To Kill a Mockingbird – Rassismus ist allgegenwärtig

Die Flüchtlingsdebatte in Europa, Polizeigewalt gegenüber Schwarzen in den USA, IS-Terror in Syrien und Angriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland – Schlagzeilen, die an der aktuellen Berichterstattung leider einen maßgeblichen Anteil besitzen. Intoleranz scheint Alltag zu sein. To Kill a Mockingbird

Hoffnung auf Besserung

Nachdem ich „Wer die Nachtigall stört“ von One-Hit-Wonder Harper Lee gelesen hatte, war ich felsenfest der Überzeugung, dass es doch so leicht sein müsse, Rassismus als etwas gänzlich Überflüssiges, artifiziell Erlerntes zu erkennen. Dennoch scheinen 55 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Buches die Themen Fremdenhass und Intoleranz noch immer tief in der menschlichen Natur verwurzelt zu sein. Der Gedanke keimt, dass es wohl für diese menschlichen Verfehlungen trotz Globalisierung und Annäherung der Kulturen keine endgültige Lösung geben wird. Lee hat es gleichwohl geschafft, ein wenig Hoffnung auf Besserung in mir zu schüren.

Kleinstadtidylle und Rassentrennung

Aus der Sicht der kleinen Scout erzählt, konfrontiert Lee den Leser mit der Geschichte eines Gerichtsprozesses gegen den Schwarzen Tom Robinson, der wegen Vergewaltigung an einer Weißen angeklagt ist. Als örtlicher Rahmen dient eine Kleinstadt in Alabama der 30er Jahren. Sklaverei und der Krieg mit den Konföderierten sind gedanklich noch nicht überwunden, Rassentrennung ist an der Tagesordnung. An Vorbilder wie Martin Luther King oder Malcolm X ist noch nicht zu denken.

Scout wächst als weißes Mädchen in einer Kleinstadtidylle auf, bis eines Tages ihr alleinerziehender Vater, Atticus Finch, als Pflichtverteidiger in den Prozess gegen Tom Robinson berufen wird. Die Kindheit der kleinen Scout, bislang von harmlosen Spielen mit ihren Freund Dill und Phantasien über den merkwürdig einsamen Nachbarn geprägt, wird allmählich in die Welt der Erwachsenen getrieben. Die Zeiten, in denen die Leichtigkeit des Alltags, des sich treiben Lassens, im Vordergrund stehen, scheinen ausgereizt zu sein.

Scout fängt an sich zu wundern. Zu wundern über diese Erwachsenen und welche Regeln diese sich selbst auferlegen. Zu wundern über ihren älteren Bruder, der von Tag zu Tag immer ernster zu werden scheint, erwachsen wird. Der Prozess gegen Tom Robinson bringt eine neue Dimension der Ungläubigkeit hervor. Konfrontiert mit Vorurteilen und der Macht der Konvention, muss Scout Ablehnung erfahren gegen sich selbst und vor allem gegen ihren Vater. Atticus, ihre unerschütterliche Gallionsfigur der Integrität und persönlicher Wegweiser, muss sich schlussendlich damit abfinden, dass wider seiner Überzeugung das Wort eines Schwarzen nicht so viel zählt wie das Wort eines Weißen. To Kill a Mockingbird

Erwachsenwerden und Gleichschaltung

Mit Blick auf die aktuelle Berichterstattung, 55 Jahre später, scheint sich dieser Zustand nicht umfassend gebessert zu haben. Wie zuvor erwähnt, ist dieses Buch dennoch ein hoffnungsvolles. Es verdeutlicht hervorragend, wie gleichgeschaltet das menschliche Naturell agiert und wie stark sich Menschen von äußeren Einflüssen verändern lassen. Man fängt an, sich zu fragen, ab welchem Zeitpunkt man selbst angefangen hat, erwachsen zu werden. Ab wann man selbst damit begann Vorurteile gegenüber anderen, gleich welcher Form, zu denken, zu äußern und zu verinnerlichen. Es zeigt am Beispiel der kleinen Scout, die unvoreingenommen und unverdorben in die Welt hineinlebt, dass Rassismus eindeutig nicht im Kern der Menschen verankert sein kann.

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Harper Lee „Wer die Nachtigall stört“
https://www.hubertusporschen.com/2015/07/28/harper-lee-wer-die-nachtigall-stoert/

Von | 2018-05-31T18:28:57+02:00 4. August 2015|Alle Beiträge, Bücher Rezension|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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