Authentizität im digitalen Zeitalter: LeFloid interviewt Angela Merkel

LeFloid interviewt Merkel

Kennen Sie Florian Mundt? Ich kannte ihn bis vor kurzem nicht. Florian Mundt ist Psychologiestudent an der Humboldt-Universität in Berlin. Seine Videos auf YouTube erscheinen zweimal wöchentlich unter dem Namen LeFloid und haben durchschnittlich 1 Mio. Views mit durchschnittlich 5.000 Kommentaren. Seine Channel ist von 2,5 Mio. Menschen abonniert. (Titelbild: Your Design / Shutterstock.com)

LeFloid Superstar!

LeFloid ist ein sogenannter „Influencer“. LeFloid ist ein Phänomen! Falsch! Er ist kein Phänomen. Er ist Ausdruck des Zeitgeistes. Er ist eine logische Konsequenz der sogenannten „sozialen Medien“. LeFloid ist ein Star. LeFloid erreicht die Menschen im Alter von 14 bis 26. Die Zielgruppe, die klassische Medien und auch die Politik nicht erreichen! Le Floid macht das, wonach sich tausende die Finger lecken. Er interviewt die mächtigste Frau der Welt: Die Bundeskanzlerin. LeFloid, ein „YouTuber“ interviewt Angela Merkel. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Trotz Griechenland! Angela Merkel braucht LeFloid. LeFloid ist eine Chance! Wieso ist das so? Warum ist LeFloid ein Star? Warum schauen 2,5 Mio. Menschen, hauptsächlich Jugendliche, seine Videos („Action-News. Aber Hart“)? Dazu werfen wir zunächst noch einmal einen kurzen Blick auf das Netzwerk YouTube.

YouTube ist das neue (Parallel-)Fernsehen

Wer heute noch nicht die Relevanz von YouTube erkannt hat, dem ist … naja: kaum noch zu helfen. Vor zehn Jahren mit Amateurclips und Musikvideos gestartet, ist aus YouTube inzwischen die zweitgrößte Suchmaschine der Welt geworden. Und zudem ein Milliardengeschäft. Ein Werbenetzwerk. In der Zielgruppe der 14 bis 29-Jährigen hat YouTube mehr Zuschauer als das klassische Fernsehen. Das ist Fakt. Entscheidender Erfolgsfaktor von YouTube ist, dass der Nutzer in den Mittelpunkt gestellt wird. Anders als im klassischen Fernsehen sind die Nutzer nicht nur Konsumenten, sondern auch und vor allem Produzenten. YouTube lebt von den Nutzern. So werden Konsumenten zu Produzenten und umgekehrt. Schaut man sich nun als Beispiel LeFloid an, kommt dieses gut zum Ausdruck:

Was sind die Erfolgsfaktoren von LeFloid?

  • Einbindung von Nutzern: LeFloid bindet seine Zuschauer immer und überall aktiv mit ein. Er fragt während seiner Videos nach der Meinung der Zuschauer. Und wenn die Nutzer sich durch Kommentare (im Durchschnitt ca. 5000 pro Video!) einbringen, so greift er diese Themen auch tatsächlich auf! LeFloid hat verstanden, dass sich die Medienlandschaft gravierend geändert hat. Die Zuschauer wollen kommentieren, teilen und interagieren. Dabei wollen sie keine unnahbaren Stars, sondern Stars zum „Anfassen“. LeFloid steht auch für user-generated Content.
  • Authentisch und subjektiv: Die Art, wie LeFloid und andere YouTuber mit (Achtung: „mit“, nicht „zu“) ihren Zuschauern sprechen ist absolut authentisch. In der Wortwahl. Im Auftreten. LeFloid nimmt kein Blatt vor den Mund. Er hat eine Meinung, ohne seine Nutzer einzuschränken. Er ist subjektiv, ohne Objektivität zu verurteilen. Auch die Mimik ist nicht durch Medientrainings einstudiert. Zumindest wirkt sie nicht so. LeFloid selbst sagt: „Bei YouTubern, die man seit Jahren verfolgt, hat man das eigentlich absurde Gefühl einer besonderen persönlichen Nähe.“
  • Interaktive Elemente in den Videos: Die Videos von LeFloid sind nicht langweilig. Er spricht in die Kamera, schaut den Zuschauer nicht statisch, sondern dynamisch an. Zwischen seinen Statements kommen immer wieder eingespielte Elemente, eine Art Erklärvideos, die komplexe Zusammenhänge einfach darstellen. Es werden Fotos und Videos eingeblendet. Die Interaktivität ist schnell und führt zu einer extremen Kurzweiligkeit.
  • Beleuchtet zeitgemäße Themen: Das, was vielen „klassischen Medien“ heute nicht mehr gelingt, schafft LeFloid spielend. Durch die Interaktion mit seinen Nutzern ist LeFloid am Puls der Zeit. Der Hashtag #NetzfragtMerkel gibt einen guten Überblick über relevante Fragen: So fragt ein 14-jähriger:
    • Welche drei Werte bedeuten Ihnen am meisten?
    • Haben Sie auf Ihrem privaten Handy auch WhatsApp?
  • Andere Nutzer stellen Fragen an Merkel, die Themen aufgreifen wie Flüchtlingspolitik und Ehe für alle.
  • Kurze, prägnante und witzige Statements: Die Art und Weise wie LeFloid spricht, entspricht der Erwartungshaltung seiner Zielgruppe: Sie will keine minutenlangen Intros, sondern kurze und prägnante Statements. Die Statements sind subjektiv, politisch, aber manchmal bzw. fast immer auch sarkastisch, ironisch und witzig. Entertainment pur!
  • Schnitt-Technik: Auch die Schnitttechnik passt sich dem Kommunikationsstil an. Es fehlen langatmige Trailer und Intros. Die Statements und Filme sind hart und schnell geschnitten. Der Zuschauer verliert keine Zeit.
  • Social Media-Technik: LeFloid arbeitet mit zeitgemäßen Instrumenten: Er nutzt reißerische Vorschaubilder (manchmal sexy, manchmal brutal) und provokante Titel („Wer Yoga-Pants trägt, will vergewaltigt werden“, „Menschenjagen ganz legal“) in seinen Videos und Postings.

Fazit: It´s all over tomorrow?

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht! LeFloid steht symptomatisch für eine zeitgemäße Form des Konsums von Inhalten. Die FAZ (12. Juli 2015) etwa schreibt: „Für alles, wofür früher die „Bravo“ zuständig war (und was tunlichst nicht mit den Eltern besprochen werden sollte), haben nun Videoblogger die Lösung!“ Ähnlich wie die Zielgruppe, die heute das klassische Fernsehen konsumiert, wird auch diese Zielgruppe zumindest teilweise dem ihr bekannten Medium treu bleiben. Spannend wird, ob Unternehmen die zuvor vorgestellten Erfolgsfaktoren für sich antizipieren können!

Quellen:

https://blog.app-arena.com/2015/05/erfolgreiches-social-media-marketing-mit-youtube-marketing/

http://www.bild.de/politik/inland/angela-merkel/fragen-an-angela-merkel-41699378.bild.html

https://de.wikipedia.org/wiki/LeFloid

https://blog.kpmg.de/digital/youtube-video-killed-the-tv-star/

http://www.stern.de/politik/deutschland/le-floid-das-ist-der-youtuber–der-kanzlerin-angela-merkel-interviewt-6340496.html

Von | 2018-05-31T18:21:53+02:00 15. Juli 2015|Alle Beiträge, Interviews|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

Ein Kommentar

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