Rezension Winter der Welt von Ken Follett

Ken Follett begleitet mich seit meiner Kindheit bzw. meiner Jugend. Von meiner Mutter nahm ich damals – seinen Bestseller schlechthin – „Die Nadel“ entgegen. Seitdem lese ich jedes Buch von Ken Follett. Vielleicht schon ein wenig aus Tradition.

Ken Follett- Der Bücherunternehmer

Der liebe „Geschichten-Erzähler-Onkel“ ist Ken Follett allerdings nicht – zumindest nicht in dem Sinne wie ich Ihn mit vorgestellt habe. Ken Follett produziert Bücher bzw. Bestseller am Fließband. Seit 1978 veröffentlicht er ca. alle zwei Jahre einen Hit- insgesamt hat er über 130 Mio. Bücher verkauft. Für Ihn arbeiten laut Zeitungsberichten über 20 Angestellte, die dafür sorgen, dass Ken Follett sich auf das Wesentliche- also aufs Schreiben fokussieren kann. Der Rest der Crew sorgt dafür, dass Folletts Romane an Sorgfalt und historischer Korrektheit einem Geschichtslehrbuch gleichen.

Winter der Welt- inhaltlicher Abriss

Winter der Welt ist der zweite Teil seiner Trilogie (1. Sturz der Titanen 3.Kinder der Freiheit), die das 20. Jahrhundert thematisiert und verschiedene Familien aus Russland, Großbritannien, den USA und Deutschland, deren Wege sich immer wieder kreuzen.

Personalprobleme bei Winter der Welt

Die Charaktere in „Winter der Welt“ sind einfach schwach! Manchmal hat man das Gefühl, Follett schreibt in Schwarz und Weiss. Böse, blonde, arische Nazis wohin man sieht. Aufopferungsvoll für die Freiheit kämpfende Sozialdemokraten (Lloyd, Sohn von Ethel)- teilweise sogar mit brauner Vergangenheit nun zuckersüss (Daisy: Erst mit „Boy“ verheiratet, dann mit Lloyd).

Lew Peshkow, der Sohn des gewissenlosen, russischen Auswanderers und Multimillionärs, sollte doch wenigstens mal einen ordentlichen Schurken abgeben- aber nein! Auch er bleibt blass. Ein ueheliches Kind- mehr nicht!  Woody und Greg Dewar (Senatorensöhne!) Die Frauen in Deutschland (Maud, Frieda, Carla): Schlimm! Langweilig! Allesamt hübsch, umwerfend, edel. Einziges Differenzierungsmerkmal ist das Alter. Die männlichen Charaktere (Werner, Walter,  und Erik) bleiben blass. Am ehesten interessant erscheint noch der SS-Ekel. Auch die im ersten Teil der Saga so gelungene Darstellung der sowjetischen Charaktere verblasst total. Wolodja und Zoja sind ein Paar, dass man sich nicht vorstellen kann. Er arbeitet für den Geheimdienst, sie baut eine Atombombe. Trotzdem lässt Follett sie als edel und aufrecht erscheinen. Sie kämpfen gegen die Nazis und merken mit der Zeit, dass der Nationalsozialismus sich vom Stalinismus nicht wesentlich unterscheidet. Hmm!

Das Problem ist allerdings auch die Anzahl der Charaktere: Es sind viel zu viele! Quantität geht halt nicht vor Qualität.

Positiv: Wie ein Geschichtsbuch

Das mit Abstand positivste an „Winter der Welt“ ist, dass es Lust auf mehr macht. Historische Ereignisse werden so geschickt mit privaten Erlebnissen verbunden, dass man sich manchmal fragt ob Geschichte wirklich so unterhaltsam und spannend sein kann. Ken Follett erreicht dies übrigens mit seinen zwei Lieblings-Stilmitteln: Sex und Gewalt. Der Ablauf ist (in etwa) wie folgt: Machtergreifung der Nazis (exemplarische Darstellung der Unterdrückung der Pressefreiheit sowie die Tötung von Homosexuellen), Pearl Harbour, Spanienkrieg, Vormarsch des Nationalsozialismus in Europa, Hitler- Stalin Pakt und Deutsch-Sowjetischer Krieg, Atombombenbau und –abwurf, Aufteilung in Besatzungszonen – alles wird thematisiert und in plausible, persönliche Geschichten eingebettet. Zwischendurch werden diese in gewohnter Follett-Regelmäßigkeit mit Beziehungs-Blubb und Gewaltexzessen (Hunde zerreißen Homosexuellen) veranschaulicht! Politik, Spionage, persönliche Schicksale- das beherrscht Ken Follett wie kein Zweiter!

Fazit: Ken Follett wird zu „mainstream“

Für mich bisher eines der schwächsten Ken Follett Bücher. Selten habe ich so lange für ein Buch gebraucht- und das liegt weder an den 1000 Seiten noch an meinem nicht vorhandenen Desinteresse an dieser historischen Epoche! Nichtsdestotrotz muss man die historische Botschaft würdigen, die Ken Follett an seine Heerschaaren von Lesern sendet.

Quellen:

http://ken-follett.com/biography/

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/der-neue-follett-krieg-sex-und-andere-katastrophen-11893588.html

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article109227498/So-grausam-war-der-Spanische-Buergerkrieg.html

http://www.focus.de/kultur/diverses/literatur-spannende-geschichte-folletts-winter-der-welt_aid_822846.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Follett

Von | 2018-05-31T18:17:03+02:00 2. Januar 2015|Bücher Rezension|

Über den Autor:

Dr. Hubertus Porschen ist Geschäftsführer der App-Arena GmbH. Er war zudem Vorsitzender des Verbandes der Jungen Unternehmer (Die Familienunternehmer). Des Weiteren doziert er auf Konferenzen und Tagungen zu Themen rund ums Social Web, Digitalisierung und Innovationsthemen.

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