Mönche mit Steinschleuder

Spielende Mönche in Bagan

Endlich in Rangun Flughafen Myanmar. Der Name klingt schon wie ein Gedicht. Was weiss ich eigentlich ausser dem Namen über Myanmar? Eigentlich relativ wenig. Ehemalige Kolonie der Briten. Nun Militärdiktatur, die sich in den letzten Jahren etwas geöffnet hat und für Touristen leichter zugänglich ist. Man muss Dollarscheine haben um zu bezahlen. Neue Dollarscheine sind mehr  wert als Alte. Die Landeswährung ist Kyat. Buddhistisch geprägt. Den Rest aus Internetrecherchen und dem Reisführer, wobei sich diese widersprechen und mir nicht sehr transparent erscheinen. Das wird sich im Laufe der Reise noch einige Male bestätigen.

Bereits in Rangun Flughafen und dem Weg in die Stadt (ca. 40 Minuten, 10 Dollar) wird mir klar: Ich mag diese Stadt und das Land. Freundliche Gesichter und Menschen überall. Die Schwedagon Pagode als Wahrzeichen der Stadt ist bereits viele Kilometer entfernt sichtbar und beeindruckt durch Ihre Anziehungskraft auch von weitem.

Alltag in Rangun

Das Zentrum der Stadt so sagt es unser Taxifahrer, der eigentlich ein geborener Reiseführer ist, wird durch die Sule Pagode markiert. Hier soll es auch einige Guesthouses geben, die halbwegs bezahlbar sind. Halbwegs bezahlbar bedeutet 30 Dollar die Nacht für eine einfache Unterkunft. Dem aufmerksamen Leser wird bereits hier auffallen, dass 10 Dollar für eine 40-minütige Taxifahrt und 30 Dollar für ein einfaches Bett in Relation nicht ganz zusammen passen. Auch dieser Eindruck wird sich bestätigen. Nach kurzer Suche ergattern (!!) wir glücklicherweise eine akzeptable Unterkunft (Okinawa Guesthouse). Ein Bett im Dorm und eins auf dem Flur. In Rangun gibt es definitiv einen Mangel an Hotels und Betten. Ich vermute sehr stark, dass die Hotelindustrie staatlich kontrolliert und reglementiert ist. Die Preise sind in jedem Fall immens gestiegen. Irgendwie sehr kapitalistisch, wie mit der Öffnung des Landes und der steigenden Besucherzahl (2013 so hörten, wir hat sich die Zahl im Gegensatz zu 2011 auf 2 Mio. verzehnfacht!) die Zimmerpreise steigen. Auf der anderen Seite wenig marktwirtschaftlich, weil anscheinend nicht jeder ein Hotel oder Guesthouse eröffnen darf. Rangun: Eine Mischung aus Orient und Tropen

Rangun: Liebs´ oder lass es

Vorab: Entweder man liebt die Stadt oder hasst sie (das konnte ich zumindest aus den Gesprächen mit anderen Reisenden extrahieren). Ich liebe sie jedenfalls. Irgendwie noch nicht vom Tourismus verbraucht. Ausserdem sehr tropisch angehaucht durch viel „Grün“ (Palmen, Parks, Grünflächen). In Rangun spürt man zudem noch immer einen Hauch Kolonialismus. Die Gebäude- aber auch die Art und Weise wie die Menschen sich geben und kleiden zeugen von der Vergangenheit.

Essen in Myanmar

Ein Erlebnis sind die Garküchen, die man auch in Thailand findet. Das Essen ist grob gesagt- etwas deftiger und sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Man hat aber auch immer die Möglichkeit, „fried ries“ oder Nudeln zu essen. Essen ist wahnsinnig günstig. Ein sehr gutes Essen bekommt man in Rangun- etwas abseits der Hauptstrassen- bereits für deutlich unter einem Dollar. Auch hier stellt sich die Frage, warum mit den Hotelpreisen nicht die Essenspreise steigen. Wahrscheinlich, weil sich dieser Markt nicht reglementieren lässt. Natürlich gibt es für offensichtliche Touristen Spezialpreise, die durchaus verhandelbar sind.

Schwedagon Pagode: Ohne geht nichts

Zu bestaunen gibt es Vieles in Rangun. Sule und Schwedagon Pagode sind ein absolutes Muss für jeden Besucher. Gerade die Schwedagon Pagode gehört sicherlich zu den eindrucksvollsten Gebäuden, die ich jemals gesehen habe. Alte Verwaltungsgebäude aus der Kolonialzeit sowie ehemals prächtige Stadtvillen – nun von Palmen verwachsen- laden eine dazu ein, sich in eine andere Zeit, die trotzdem noch allgegenwärtig ist, zu versetzen.

Social Media in Rangun

Besonders witzig und auffallend sind Strassenhändler, die auch eine kleine „Telefonzelle“ ihr eigen nennen. Zwei Telefone auf einem Tisch unter einem Sonnenschirm und fertig ist die Telefonzelle. Telekommunikation und Smartphone-Nutzung ist hier auch Anfang 2014 noch in der „Entwicklung.“ (Zur Facebooknutzung: Interessanterweise ist mein Eindruck, dass Facebook zwar auch privat genutzt wird aber auch sehr stark geschäftlich. Ein gutes Beispiel hierfür sind Kleinunternehmer wie Handwerker oder Maler in Bagan, die Ihre Kunst als kleinen Shop auch auf Facebook anbieten. Übrigens: Auch die Vormachtstellung von Google wird hier deutlich: Findet man doch auf jeder Visitenkarte der Guesthouses oder Hotels *.gmail Adressen.)

Im Nachtbus nach Bagan

Der Bus ist das meistgenutzte und mit Abstand günstigste Transportmittel in Myanmar. Allerdings differieren die Preise: Bus ist nicht gleich Bus. „VIP-“ und „Luxus-“ bieten tatsächlich (zumeist) einen sehr hohen Komfort wohingegen die günstigen Busse hauptsächlich von den „Locals“ genutzt werden (Da kann es schon mal vorkommen, dass der ein oder andere betrunkene Fahrgast mitten auf dem Weg „rausgeschmissen“ wirdJ). Ein weiterer gravierender Unterschied zwischen den Bussen ist übrigens die Laustärke des Fernsehers, der teilweise die ganze Nacht mit birmanischen Soaps oder Musikclips in ohrenbetäubender Lautstärke läuft.

Alt-Bagan vs. Neu-Bagan

Nach ca. 10 Stunden Fahrt erreicht man den „Bahnhof“ in Bagan. Wie immer buhlen Taxifahrer um die Gunst der Gäste. Wir entscheiden uns zusammen mit 3 weiteren Backpackern für einen kleinen Transporter, der so günstig ist, dass bereits nach 5 Minuten der Sprit ausgeht. Immerhin: So sieht man den Sonnenaufgang in Bagan in aller Ruhe. Wie für den „Normalreisenden“ kommt für uns nur Neu-Bagan als Übernachtungsort in Frage, da die Übernachtungspreise dort wesentlich günstiger sind (ab 30 Dollar) als in Alt-Bagan. Neu-Bagan (gilt auch für Alt-Bagan) ist übrigens nichts anderes als eine Ansammlung von kleinen Hütten, „Restaurants“ und Hotels. Beide Orte sind sozusagen inmitten der Pagodenlandschaft „eingebettet“.

Hat man erst einmal den Staub abgewaschen und ein Frühstück zu sich genommen, so werden einem die Ausmaße dieser riesigen Tempellandschaft schnell bewusst. 2200 Gebäude (Tempel, Pagoden etc.) befinden sich auf einem Areal von ca. 40 qm km. Das ist nicht nur unvorstellbar sondern auch nicht unbedingt greifbar und schon gar nicht besichtig bar.

Pagodenhopping in Bagan

Wie besichtigt man nun die Pagoden? Mit dem Auto, mit der Kutsche (ganz klassisch mit Pferd…), mit dem E-Bike, dem Fahrrad oder dem Motoroller stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Meine Empfehlung ist ganz klar das E-Bike. So kann man gemütlich von Pagode zu Pagode „cruisen“. Die zwei bekanntesten Pagoden und „Must see´s“ sind die xy und xy.

Der Sonnenaufgang und – untergang kann von verschiedenen Pagoden aus betrachtet werden. Unsere Erfahrung ist, dass die Pagoden, die sehr zentral liegen, zu dieser Zeit zu vermeiden sind, da diese von Touristen übervölkert sind.

Die Landschaft ist extrem staubig, heiss, trocken und unglaublich beeindruckend und schön. Pagode hat ihren Reiz. Persönlich gut gefallen haben mir die Pagoden auf die man heraufklettern kann. Apropos heraufklettern. Bei den „Hotspot-Pagoden“ findet man eigentlich immer jemanden in der Nähe, der während des Besteigens behilflich ist oder den Aufgang aufzeigt. Zumeist hat dieser jemand auch sein kleines Nebengewerbe: Hierzu gehören Souvenirs aller Art wie bspw. selbstgemalte Bilder (bereits ab 5 € erhältlich und faltbar. Übrigens vertreiben einige dieser Strassenhändler Ihre Bilder auch über Subunternehmer in aller Herren Länder.)

Spenden für das Leben nach dem Tod

Ein interessantes Detail am Rande: Nicht alle Pagoden sind originalgetreu restauriert. Das liegt daran, dass Viele nach und nach durch private Spender/n finanziert wurden/werden. Überhaupt ist das Thema Spenden eng mit der buddhistischen Religion verknüpft: Die Buddhisten glauben, durch Spenden „Pluspunkte“ für Ihr nächstes Leben sammeln zu können. Grob gesagt, ist das Ziel des Buddhisten im nächsten Leben in der Hierarchie aufzusteigen bzw. nicht abzusteigen (für einen Mann wäre eine Wiedergeburt als Ratte oder Frau bspw. ein Abstieg). Über Auf- und Abstieg entscheidet ein Konto der guten und schlechten Taten. Die Spenden für Tempel oder Pagoden werden in jedem Fall auf der Habenseite verbucht.

So kommt es denn auch, dass es in den größeren Pagoden extra Spendenanzeiger gibt, die den aktuellen Spendenstand verraten. Ebenso kann es vorkommen, dass man einen Haufen Menschen mit einem noch größeren Haufen Geld auf dem Boden sitzen sieht. Hier wird das gespendete Geld gezählt.

Von Bagan über Kalaw zum Inle Lake

Aus unersichtlichen und schwer nachvollziehbaren Gründen haben wir den „Local-Bus“ ausgewählt um uns für ca. 10 € von Bagan nach Inle Lake zu bringen. Der Bus ist „real“ und furchtbar anstrengend- laufen doch die ganze Nacht birmanische Soaps oder Musikclips in ohrenbetäubender Lautstärke. Zudem hält der Bus an jeder erdenkliche Stelle. In unserem Fall kommt das Glück dazu, dass wir ca. 20 Minuten durch eine Schnapsleiche verlieren. Zum Ende wird der Fahrgast einfach in den Bergen um Kalaw vor die Tür gesetzt bzw. geschmissen.

Ankunft in Inle Lake ist kurz vor der Stadt Njaungshwe. Von hier aus sind es (im Gegensatz zu den anderen Städten) nur wenige Kilometer vom Busstop bis zur Stadt. Die Siedlung ca. 5 Kilometer vom Inle Lake ist nicht mehr oder weniger als eine Travelleranlaustelle (bewusst Traveller: Denn wohlhabende Reisende ziehen in die Hotels an der West und Ostküste des Sees oder direkt darauf. Preise ca. 200-350 Dollar/Nacht) mit Hotels und Souvenirshops. Vom Bootssteg werden Touren auf den Inle Lake angeboten (zwischen 20 und 40 Dollar). Wer clever ist und ein wenig das Dorfleben kennen lernen möchte, sollte ein Fahrrad mieten und einfach den Fluss herunterradeln und in einem der Dörfer nach einem Boottaxi Ausschau halten. Das ist günstiger und die Chance, auf einen Tee bei einer der Familien eingeladen zu werden, ist wesentlich größer.

Das Cruisen über den See ist herrlich. Imposante Eindrücke bekommt man auf der Fahrt- insbesondere von den einbeinig rudernden Fischern. Auch die Fischerdörfer am Rande und vor allem die schwimmenden Gärten zeugen von einer ganz bestimmten Kultur. Das ungefähre Einkommen eines Fischers beträgt 60 Dollar/monatlich. Pervers, wenn man bedenkt, dass keine 50 Meter neben der einfachsten Fischerhütte, die Chinesen auf dem See ein Kasino bauen und in Hotels nächtigen, die bis zu 350 Dollar/Nacht kosten. Ein weiterer Wermutstropfen ist (wie eigentlich überall im Land) der sich überall stauende Müll. Nicht nur am Ufer des Sees sondern auch in den kleinen Durchfahrtstrassen auf dem See sieht man Müll- hauptsächlich Plastikflaschen aber auch alles andere, was Menschen wegwerfen. Ich bin mir nicht sicher, ob es sowas wie eine Müllabfuhr in Myanmar gibt.

Am späten Nachmittag bietet sich eine Fahrt mit dem Fahrrad (rund um den Inle Lake ist das Leihen von Motorrollern nicht möglich! Auch Taxis sind extrem schwer zu bekommen) zur Weinprobe an. Hier geniesst man eine nette Aussicht und bei einem Glas Wein ergeben sich tolle Gespräche mit weiteren Reisenden. Als wir mit unseren amerikanischen Gesprächspartnerinnen über See blicken und dort nur ein einziges Licht sehen, prophezeien, die beiden, dass innerhalb der nächsten 5 Jahre der Tourismus massiv zunehmen wird. Und schliesslich müssen die beiden es wissen: Beide sind seit über 20 Jahren als Freelancer für die amerikanische Regierung in Entwicklungsländern aktiv.

Die Chinesen erobern den Inle See

Der Eindruck wird am nächsten Tag bestärkt. Ein Ausflug zu den „Hot Springs“, die ca. 8 Kilometer ausserhalb liegen, eröffnet neue Perspektiven. Bei gefühlten 40 Grad in der Mittagssonne werden hier die Strassen rund um den Inle See erneuert bzw. neu gebaut. Das ganze geschieht in einer atemberaubenden Geschwindigkeit, spielt der Faktor des Humankapitals (Arbeitskräfte) doch eine untergeordnete Rolle, da er in Form von Frauen, Kindern und Männern (gespürt fast unbegrenzt) zur Verfügung steht.

Die Hotels am westlichen Seerand, die sich augenscheinlich eher der chinesischen Zielgruppe zuwenden, propagieren Luxus pur- sowohl preislich als auch ausstattungsmäßig.

Im kleinen Dorf Kaugh Daing durfte ich im Übrigen ganz zufällig und überraschend Zeuge eines kleinen Dorffestes werden. Irgendwie wirkte dies wieder ein wenig wie Karaoke J

Weiter geht die Reise am Abend Richtung Yangoon mit dem Nachtbus- von da aus direkt weiter mit dem Bus über Pathein nach Chaungpa.

Wissenswertes: Busbahnhöfe in Myanmar

Reisen in Myanmar ist immer auch ein Stück weit Abenteuer. Mit deutscher Gründlichkeit und Pünktlichkeit darf man auf gar keinen Fall rechnen. Manchmal fahren Busse früher los, manchmal von woanders und fast immer haben Sie Verspätung. Wichtig ist es allerdings, zu verstehen, dass es im Speziellen in Rangun mehrere Bahnhöfe gibt. In jedem Fall sollte man sich genau versichern, zu welchem Bahnhof man muss und wie lange man benötigt. Auch kleinere Städte erlauben sich mehrere Bahnhöfe…

Von Rangun über Ngwe Saung Beach nach Chaungpa

Vorab: Es gibt auch direkte Busverbindungen von Rangun nach Chaungpa. Allerdings nicht von jedem Bahnhof und zu jeder Zeit. Daher mussten wir etwas notgedrungen den Umweg über Ngwe Saung Beach nehmen. Ngwe Saung Beach ist Ngapali der wohl beliebteste Strand Myanmars für Inlandtouristen und ausländische Strandliebhaber. Chaungpa ist etwas weniger touristisch als Ngwe Saung Beach und vor allem günstiger. Die Reise von Ngwe Saung Beach nach Chaungpa lässt sich nur mit dem Motorollertaxi bewerkstelligen, da während der Fahrt durch kleine Dörfer und wunderschöne Sandstrände (Ja, das ist normal, dass die Motoroller über die einsamen Strände heizen…) drei Flüsse überquert werden müssen. Das ist auch der Grund warum man für schätzungsweise 15 Kilometer 2 Stunden braucht. Die Wartezeiten für die „Fähren“ sind halt solange bis das Boot voll ist. In jedem Fall ist die Fahrt absolut empfehlenswert (Sie wird auch als separate Touristentour angeboten. Preis ca. 12 Dollar pro Person, da die Fähren nicht günstig sind).

Ankunft im Hill Garden Hotel in Chaungpa

Das Hill Garden Hotel ist ein Schwesterhotel des  Shwe Hin Tha Hotels (ca. 500 Meter auseinander). Das Hill Garden Hotel ist sowohl günstiger als auch mit 25 Dollar/Nacht wesentlich günstiger als die große Schwester. Der Besitzer ist angeblich ein belgischer Hotelier. Er hat das Hill Garden Hotel für Ausländer ausgelegt und das teurere Hotel für inländische Touristen. Aus dem einfachen Grunde, dass sowohl von den Essensgewohnheiten als auch den Lebensgewohnheiten zwischen beiden Kulturen doch ein relativ großer Unterschied besteht. Im Hill Garden wird es dem Durchschnittseuropäer in jedem Fall sehr gut gefallen. Sehr gutes Essen (Seafood! Hummer! Im Notfall auch ein wenig Western Cuisine), tolle Unterkünfte mit Meerblick (kleine Bungalows mit hot shower! Und bequemen Betten), Sauberkeit und sehr gut geschulte Chefin, die sich um alles kümmert.

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