Zu Fuß durch Amerika

Aus dem Norden in den Süden in Amerika. Von Kanada nach Mexiko. Zu Fuss. In Amerika. Dem Land der Autos. North Dakota, South Dakota- Indianerland. Nebraska und Kansas. Dann: Oklahoma und Texas: Der Weste(r)n. „Hartland-Zu Fuss durch Amerika“. Der Gedanke, „Zu Fuß durch Amerika“, konterkariert. Er ist ein Gegensatz. Das Buch auch. Starke Worte und schwache Worte. Ein gewaltiges Beispiel der Erzählkunst von Wolfgang Büscher.

Ein Exempel des Erzählstils: JFK Airport

JFK Airport- der Erzähler wartet im Winter auf seinen Abflug. Die Amis bekommen es nicht hin. Winter, Schnee, Eis, Verspätung. Wartende Gäste.

„Neben mich trat ein Herr mit Gehrock…unverkennbar ein deutscher Künstler, ein Wartender auch er, und es zeigte sich, dass er seinem malerfürstlichem Gepräge zum Trotz über einen wachen, praktischen Sinn verfügte, der es ihm gestattete, in solcher Lage einen ingenieurmäßigen Blick auf die Dinge um sich herum zu werfen. Kühl beobachtet, was auf dem Flugfeld geschah oder eben nicht geschah… . In einem sonoren, unnachahmlichen leutseligen Ton versicherte man uns ein ums andere Mal, alles zu tun, um das kleine Problem in der nächsten halben Stunde zu lösen und uns sicher heimzubringen, „home for christmas“. Und auf einmal wusste ich, hier am Fenster standen zwei aus der Nation genialer Ingenieure und schauten der Nation genialer Verkäufer dabei zu, wie sie hinkriegten uns alle bei Laune zu halten… . Wir bauten Maschinen, einige der besten der Welt. Sie aber verkauften Träume, die erfolgreichsten der Welt. Damit waren Sie weite gekommen. Aber wie weit?“

Zwischen Sprachgewalt und Langeweile

Absolut genial- diese Passage. Es gibt auch weitere dieser Stellen, in denen der Autor seine absoluten Stärken ausspielt. Seine Sprachgewalt. Seine Sprache ist ein Werkzeug mit dem er Bilder erzeugt, die Eindrücke direkt in die Synapsen des Hirns spielen. Beschreibt er Regen fühlt man die nasse Kälte. Blickt er über Kansas wird die eigene reale Umgebung gelb- gelb von Weizenfeldern. Das erstaunliche dabei ist allerdings, dass dieses Werkzeug fast nur in seinen Träumen, Gedanken und Retrospektiven genutzt wird. Die Realität ist oft langweilig. Von einem „Reiseabenteuer“ erwartet man schliesslich tatsächlich erlebte Geschichten. Vielleicht will der Autor das aber auch: Ein realistisches Bild vermitteln. Das schafft er gut. Lust auf die Tour macht das Buch nur teilweise. Lust auf ein weiteres Buch des Autors ebenfalls nur teilweise.

 

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