Fachkräftemangel - Arbeitserlaubnis Asyl

Wir wissen, dass uns bald schon 6 Mio. Arbeitskräfte fehlen werden. Wenn man als Unternehmer gleichzeitig hört: In diesem Jahr stellen ca. 500.000 Menschen aus aller Welt hier in Deutschland einen Asylantrag. Dann müssten wir doch eigentlich denken: Super! Fehlen dann ja nur noch 5,5 Mio.!

Warum die meisten (noch) nicht so denken? Das ist eines dieser Rätsel in dem Land, das 1964 noch dem 1. Millionsten „Gastarbeiter“ bei seiner Ankunft in Köln ein zweisitziges Moped und einen Strauß Nelken geschenkt hat.

Gut, wir haben 2015 mehr als doppelt so viele Asylanträge als noch 2014. Und damit ein logistisches Problem, das aber in den wenigsten Fällen uns Unternehmer betrifft, und das die Politik wohl lösen kann und wird. Zumindest zeigte sich Wolfgang Bosbach, MdB, bei unseren Politik-Talk der Jungen Unternehmer im Mai diesbezüglich sehr zuversichtlich.

Er betonte bei der Gelegenheit übrigens auch, die Mehrheit der Flüchtlinge habe eine sehr gute Chance darauf, dass ihren Anträgen stattgegeben werde. Denn durch die dramatischen Krisen in der Welt, sind immer mehr Menschen in ihrem Leben und ihrer Freiheit ernsthaft bedroht. Sie erfüllen damit die restriktiven Voraussetzungen für ein Asyl in Deutschland.

Fakt ist übrigens: Die meisten Flüchtlinge, die es unter Einsatz ihres Lebens bis zu uns geschafft haben, waren in ihren Heimatländern berufstätig. Als Ärzte, Ingenieure, Lehrer, Facharbeiter etc. Damit sind sie eine einmalige Chance für unsere Unternehmen, dem stetig steigenden Fachkräftemangel zumindest zeitweise zu entgehen, den wir aus eigener Kraft und mit eigenen Ressourcen hier in Deutschland nicht werden lösen können. (Anmerkung: Artikel vom 6.8.2015! Die Zahlen haben sich seitdem verändert. Die zu dem Zeitpunkt bestehende Datengrundlage sieht Anfang 2016 verändert aus!)

Allerdings steht da im Moment noch die Bürokratie dazwischen. Denn anstatt die jetzt schon leeren Stellen bei uns in den Unternehmen annehmen zu können, dürfen Flüchtlinge die ersten drei Monate gar nicht arbeiten und verbringen ihre Zeit notgedrungen in überfüllten Häusern, Turnhallen, Zelten oder bestenfalls bei Verwandten oder Bekannten. Und auch nach der Sperrfrist stehen die Chancen auf einen Job oft schlecht, weil sie nicht zu den so genannten „bevorrechtigten Arbeitnehmern“ gehören.

Bis heute ist es nicht einmal bundesweit vernünftig geregelt, dass Flüchtlinge, die hier eine Ausbildung anfangen, zumindest während der Ausbildungszeit nicht ausgewiesen werden dürfen. Und das, obwohl alle Wirtschaftsverbände dies nun schon seit Monaten gemeinschaftlich fordern. Immerhin: Die ersten Länder beschließen gerade entsprechende Gesetze. Zum Glück! Denn sonst wird sich wohl kaum ein Unternehmer finden, der den jungen Menschen aus den Krisenregionen als Azubis eine Chance gibt. Und selbst, wenn einige in ein paar Jahren wieder in ihre Heimat zurückkehren – sie können wertvolle Brückenköpfe für unsere Unternehmen sein, wenn es irgendwann hoffentlich einmal gilt, die Länder wieder neu aufzubauen.

Ein Beispiel, wie man dieses Thema konstruktiv und lösungsorientiert angehen kann, ist ein Pilotprojekt, dass die Berliner IHK gemeinsam mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) startet. Ab dem 1. August werden Asylbewerber bei ihrer Anmeldung in Berlin nun endlich auch nach beruflichen Qualifikationen befragt. Das ging übrigens praktisch so, dass der Erhebungsbogen einfach um die entsprechenden Felder ergänzt wurde. Mitarbeiter der Regionaldirektion erfassen die Daten und geben sie an die Jobcenter weiter.

Während der dreimonatigen Arbeitssperre können von den Asylbewerbern dann Sprachkurse belegt werden, zeitgleich werden ihre Zeugnisse und Abschlüsse – sofern vorhanden – überprüft. Nach der Frist steht den Flüchtlingen der Arbeitsmarkt dann offen. Das Verfahren spart durch die Kompetenzerhebung gleich am Anfang Zeit – und beschleunigt die anschließende Vermittlung.

Es ist davon auszugehen, dass dieses Projekt erfolgreich ist – und dann hoffentlich bald bundesweit zur Regel wird. Wir Unternehmer brauchen motivierte Auszubildende und Fachkräfte! Und da sollte es uns herzlich egal sein, ob sie Alexander oder Zahira heißen, und aus Köln, Düsseldorf oder Damaskus kommen.

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Fachkräfte aus Syrien verboten? Oder: Wie stelle ich einen Flüchtling ein?
https://www.hubertusporschen.com/2015/08/24/fachkraefte-aus-syrien-verboten-oder-wie-stelle-ich-einen-fluechtling-ein/

Quelle

http://www.deutschlandfunk.de/millionster-gastarbeiter-vor-50-jahren-ein-moped-fuer.871.de.html?dram:article_id=296998

Ein Kommentar

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