Gründerstandort Deutschland: Volle Fahrt oder Vollbremsung?

Start-Ups sind einer der wesentlichen Wachstumstreiber wirtschaftlicher Entwicklung von Volkswirtschaften. Eine der Kennzahlen für das Wirtschaftswachstum ist demnach, neben z.B. der Anzahl der Patentanmeldungen, die Gründungsaktivität eines Landes. Wie misst man diese? Eine Möglichkeit besteht darin, die Anzahl der IHK-Gründungsgespräche zu betrachten.

Gründungsinteresse: dritter Negativrekord in Folge

Quelle: DIHK-Gründerreport 2015

IHK-Gründungsgespräche: Viertes Jahr in Folge Rückgang!

Seit vier Jahren sinkt die Anzahl der Beratungsgespräche bei den IHKs. Das ist ein absoluter Negativrekord! Positiv zu vermerken ist allerdings, dass die Anzahl der von einer unternehmerischen Idee getriebenen Gespräche um 10 Prozent stieg.
Interessanterweise handelt es sich bei 19 Prozent der Beanspruchenden einer Gründungsberatung um Menschen mit einem Migrationshintergrund.

Start-Ups noch nicht in Deutschland angekommen!

Woran liegt das? Sind „die Deutschen“ vielleicht einfach gründungsfaul? Der österreichische Ökonom J.A. Schumpeter sieht in den beiden Säulen „Finanzierung“ und „Innovation“ die wesentlichen Säulen des Unternehmertums. Beide Faktoren sind in Deutschland extrem schlecht ausgeprägt. Deutschland ist weit entfernt von einer angloamerikanischen Venture Capital- und Business Angel-Mentalität.

Eigenkapitalfinanzierungen unterrepräsentiert

Ein Beispiel hierzu: Während in Deutschland das amerikanische Start-Up Uber von europäischen und speziell deutschen Politikern, Medien, Lobbyisten und Besitzstandswahrern stark kritisiert wird, erhält Uber in den USA eine Rekordbewertung in Höhe von 51 Mrd. Dollar. Investiert haben nicht nur Google, sondern auch Amazon und Microsoft. In Deutschland erscheint es undenkbar, dass ein DAX Konzern in ein Start-Up wie Uber investiert.

Im gleichen Atemzug sollen Start-Up Investoren in Deutschland mehr Steuern zahlen. Worum geht es genau? Erwirbt ein Investor oder Business Angel-Anteile und veräußert diese mit Gewinn, so soll dies künftig direkt versteuert werden, auch wenn das Geld reinvestiert wird. Bei einer unmittelbaren Reinvestition war dies bisher nicht der Fall.

Weltweit sind Start-Ups stark auf Eigenkapital angewiesen. Innovative Geschäftsideen, verbunden mit einem hohen Ausfallrisiko werden nur in den seltensten Fällen von Banken finanziert oder durch Förderprogramme abgedeckt. Gründer sind demnach auch auf das Eigenkapital von Business Angels und Venture Capital-Firmen oder Family Offices angewiesen.

Die Pläne von Wolfgang Schäuble werden allerdings auch von seinen Fraktionskollegen skeptisch gesehen.

Eigenkapitalfinanzierungen müssen gestärkt werden

Die Gründe für die unzureichende Anzahl an Gründungen in Deutschland sind sicherlich vielfältig. Doch eine stärkere Motivation für Investoren, in den Start-Up Bereich zu investieren, ist in jedem Falle unerlässlich. Wenn man es als staatliche Aufgabe betrachtet, die besten Rahmenbedingungen zu schaffen, so sollte die geplante Änderung des „Business Angel-Gesetzes“ rückgängig gemacht werden. Im Gegenteil: Die Finanzierung innovativer Geschäftsideen sollte sogar bestenfalls noch stärker incentiviert werden – nicht zuletzt auch steuerlich!

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Die Bedeutung von innovativen Unternehmensgründungen
https://www.hubertusporschen.com/2015/08/24/die-bedeutung-von-innovativen-unternehmensgruendungen/

Familienunternehmen: Stark und traditionsreich durch Generationenübergang
https://www.hubertusporschen.com/2015/07/27/familienunternehmen-stark-und-traditionsreich-durch-generationenuebergang/

Quellen

DIHK-Gründerreport 2015 (PDF)

http://www.business-angels.de/streubesitzbesteuerung-gegenrede-zum-diskussionsgesetzentwurf/

FAZ vom 3.8.2015, Sorgen um Gründerstandort Berlin

FAZ vom 3.8.2015, Microsoft und Jeff Bezos investieren in Uber

2 Kommentare

  1. Pingback: Dr. Hubertus Porschen – Experte für Digitalisierung, Start-Ups und InnovationenDie Bedeutung von innovativen Unternehmensgründungen

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