelte Land mit ca. 8,3 Mio. Einwohnern ist ein hoch entwickelter Industriestaat mit dem dritthöchsten Lebensstandard in Asien. Über 1000 Startups entstehen jedes Jahr in Israel, über 80 Unternehmen sind im TecDax gelistet. Israel gilt als Startup-Nation und steht im „Startup Genome“-Ranking direkt hinter dem Silicon Valley auf Platz zwei. Woran liegt das?

Investition in Forschung und Entwicklung

Das kleine Land steckt rund vier Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in Forschung und Entwicklung. Zum Vergleich: Laut einer statistischen Erhebung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) betrug der Anteil von FuE-Ausgaben am BIP 2013 in Deutschland lediglich 2,85 Prozent. Das sind immerhin noch mehr als in der Heimat des Silicon Valley: Die USA verbuchen nur 2,73 Prozent. Europäische Spitzenreiter in der FuE-Förderung sind Finnland (3,31 Prozent) und Schweden (3,30 Prozent). International führt Korea (4,15 Prozent) das Feld an.

Kreativ denken im Militärdienst

Das israelische Militär gilt im Nahen Osten als das schlagkräftigste. Auch Frauen unterliegen der allgemeinen Wehrpflicht. Doch nicht nur kampftaktisch werden die Soldaten und Soldatinnen ausgebildet. In technischen Eliteeinheiten lernen die jungen Männer und Frauen programmieren und sonstige Managementfähigkeiten. Für die Spezialeinheiten für Verschlüsselung, Spracherkennung und Web-Analyse rekrutiert die High-Tech-Armee nur die Besten.
Breaking the rules: Hinterfragen, Regeln brechen und kreative Lösungen finden. Das gilt sogar im Militär. Israelis machen den Mund auf. Sie haben Mut zu einer eigenen Meinung. Sie fügen sich nicht gerne und geben nicht gerne operative Befehle. In Erziehung und im Militär lernen sie, dass sie kreativ sein müssen. Das alles begünstigt natürlich einen dynamischen Gründergeist.

Zusätzlich trägt der zweijährige Wehrdienst zur Vernetzung der jungen Menschen bei. Man lernt sich kennen, verbringt viel Zeit miteinander und kann Pläne für ein Startup-Thema schmieden.

Kultur des Scheiterns und der Fehler

Beispiel: Better Place. Das Unternehmen wurde 2007 von dem Ex-SAP-Manager Shai Agassi in Israel gegründet. Ziel der Gründung war der flächendeckende Aufbau einer Infrastruktur für den Massenbetrieb von Elektroautos mit austauschbaren Traktionsbatterien. Der Nutzer des Elektroautos sollte Akku und Strom direkt von Better Place beziehen. Das Unternehmen scheiterte jedoch. Lediglich 940 Renault-Elektrofahrzeuge waren mit den Batterien ausgestattet worden. 2013 wurde in Israel der Insolvenzantrag gestellt. Die Idee jedoch – eine bessere Welt zu schaffen durch innovative Technologie – ist nicht gestorben. Sie sollte nach wie vor der Treiber von Startup-Gründungen sein.

Positive staatliche Rahmenbedingungen für Investitionen

Der Staat gewährt allen, die ihr Know-How im eigenen Unternehmen nutzen wollen, 85 Prozent der notwendigen Investitionssumme. Die Behörde „Chief Scientist“ fördert Startups mit Regierungsgeldern ohne Ansehen der Nationalität, sofern sie ihre Forschung und Entwicklung in Israel betreiben. Mit mehreren speziellen Programmen können selbst Garagenfirmen schon fünfstellige Summen im US-Dollarbereich an Zuschüssen erhalten. 22 offiziell anerkannte „Inkubatoren“ schlagen Startups vor, die förderungsfähig sind.

Auch Risikokapitalgeber bekommen Geld durch den Staat. Auflage ist allerdings, dass diese sich mit ausländischen Risikokapitalgebern zusammen tun müssen! Risikokapital steht in großen Mengen zur Verfügung: In Israel wird pro Kopf zweieinhalb Mal so viel Risikokapital aufgebracht wie etwa in den USA und 30 Mal mehr als in Europa.

Fazit

Wir können von Israel viel lernen (Kultur des Scheiterns, Risikokapital, breaking the rules), müssen allerdings unsere eigenen Stärken nutzen. Durch die Vernetzung bestehender erfolgreicher Unternehmen aus der Old Economy und jungen innovativen Startups könnten beide Akteure profitieren. Der Old Economy fehlt oft eine akzeptable Reaktionsmöglichkeit auf den bestehenden digitalen Wandel. Die New Economy bedarf Kapital zur Umsetzung ihrer Ideen.

Quellen

http://www.gruenderszene.de/allgemein/israel-startup-szene

http://www.karriere.de/karriere/innovativ-und-risikobereit-abgucken-in-israel-164674/2/

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/start-ups-berlin-israelis-bringen-unternehmergeist-mit-a-1009223.html

http://t3n.de/magazin/ueber-gruenderszene-startupfoerderung-israel-exits-denen-236655/2/

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/kreatives-israel-ein-land-als-start-up/7978480.html

Süddeutsche Zeitung Nr. 239

2 Kommentare

  1. Hallo Hubertus,

    kurz vor Feierabend verschlägt es mich mal aus Neugierde auf Deine Seite.

    Ich sehe, Du bleibst Dir und Deinen Themen doch sehr treu.

    Wenn der Hinweis zu dem Artikel erlaubt ist: Das Land zwischen Euphrat und Tigris ist glaube ich der Irak und nicht Israel.

    Beste Grüße

    Rolf

  2. Dr. Hubertus Porschen sagt:

    Vielen Dank, lieber Rolf! Du hast Recht! Schande über mein Haupt. Ich bin für jeden gefundenen Fehler dankbar!

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